Kurs auf TI: „Hersteller, lasst uns jetzt nicht hängen“

TI

Veröffentlicht 13.12.2021 10:10, Dagmar Finlayson

Beim KH-IT-Clubabend im Dezember 2021 präsentierte Lars Forchheim einen Praxisbericht über TI und den Pilotbetrieb. Der Leiter des Dienstleistungszentrums Anregiomed gkU skizzierte realistisch Richtung und Stolpersteine auf dem Weg in die digitale Zukunft. Die Resonanz beim virtuellen Clubabend bestätigte den Status der Teilnehmer für ihre Häuser, Stand 8.12.2021: Einiges ist geschafft, manches noch zu erreichen. Beim Kurs auf die Telematikinfrastruktur wechselt grünes Licht mit roten Ampeln ab.

IT-Manager Lars Forchheim nahm einige Meilenstein der TI in den Blick. Die Reise für die TI begann 2021 zum 1.2., mit der Pflicht, den Versicherungsstammdatenabgleich umzusetzen. Lars Forchheim: „Dazu ist festzustellen: das läuft (wenn die TI vorhanden ist, etwa spontane Ausfälle der Konnektoren, die auch für Hersteller sowie die gematik rätselhaft bleiben).“

Zum 1.6. folgte die nächste Herausforderung „Notfalldatensätze“, auf die in der EPA zuzugreifen sein sollen. Hier ist der Haken von ANregiomed dahinter gesetzt. Diese Organisation ist ein Verbund der Kliniken Ansbach, Dinkelsbühl, Rothenburg und der Praxisklinik Feuchtwangen. Der Klinikverbund versorgt ca. 2.200 Mitarbeiter etwa 40.000 akutstationäre Patienten pro Jahr.

Anwendungen innerhalb der TI noch offen

gematik schreibt über die TI-Anwendung Kommunikation im Medizinwesen (KIM): Sie ist seit Anfang 2021 von mehreren Anbietern verfügbar und Grundvoraussetzung für den sicheren, digitalen Austausch von Patientendaten. KIM ist ein E-Mail-Dienst mit Verschlüsselung der Daten und der Möglichkeit der digitalen Signatur. Für zahlreiche Anwendungen innerhalb der TI sowie auch für den Übergang zum papierlosen Beantragungs- und Genehmigungsverfahren ist KIM notwendig.

Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), das Digitale Versorgung-Gesetz (DVG) sowie das Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG) sehen die verpflichtende Übermittlung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) vor. Ab dem 1. Oktober 2021 sollte die eAU eigentlich verpflichtend in jeder Praxis angewendet werden. Es gibt Schwierigkeiten der Krankenkassen, die elektronische Krankschreibung (eAU) zu empfangen. Nun sollen die Praxen nachziehen. Das System konsolidiert sich so langsam. Nun müsse man nur noch die Praxen befähigen, mit der neusten Technik zu arbeiten. Lars Forchheim muss festellen: „Zurzeit gibt es noch keine Kasse, die vor dem 1.1.2022 die eAU annehmen kann.“

Holprig wird der Weg auch beim „Entlassmanagement“. Hier dürfen nur Ärzte aktiv werden. Ein Assistenzarzt kann das Rezept nur dann freigeben, wenn er sich in Ausbildung befindet und zugleich ein Ausbilder für ihn im System hinterlegt ist. Oberarzt, Chefarzt, Facharzt: einer von ihnen muss dazu im Haus sein. Problematisch bleibt das Wochenende: ein Teilnehmer beim Clubabend pointierte: „Wer hat schon einen Facharzt in der Tasche?“

Modernes Sicherheitskonzept mit Grenzen

Ziel des Vorhabens „TI 2.0" durch die gematik ist es, Kernanforderungen effizienter und flexibler als bisher zu erfüllen, indem sie sich den technologischen Fortschritt zunutze macht. Sie zielt insbesondere auf eine Verringerung der Komplexität für alle Beteiligten und eine Erhöhung der betrieblichen Stabilität. Gleichzeitig wird mit der Einführung eines neuen übergreifenden Standards für die Systemschnittstellen die Erschließung neuer Nutzenpotentiale befördert. Die gematik geht dabei technisch moderne Wege, denn die Sicherheitsarchitektur der zukünftigen TI 2.0 wird auf den Prinzipien des sogenannten „Zero Trust"-Ansatzes beruhen und somit die gesamte Bandbreite der Möglichkeiten einer Ende-zu-Ende-Absicherung nutzen.

„Vereinfachung bei gleichzeitig höherem Nutzen“ lautet eine gematik-Parole. „Wir Anwender machen das Krankenhaus sicher,“ betonten Teilnehmer beim KH-IT-Clubabend.  Doch das alte Spiel „alles nur aus  einer Hand“ ähnlich wie bei den Schnittstellen und deren Kosten laufe weiter. Anwender sehen sich einem Diktat unterworfen, das nicht im Sinn der gematik sei. Anbieter verlangten Geld für die Anpassung von einigen Anwendungen. Der Appell der IT-Leiter beim Clubabend lautete: „Die gematik hat vorgedacht, Hersteller lasst uns jetzt nicht hängen.“ Anbieter müssen hier nachbessern. Doch die Anbieter zögern. Sie scheinen allergisch gegen Kritik von Anwenderseite. Jetzt sollten die Anwender aufstehen und sich beschweren.

Grünes Licht und rote Ampeln

Die Bilanz der Telematikinfrastruktur TI zeigt bislang Lücken in der intersektoralen Bilanz. Mit grünem Licht wechseln roten Ampeln ab. Wirtschaftlichkeit und Verbesserung der Versorgungsprozesse, der Blick auf die digitale Zukunft und ihre Mehrwerte lassen sich bislang nur schwer beziffern. Das kam beim KH-IT-Clubabend im Dezember 2021 zur Sprache. „Es besteht derzeit noch kein besserer Prozess, da wir uns bislang in der Einführung des Systems befinden. Die nächsten Stufen sollen einen digitalen Ablauf ohne Medienbrüche bringen.“ Zur Einführung seien noch zwei Schritte mehr als bisher nötig. Die gematik will die übergreifenden IT-Standards für den Aufbau und den Betrieb der gemeinsamen Kommunikations-Infrastruktur aller Beteiligten im Gesundheitswesen entwickeln. Es geht um die Umsetzung. Die Erwartungen sind da, der Erfolgsdruck ebenfalls.

 

www.kh-it.de

Foto: Lars Forchheim, IT-Manager des Dienstleistungszentrums Anregiomed gkU, skizzierte realistisch Richtung und Stolpersteine auf dem TI-Weg der Krankenhäuser in die digitale Zukunft.

 

von Wolf-Dietrich-Lorenz


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