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Halbleiter-Hype betrifft auch NeuroTech: Deutsche Unternehmen forschen an KI für das Gehirn
Category : Forschung
Published by Kai Wehrs on 16.01.2026 10:10

Der schnelle Fortschritt der Künstlichen Intelligenz verändert derzeit viele Branchen - und erhöht weltweit die Nachfrage nach leistungsfähigen und zugleich energieeffizienten Halbleitern.

Auch die Medizintechnik profitiert davon: Deutsche Unternehmen nutzen moderne Chip-technologie, um neue Therapien für neurologische Erkrankungen zu entwickeln. Das Heidelberger MedTech-Startup Precisis und der Halbleiterkonzern Infineon Technologies AG bündeln ihre Expertise, um wegweisende Lösungen für die Behandlung medikamentenresistenter Epilepsie voranzutreiben.

Im Zentrum der Kooperation steht das minimalinvasive Gehirnstimulationssystem EASEE®, das durch energieeffiziente und sichere Halbleitertechnologie von Infineon präzise Stimulationspulse direkt im Implantat erzeugt. Im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten M/EDGE-Projekts vertiefen beide Unternehmen ihre Zusammenarbeit und entwickeln gemeinsam sichere, energieeffiziente Edge-Computing-Ansätze für medizinische Implantate. Darüber hinaus plant Precisis seine Forschung auf weitere Indikationen wie medikamentenresistente Depression auszuweiten, um das Potenzial moderner Neurotechnologie für ein breites Patientenspektrum zugänglich zu machen.

Die weltweite Nachfrage nach Halbleitern erlebt durch den rasanten Aufstieg von Künstlicher Intelligenz einen großen Wachstumsschub. Ein Trend, der auch für Deutschland enorme wirtschaftliche Chancen eröffnet. Als Schlüsseltechnologie für nahezu alle Zukunftsbranchen gilt der Halbleitersektor zunehmend zum strategischen Pfeiler der europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Besonders die MedTech-Industrie profitiert. Energieeffiziente, hochzuverlässige Chips ermöglichen Therapieformen, die bisher technisch undenkbar waren. Vor diesem Hintergrund formt sich eine richtungsweisende Partnerschaft: Seit Jahren arbeiten der Halbleiterkonzern Infineon und das Heidelberger MedTech-Startup Precisis gemeinsam daran, die Therapie medikamentenresistenter Epilepsie grundlegend weiterzuentwickeln. Im Zentrum der Zusammenarbeit steht EASEE®, das weltweit erste minimalinvasive Gehirnstimulationssystem seiner Art. Es eröffnet Patientinnen und Patienten eine völlig neue therapeutische Perspektive. Im Kern des Implantats, dem sogenannten Implantable Pulse Generator (IPG), kommen gesicherte Speicherchips und energieeffiziente Halbleiter von Infineon zum Einsatz. „Die solide technologische Basis, die zudem im europäischen Raum unabhängig verfügbar ist, ermöglicht es nicht nur den hohen Anspruch bei der Medizinprodukteentwicklung zu genügen, sondern auch eine langfristige und sichere Patientenversorgung zu gewährleisten.“, erklärt Dr. Ciamak Abkai, R&D Vice President von Precisis. „Die enge Zusammenarbeit mit Infineon ist für uns ein zentraler Baustein, um unsere Technologie weiter zu skalieren und neue Indikationen zu erschließen“, betont Karl Stoklosa, CEO von Precisis.

Künstliche Intelligenz soll im Kopf bald neuronale Wellen analysieren

Dank der Kombination aus KI-gestützter Analyse und den Infineon-Chips entsteht das Fundament einer neuen Ära personalisierter Medizin. „Durch energieeffiziente und sichere Chips können wir zukünftig neuronale Daten im Implantat per KI analysieren und so die Stimulation in Echtzeit anpassen. Das eröffnet bisher ungekannte Möglichkeiten für hochpersonalisierte Neurotherapien“, erläutert Dr. Ciamak Abkai. Echtzeitdaten können unmittelbar verarbeitet, die Stimulation bedarfsgerecht angepasst und Therapien auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten abgestimmt werden. Das System arbeitet mit einer dünnen, unter der Kopfhaut platzierten Elektrode, die gezielt elektrische Pulse an die überaktiven Gehirnareale sendet. Die Platzierung der Elektrode erfolgt minimalinvasiv, ohne den Schädel zu öffnen. „Künstliche Intelligenz hält in nahezu allen Branchen Einzug – so auch in der Medizintechnik. Entscheidend ist nun, auf welche Partner man in dieser neuen Ära setzt. Mit der bewussten Wahl eines deutschen Unternehmens und des führenden Halbleiterherstellers Infineon arbeiten wir langfristig an einer Lösung, die KI nachhaltig in unser Produkt integriert und auf diese Weise möglichst vielen Patienten weltweit zugutekommt“, erklärt Karl Stoklosa.

Precisis und Infineon kooperieren im deutschen M/EDGE-Projekt

Im Rahmen des M/EDGE-Projekts, das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert wird, vertiefen Precisis und Infineon ihre Zusammenarbeit zur Entwicklung gesicherter und energieeffizienter Edge-Computing-Lösungen für medizinische Implantate. Ziel der Forschungsarbeiten ist es, Implantate in die Lage zu versetzen, komplexe neuronale Daten direkt zu verarbeiten, KI-Algorithmen lokal auszuführen und Therapieentscheidungen in Echtzeit bei höchster Datensicherheit zu unterstützen. „Die Expertise von Infineon im Bereich energieeffizienter und hochmoderner Halbleitertechnologien ermöglicht es Geräten wie EASEE®, komplexe neuronale Daten lokal und in Echtzeit zu verarbeiten und damit Therapieentscheidungen bei maximaler Datensicherheit zu unterstützen“, erklärte Maurizio Skerlj, Senior Vice President und Product Line Head bei Infineon. „Die Zusammenarbeit mit Precisis stellt einen entscheidenden technologischen Fortschritt dar und zeigt, wie unsere Technologie die Lebensqualität von Menschen mit neurologischen Erkrankungen verbessern kann.“

Neue Perspektiven für Patienten – Präziser, verträglicher, individueller

Die Kombination aus minimalinvasiver Neurostimulation, energieeffizienter Halbleitertechnologie und KI-gestützter Echtzeitauswertung eröffnet neue Wege für personalisierte Therapien. Patienten profitieren von individuell abgestimmten Stimulationsmustern, die schneller greifen, präziser wirken und weniger Nebenwirkungen verursachen als viele medikamentöse Behandlungsansätze. Die Technologie bietet nicht nur eine neue Option für Menschen mit therapieresistenter Epilepsie, sondern legt den Grundstein für zukünftige Anwendungen bei weiteren neurologischen Erkrankungen. „Wir wollen die Grenzen der Neurostimulation konsequent weiter verschieben und arbeiten daran, KI künftig dauerhaft in unsere Technologie zu integrieren. Unser Anspruch ist es, neuartige Therapien zu entwickeln, die weltweit eingesetzt werden können – präziser, schonender und individuell zugeschnitten auf jeden einzelnen Patienten“ so Precisis CEO Karl Stoklosa abschließend. Precisis arbeitet bereits daran, seine Expertise auf Indikationen wie medikamentenresistente Depression auszuweiten und damit das Potenzial moderner Neurotechnologie für ein breites Patientenspektrum nutzbar zu machen.

 

Über Precisis:

Die PRECISIS GmbH ist ein innovatives Medizintechnikunternehmen mit Sitz in Heidelberg, Deutschland, das sich der Weiterentwicklung neuromodulatorischer Lösungen für Patientinnen und Patienten mit neurologischen Erkrankungen widmet. Seit ihrer Gründung im Jahr 2014 hat sich PRECISIS mit dem EASEE®-System – ihrem wegweisenden, minimalinvasiven Gehirnschrittmacher für medikamentenresistente fokale Epilepsie – auf Basis belastbarer klinischer Evidenz etabliert. Ausgezeichnet mit dem renommierten Health-i Award des Handelsblatts für diesen Durchbruch und als Gewinner des Shark Tank-Wettbewerb der American Epilepsy Foundation demonstriert PRECISIS sowohl technologische Exzellenz als auch ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse von Patientinnen, Patienten und behandelnden Ärztinnen und Ärzten.

Mit einem Fokus auf Europa und die Vereinigten Staaten verfolgt das Unternehmen das Ziel, die Lebensqualität weltweit nachhaltig zu verbessern, indem es frühe, wirksame Therapieoptionen bereitstellt und neue Standards in der Neuromodulation setzt.

Weitere Informationen finden Sie unter https://precisis.de

 

Quelle: PRECISIS GmbH

Symbolbild: Stock Pix Master / AdobeStock