
Deutschlands größtes Darmkrebszentrum verdoppelt Kapazitäten für schonende, roboter-assistierte Eingriffe. Das Israelitische Krankenhaus in Hamburg (IKH) hat seinen Opera-tionstrakt in rund zweieinhalb Jahren Umbauzeit grundlegend modernisiert und erweitert. Entstanden sind vier hochmoderne Operationssäle – zwei davon konsequent auf roboter-assistierte Eingriffe ausgerichtet. Herzstück der neuen OP-Einheit sind zwei führende Robotik-Plattformen: der da Vinci Xi sowie der seit Herbst 2025 am IKH im Einsatz befind-liche Hugo™ RAS. Das IKH gehört damit zu den wenigen Zentren in Deutschland, die in der Viszeralchirurgie zwei Systeme parallel einsetzen. Dies ermöglicht künftig noch mehr Patient*innen den Zugang zu modernster roboterassistierter Chirurgie.
Präzision, die Patient*innen spüren
Bei der roboterassistierten Chirurgie überträgt die Chirurgin oder der Chirurg Bewegungen mittels einer Steuerkonsole in Echtzeit millimetergenau auf feine Roboterarme. Diese arbeiten mit einer Beweglichkeit, die die des menschlichen Handgelenks deutlich übertrifft.
Für Patient*innen bedeutet roboterassistierte Chirurgie, insbesondere bei Darm-, Bauchspeicheldrüsen- oder Speiseröhrenkrebs, kleinere Schnitte, weniger Schmerzen nach der Operation, kürzere Krankenhausaufenthalte und eine schnellere Rückkehr in den Alltag.
Forschung und Entwicklung
„Robotische Chirurgie ist nicht die Chirurgie der Zukunft – sie ist die Chirurgie der Gegenwart. Die modernisierten Operationssäle stärken die Versorgung unserer Patientinnen und optimieren die Arbeitsbedingungen unseres Teams. Und sie sind wichtige Voraussetzung für unseren Beitrag zu Forschung und Entwicklung der Medizintechnik von morgen“, so Jan-Hendrik Egberts, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Chirurgischen Klinik. Er prägt die Weiterentwicklung der robotischen Chirurgie auf internationaler Ebene: als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Roboterassistierte Chirurgie und Innovationen (ROBIN) der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie und als Advisory-Board-Mitglied im engen Austausch mit führenden Firmen. Das IKH selbst ist internationales Ausbildungszentrum: Chirurginnen aus dem In- und Ausland werden hier an beiden Operationssystemen geschult.
Modernisierung mit Zukunftsperspektive
Die bauliche Grundlage für diese Entwicklung schuf eine umfassende Modernisierung des gesamten OP-Trakts. Die Gesamtfläche wuchs um 110 Quadratmeter auf rund 670 Quadratmeter. Neben den vier Operationssälen und neuen Aufenthalts- und Dokumentationsräumen ist die vollständig erneuerte Lüftungs- und Klimatechnik zentraler Bestandteil der technischen Modernisierung. Diese stellt stabile Temperaturen, höchste Hygienestandards und eine energieeffiziente Versorgung sicher. Ermöglicht wurde das Vorhaben durch eine Förderung der Freien und Hansestadt Hamburg von über 15 Millionen Euro.
„Der gesamte Umbau wurde bei laufendem Klinikbetrieb und ohne Unterbrechung der Patientenversorgung in zwei Bauphasen realisiert. Das ist eine außerordentliche Leistung unseres gesamten Teams und aller beteiligten Baupartner“, so Marcus Jahn, Geschäftsführer am Israelitischen Krankenhaus. „Dafür danken wir nachdrücklich der Gesundheitsbehörde: Die Investition ist ein klares Bekenntnis zur hochqualitativen medizinischen Versorgung am Standort Hamburg und sie gibt uns die Grundlage, um auch in den kommenden Jahren weiter zu wachsen.“
Zur Eröffnung kamen am Abend des 7. Mai knapp 200 Gäste zusammen, darunter Gesundheitssenatorin Melanie Schlotzhauer und der Vorsitzende der Stiftung Israelitisches Krankenhaus in Hamburg, Max Warburg.
Nationales Kompetenzzentrum für robotische Chirurgie
Das IKH zählt zu den führenden viszeralchirurgischen Zentren Deutschlands und ist als einzige Klinik Norddeutschlands von der Deutschen Krebsgesellschaft für die Behandlung von fünf Tumorerkrankungen des Verdauungstrakts zertifiziert: Darmkrebs, Pankreaskrebs, Speiseröhrenkrebs, Magenkrebs sowie Analkarzinome. Nach Fallzahlen ist es zugleich das größte Darmkrebszentrum Deutschlands. Als einzige Klinik im Hamburger Krankenhausplan ist das IKH darüber hinaus als Viszeralmedizinisches Zentrum ausgewiesen.
Mit der Modernisierung stärkt das Israelitische Krankenhaus seine Rolle als spezialisiertes Zentrum für komplexe viszeralchirurgische Eingriffe. Das Team blickt auf mehr als 3.000 roboterassistierte Operationen zurück. Die Förderung durch die Freie und Hansestadt Hamburg unterstreicht die Bedeutung moderner Hochleistungsmedizin für die regionale Versorgung.
Unabhängig von Nationalität und Religion übernimmt das IKH mithilfe von Spendengeldern die Zusatzkosten für roboterassistierte Eingriffe für alle Patient*innen.
Quelle: Israelitisches Krankenhaus Hamburg
Bild: Israelitisches Krankenhaus Hamburg