
paper place: Aktuelle Publikationen des UKW geben Einblicke in innovative Forschungs-projekte. Vom regenerativen Herzpatch über neurologische 3D-Modelle bis hin zu neuen Erkenntnissen in Psychiatrie, Onkologie und Chirurgie. Wissenschaftliche Publikationen sind ein wichtiger Maßstab für Fortschritte in Forschung und Medizin. Sie machen neue, von unabhängigen Fachleuten geprüfte Erkenntnisse international sichtbar, ermöglichen den fachlichen Austausch und bilden die Grundlage für zukünftige Entwicklungen und Therapien. Das Uniklinikum Würzburg (UKW) präsentiert in seinem „paper place“ regel-mäßig aktuelle Veröffentlichungen und gibt Einblicke in spannende Forschungsprojekte und ihre Bedeutung für Wissenschaft und Gesellschaft.
Bild: Ein Beispiel von vielen herausragenden UKW-Publikationen aus dem ersten Quartal 2026. PD Dr. Natascha Schäfer (links), Arbeitsgruppenleiterin in der Klinischen Neurobiologie, und Doktorandin Nicoletta Murenu entwickelten eine 3D-Plattform zur Untersuchung der Pathomechanismen des Zentralnervensystems. Foto: Daniel Peter / UKW
Auch im ersten Quartal 2026 bietet der „paper place“ wieder einige Highlights. So veröffentlichte Johannes Braig mit seiner Studie zum Herzpatch, die gleichzeitig seine Doktorarbeit war, ein im wahrsten Sinne des Wortes Herzensprojekt: Gemeinsam mit Kollegen vom Lehrstuhl für Funktionswerkstoffe der Medizin und Zahnheilkunde entwickelte Johannes Braig ein neuartiges, mehrschichtiges Herzpflaster, das geschädigtes Herzgewebe nach einem Infarkt stabilisieren und regenerieren soll. Der Vorteil gegenüber anderen Herzpflastern, die sich bereits in klinischen Studien befinden, liegt vor allem in der Herstellungsstrategie mittels Melt Electrowriting. „Damit können wir ein Gerüst erzeugen, das auf mikroskopischer Ebene die Zellführung ermöglicht und gleichzeitig auf makroskopischer Ebene die notwendige Mechanik für die Anhaftung und Kraftübertragung bereitstellt“, erklärt Braig. „Dieses Designkonzept ist einzigartig und könnte für die zukünftige klinische Anwendung solcher Patches relevant sein.“ Im Schweinemodell zeigte das Herzpflaster bereits nach sieben Tagen eine stabile Integration und Gefäßbildung. Die Studie wurde im Fachjournal Advanced Materials veröffentlicht (zum Beitrag im paper place).
Künstliches 3D-System, das die natürliche Umgebung des Rückenmarks nachahmt
In diesem renommierten Fachjournal für Materialwissenschaften und Biomaterialien wurde auch ein Projekt der Arbeitsgruppe von Privatdozentin Natascha Schäfer publiziert. Das Team aus dem Institut für Klinische Neurobiologie entwickelte ein künstliches 3D-System, das die natürliche Umgebung des Rückenmarks möglichst genau nachahmt. 3D-Modelle von Nervengewebe sind laut Schäfer von großer Bedeutung, da die dritte Dimension für die Bildung funktionierender Netzwerke und somit für das Verständnis neurologischer Erkrankungen entscheidend ist. Gleichzeitig ermöglichen die biofabrizierten 3D-Modelle schnelle pharmakologische Tests und verringern die Anzahl erforderlicher Tierversuche. Da Gehirn und Rückenmark jedoch sehr weich sind und eine komplexe Umgebung aus verschiedenen Zelltypen und Strukturen benötigen, ist die Entwicklung realistischer 3D-Modelle von Nervengewebe sehr herausfordernd. In der publizierten Studie zeigt die Doktorandin Nicoletta Murenu am Beispiel des Stiff-Person-Syndroms, dass das Modell funktionelle Krankheitsmechanismen nachbilden kann und sich als Werkzeug für die neurologische Forschung eignet (zum Beitrag im paper place).
Neue Erkenntnisse zu Depressionen und Angststörungen
Das Zentrum für Psychische Gesundheit konnte ebenfalls wegweisende Studien veröffentlichen. So gilt beispielsweise eine schwache Handkraft als Warnsignal für psychische Erkrankungen. Angststörungen sind als komplexe, biologisch mitgeprägte Erkrankungen zu verstehen, bei denen viele kleine Einflussfaktoren zusammenwirken. Und soziale Kontakte wirken zwar grundsätzlich angstreduzierend, der soziale Puffer-Effekt ist bei Menschen mit Depression jedoch abgeschwächt. Dies könnte erklären, warum soziale Situationen für Betroffene trotz der potenziell positiven Wirkung oft belastend bleiben (zu den Publikationen des ZEP).
Forschung quer durch die Disziplinen
Auch andere Kliniken waren erfolgreich. So publizierte die Hautklinik neue Erkenntnisse zur Behandlung des malignen Melanoms. Die Medizinische Klinik II veröffentlichte Studien zu einem neuen Biomarker beim Pankreaskarzinom, zu Immunreaktionen gegen das Cytomegalovirus (CMV) nach Stammzelltransplantationen sowie zu neuen Therapieansätzen beim Multiplen Myelom. Die Chirurgie untersuchte verschiedene Methoden zur Behandlung von Schaftfrakturen der Mittelhand sowie eine neuartige Zementpaste zur Stabilisierung von Schrauben in der Wirbelsäule. Für weitere Einblicke lohnt sich ein Blick in die aktuellen und archivierten Beiträge: www.ukw.de/paperplace

Im paper place präsentiert die Wissenschaftskommunikation des UKW eine Auswahl herausragender Publikationen der Kliniken, Zentren, Institute und Arbeitsgruppen – veröffentlicht in renommierten Journalen, viel zitiert oder bedeutend in der Zusammenarbeit. Anzeigen
Quelle: Universitätsklinikum Würzburg
Foto: Daniel Peter / UKW