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Virtueller KI-Interviewer für das Gesundheitswesen
Category : Künstliche Intelligenz News
Published by Kerstin Müller on 20.05.2026 08:40

Prototypisierungsgrant fördert KI-Dialogsystem, das einfühlsame Interaktionen simuliert – Neuer Call geöffnet bis 20.07.2026

Einen realistisch wirkenden und menschlich agierenden Avatar entwickelt ein Team von Wissenschaftler*innen von der Universität Bonn und dem Universitätsklinikum Bonn (UKB). Dieses KI-Dialogsystem soll als virtueller Interviewer in verschiedenen Bereichen, wie etwa im Gesundheitswesen, eingesetzt werden. Das Projekt „FeelForge - Creating interactive environments for empathetic human-AI communication” um Dr. Tobiasz Kaduk erhält nun einen Prototypisierungsgrant und bereitet den Avatar für eine Vermarktung vor. Die Grants mit einer Fördersumme von bis zu 20.000 € werden regelmäßig vom Transfer Center enaCom vergeben. Für eine Förderung ab Herbst 2026 können Anträge bis zum 20.07.2026 eingereicht werden.

Bild: Simulation eines Arztgesprächs mit einem Avatar © Tobiasz KadukBildhinweis: Aus redaktionellen Gestaltungsgründen wurde das Originalbild hinsichtlich Format und Hintergrunddarstellung angepasst.

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Viele der aktuell genutzten KI-Dialogsysteme basieren vor allem auf Text und wirken dadurch oft unpersönlich. Der innovative KI-Avatar soll als realistischer Gesprächspartner auch nonverbale Informationen wie Gestik, Mimik und Tonalität mit einbeziehen und somit über eine reine Textanalyse hinausgehen. Dadurch können die Aussagekraft von Interviews verbessert und die Gespräche für die interviewten Personen angenehmer und verständlicher durchgeführt werden. Projektleiter Dr. Tobiasz Kaduk erklärt: „Das System wird Sprachmodelle (Large Language Models, kurz: LLMs), die zu strukturiertem Denken und Dialogvalidierung fähig sind, mit einem emotional ausdrucksstarken Avatar, der über Mimik, Gestik, Körperhaltung und kontextbezogene Umgebungshinweise kommuniziert, verbinden.“ Der Avatar reagiert also nicht nur mit Text oder Sprache, sondern auch durch nonverbale Ausdrucksformen.

Ein zentraler Aspekt dieser Forschung ist die Gamifizierung der Mensch-KI-Interaktion durch immersive audiovisuelle Kommunikation und KI-Integration, um das Erlebnis und die Barrierefreiheit für Nutzer*innen unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichem Hintergrund zu verbessern. „Die Entwicklung unserer Technologie konzentriert sich auf naturalistische Animationen, emotionale Ausdrucksformen und adaptive Reaktionen, die darauf ausgelegt sind, ansprechendere und authentischere Interaktionen zu schaffen“, ergänzt Tobiasz Kaduk. Mit der Förderung des Prototypisierungsgrants sollen diese Erkenntnisse für den Anwendungsfall verifiziert und ein funktionierender Prototyp des KI-basierten Avatars vorbereitet werden.

Verschiedene Anwendungsfälle von Therapie bis Videospiele

Die Einsatzfelder für einen solches KI System sind vielfältig und reichen von Therapien im Gesundheitsbereich über Schulungszwecke bis hin zu Videospielen. In der Psychotherapie könnte der Avatar zum Beispiel Erstfragebögen oder automatisierte Dialoge übernehmen. Damit würden einer zunehmenden Personalknappheit im klinischen Bereich vorgebeugt sowie Wartezeiten für Patientinnen und Patienten verkürzt und der Behandlungskomfort verbessert werden. Im Bereich der Videospiele könnte der Avatar zu einer realistischeren Spieleumgebung beitragen. Für kleinere Spielestudios, denen die Ressourcen zur Entwicklung maßgeschneiderter, naturgetreu animierter Avatare fehlen, könnte diese Technologie eine erschwingliche Lösung für die Schaffung immersiverer und emotional fesselnderer virtueller Umgebungen darstellen.

Erfolgreiche Zusammenarbeit von Medizin und Informatik 

Das Projekt „FeelForge“ vereint Forschungsergebnisse und Expertise aus den beiden Fachbereichen Medizin und Informatik und baut auf Vorarbeiten aus dem Verbundprojekt InVirtuo 4.0 von Universität Bonn, Universitätsklinikum Bonn, dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und der TU Dortmund auf. Im Rahmen dieses Projekts entwickelte Dr. Tobiasz Kaduk mehrere interaktive virtuelle 3D-Umgebungen und sammelte praktische Erfahrungen im Umgang mit Avatarsystemen, Animations-Pipelines und der Integration von LLM-basierten KI-Tools für die Sprachinteraktion.

An dem Projekt „FeelForge“ beteiligt sind Dr. Tobiasz Kaduk, Prof. Dr. Lucie Flek, Leiterin der Forschungsgruppe „Data Science & Language Technologies“ am Bonn-Aachen International Center for Information Technology (b-it)Prof. Dr. Alexandra Philipsen, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am UKB, Dr. Niclas Braun, Leiter der Forschungsgruppe “Virtual Reality Therapy und Medical Technology” am UKB, und Dr. Tatiana Goregliad Fjaellingsdal (UKB).

Förderung durch das Transfer Center enaCom

Der Prototypisierungsgrant unterstützt wissenschaftliche Ideen, die für eine praktische Anwendung vorbereitet werden sollen. Neben einer finanziellen Förderung von bis zu 20.000 Euro erhalten die Wissenschaftler*innen ein umfangreiches Begleitprogramm mit Workshops zu unterschiedlichen Themen sowie eine enge Beratung durch die Start-up Expert*innen vom Transfer Center enaCom. Ziel ist die Erstellung eines anwendungsnahen Prototyps, der als tragfähige Basis für eine spätere Ausgründung dient.

Neuer Call: Prototypisierungsgrant

Die Einreichungsfrist für die aktuelle Ausschreibungsrunde der Prototypisierungsgrants endet am 20. Juli 2026Hier finden Sie alle Informationen! 

 

Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Bild: © Tobiasz Kaduk Ansehen

Bildhinweis: Aus redaktionellen Gestaltungsgründen wurde das Originalbild hinsichtlich Format und Hintergrunddarstellung angepasst.