
Zwischen Algorithmus und Evidenz: Wie verlässlich ist Gesundheitswissen aus der KI?
Immer mehr Nutzer verlassen sich auf Chatbots, weil sie schnelle Antworten liefern, komplexe Zusammenhänge verständlich erklären können und als hilfreich und vertrauens-würdig bewertet werden. Gerade bei gesundheitlichen Fragen spielt Zeit eine große Rolle – etwa wenn ein plötzlicher Ausschlag oder ein unerwartetes Symptom auftaucht. Viele Menschen suchen erst nach Informationen, bevor sie einen Arzt aufsuchen. Doch die Geschwindigkeit birgt auch Risiken, denn nicht jede KI-Antwort ist verlässlich. Vor diesem Hintergrund prüft die Stiftung Gesundheitswissen in einer Machbarkeitsstudie, ob ein evidenzbasierter Gesundheits-Chatbot möglich ist – und wie er Menschen beim Suchen, Finden und Bewerten von medizinischen Informationen unterstützen kann. Erste Tests zeigen: KI kann Wissen fundiert vermitteln, wenn Qualität und Kontrolle stimmen.
Die Messlatte: Qualitätsanforderungen an Gesundheitswissen
Seriöse Gesundheitsinformationen müssen hohen Ansprüchen genügen, um verlässliche Orientierung zu bieten. Für die Stiftung Gesundheitswissen zählen dazu insbesondere:

Bild: © Stiftung Gesundheitswissen
Seriöse Gesundheitsinformationen müssen hohen Ansprüchen genügen.
Der große Hoffnungsträger: das Potenzial von KI
KI-Chatbots könnten all diese Anforderungen theoretisch erfüllen. Sie verarbeiten riesige Datenmengen in Sekunden, fassen Wissen zusammen und liefern Antworten schneller, als ein Arzt ans Telefon gehen kann. Besonders spannend ist, dass
KI auch Zusammenhänge herstellen kann, die in herkömmlichen Internetrecherchen schwer zu überblicken sind. Beispielsweise kann ein Bot Symptome, Risikofaktoren und mögliche Behandlungswege kombinieren und dabei mehrere evidenzbasierte
Quellen berücksichtigen. Damit bietet er die Chance, nicht nur Informationen bereitzustellen, sondern sie in einen sinnvollen Kontext zu setzen.
Die Hürden: Probleme bei Evidenz, Neutralität und Korrektheit
Bislang liefern Chatbots nicht immer verlässliche Informationen. Die größten Herausforderungen sind dabei:
Der Lösungsansatz: ein Forschungsprojekt zur Qualitätsprüfung der KI
Angesichts der bestehenden Chancen und Risiken führt die Stiftung Gesundheitswissen gemeinsam mit der ZTM Bad Kissingen GmbH eine Machbarkeitsstudie durch, um die Umsetzbarkeit eines Chatbots zu prüfen, der die Qualitätsanforderungen an Gesundheitswissen erfüllen kann – und dahingehend evidenzbasiert ist. Der Fokus liegt auf einem kontinuierlichen Prüfsystem, das Halluzinationen und Verzerrungen automatisiert erkennt und minimiert. Das Besondere: Nicht die Technik selbst steht im Mittelpunkt, sondern die Sicherstellung der Qualität. Ziel ist es, Mechanismen zu entwickeln, die auch bei Millionen Anfragen pro Tag verlässlich arbeiten. Die Studie prüft unter anderem, wie eine zweite KI als Kontrollinstanz Antworten systematisch prüfen kann – gewissermaßen eine Zweitprüfung in Echtzeit.
Mit qualitätsgesicherten Daten und gezielten Anweisungen sinkt die Fehlerquote von KI deutlich.
Erste Erfolge: Qualität ist steuerbar
Erste Tests zeigen vielversprechende Ergebnisse: Mit qualitätsgesicherten Daten und gezielten Anweisungen sinkt die Fehlerquote deutlich. Der Bot kann Nutzen und Risiken von Behandlungen transparent darstellen und ausgewogene, neutrale Antworten liefern. Aktuell wird untersucht, wie diese Mechanismen automatisiert und skaliert werden können. Mit diesem Projekt will die Stiftung Gesundheitswissen Menschen künftig verlässlicher beim Umgang mit Gesundheitsinformationen unterstützen und die Chancen der KI optimal nutzen. Eine Zusammenarbeit mit anderen qualitätsgesicherten Anbietern soll die Datenbasis weiter stärken und den Chatbot noch leistungsfähiger machen. Die Kombination aus evidenzbasiertem Wissen, automatisierter Qualitätssicherung und praxisnaher Aufbereitung kann die Art und Weise verändern, wie Menschen medizinische Informationen recherchieren – und gleichzeitig das Risiko reduzieren, dass Fehlinformationen Angst schüren oder Fehlentscheidungen fördern.
Markus Seelig

Leitet in der Stiftung den Geschäftsbereich Gesundheitskommunikation und -aufklärung. Besonders wichtig sind ihm eine patientenzentrierte Versorgung und ein gutes Zusammenspiel von medizinischem Fachpersonal und Patienten. © Jan Stöwe
Stiftungsmagazin kompetent "Künstliche Gesundheitsintelligenz"
Quellen und Hinweise
Unsere Gesundheitsinformationen können eine gesundheitsbezogene Entscheidung unterstützen. Sie ersetzen nicht das persönliche Gespräch mit einem Arzt oder einer Ärztin und dienen nicht der Selbstdiagnostik oder Behandlung.
Quellen:
Zu Risiken und Nebenwirkungen: Vertrauen Sie Dr. Bot?
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Quelle: Stiftung Gesundheitswissen
Bildmaterial: © Jan Stöwe, © Stiftung Gesundheitswissen