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Health-IT Talk Berlin-Brandenburg: Take-home-Points über Cybersecurity
Category : Bundesverband KH-IT
Published by Kerstin Müller on 22.05.2026 09:40

Die Anforderungen an die Absicherung der IT-Infrastruktur in der Gesundheitswirtschaft sind durch ein Spannungsfeld aus regulatorischen Vorgaben und praktischer Umsetzung geprägt. Der Health-IT Talk Berlin-Brandenburg im Mai 2026 griff diese Perspektiven in einer Hybridveranstaltung auf und vermittelte zentrale Take-home-Points zur Cybersecurity in der Krankenhausinformatik und der Gesundheits-IT. Gastgeber war die adesso SE, moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Adrian Schuster, Mitglied des Programmrats des Health-IT Talk Berlin-Brandenburg.

Bild: v.l.n.r., Diana Moness, Senior Security Consultant, bei adesso SE, Dr. med., Dipl.-Inf. Adrian Schuster, BVMI – Berufsverband Medizinischer Informatiker e.V. - Vorsitzender Landesvertretung Berlin-Brandenburg, Mitglied im Programmrat des Health-IT Talk Berlin-Brandenburg, Franziska Heinlein, Leitung Cybersecurity Management, Universitätsklinikum Augsburg, Rico Komenda,  Senior Security Consultant, adesso SE

Als Gastgeber steht adesso für digitale Exzellenz und technologisch führende Lösungen zur nachhaltigen Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Einen fundierten Einblick in regulatorische Anforderungen sowie die praktische Umsetzung von Business Continuity Management (BCM) im Kontext kritischer Infrastrukturen im Gesundheitswesen gab Diana Moness, Senior Security Consultant bei adesso SE. Sie verdeutlichte das Zusammenspiel von NIS2 und BCM: Während NIS2 Anforderungen an Sicherheitsmaßnahmen, Meldepflichten und Risikomanagement definiert, stellt BCM die Aufrechterhaltung kritischer Prozesse im Krisenfall sicher. Moness betonte: „Ziel ist es, Betriebsunterbrechungen zu minimieren, die Versorgungssicherheit zu erhöhen und Compliance zu gewährleisten. Daraus resultieren mehr Resilienz, schnellere Wiederherstellungsfähigkeit, geringere Schäden sowie ein klarer organisatorischer Rahmen für IT-Sicherheit und Krisenbewältigung.“

Sicherheitsrisiken proaktiv zu beheben

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf modernen Angriffs- und Testmethoden, insbesondere dem Red Teaming. Rico Komenda, Senior Security Consultant bei adesso SE, erläuterte, wie durch die Simulation realistischer Angriffe Schwachstellen in Technik, Prozessen und Reaktionsstrukturen identifiziert werden können. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz eröffnet hierbei neue Möglichkeiten: Angriffe lassen sich variabler gestalten, Muster schneller erkennen und Testverfahren effizienter automatisieren. Gleichzeitig entstehen neue Risiken durch zusätzliche Angriffspfade, weshalb der Einsatz von KI klare Steuerung und menschliche Kontrolle erfordert. Komenda fasste zusammen: „Red-Team-Operationen ermöglichen es Organisationen, Sicherheitsrisiken proaktiv zu identifizieren, zu analysieren und zu beheben, bevor reale Angreifer diese ausnutzen können.“

Cybersecurity als Gesamtstrategie

Aus der Perspektive eines Universitätsklinikums unterstrich Franziska Heinlein, Leitung Cybersecurity Management am Universitätsklinikum Augsburg, die strategische Bedeutung von Cybersicherheit für die Patientenversorgung. Ihr Leitsatz „Patchen statt Pflastern“ verdeutlicht den Anspruch, Ursachen zu beheben statt Symptome zu behandeln. Cybersecurity ist längst kein reines IT-Thema mehr, sondern ein zentraler Bestandteil von Patientensicherheit und Betriebsstabilität. Mit zunehmender Digitalisierung steigen sowohl Effizienz als auch Abhängigkeit von sicheren und hochverfügbaren IT-Systemen. Heinlein betonte: „Wirksamer Schutz entsteht durch das Zusammenspiel von Cybersicherheit, Business Continuity Management und Krisenvorsorge. Cybersecurity muss strategisch in die Gesamtstrategie und die Prozesse des Klinikums integriert werden, um Vorfälle und Versorgungsausfälle nachhaltig zu beherrschen.“

Health-IT-Talk Berlin-Brandenburg

Im monatlichen Health-IT-Talk Berlin-Brandenburg treffen sich Expertinnen und Experten aus medizinischer Versorgung, Industrie, Politik und Digital Health, um über die Zukunft eines vernetzten, digitalen und zugleich regional verankerten Gesundheitswesens zu sprechen. Sie tauschen sich verbands- und fachrichtungsübergreifend Branchenkollegen zur Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft aus. Unterstützt durch Non-Profit-Organisationen BVMI, TMF, KH-IT und SIBB, ist die Reihe frei von wirtschaftlichen Interessen und kostenfrei für die Teilnehmer.

 

Autor: Wolf-Dietrich Lorenz

Bildhinweis: Die abgebildete Collage wurde aus den bereitgestellten Einzelporträts redaktionell erstellt und für die Veröffentlichung gestalterisch zusammengestellt.