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Kindgerechte MRT-Diagnostik: Mainzer Forschende planen neue Versorgungsform
Category : Radiologie
Published by Kerstin Müller on 19.06.2026 09:30

Weniger Narkosen bei Kindern: Neues MRT-Konzept soll Versorgung verändern

Die Universitätsmedizin Mainz beantragt die Umsetzung des Projektes „KidsMRI“ beim Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) – Versorgung in mehreren Regionen geplant

Viele Kinder benötigen für eine MRT-Untersuchung noch immer eine Narkose – mit Risiken, zusätzlichem Aufwand und oft langen Wartezeiten. Das Projekt KidsMRI will hier ansetzen und hat einen neuen Lösungsansatz entwickelt, der nun erprobt werden soll. Dafür hat die Mainzer Universitätsmeidzin einen Antrag beim Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) eingereicht.

Warum viele Kinder bisher eine Narkose benötigen

„Unser Ziel ist es, Kindern die MRT-Untersuchung so stressfrei wie möglich zu ermöglichen – ohne Narkose und möglichst wohnortnah“, sagt Univ.-Prof. Dr. med. Ahmed Othman, Geschäftsführender Oberarzt für Radiologie & Neuroradiologie an der Universitätsmedizin Mainz, der das Projekt leitet. „Dafür kombinieren wir medizinische, pädagogische und technische Ansätze zu einem neuen Versorgungskonzept“, ergänzt Priv.-Doz. Dr. med. Haidara Al Mansour, Facharzt für Radiologie an der Universitätsmedizin Mainz und stellvertretender Leiter des Projekts.

Die Magnetresonanztomographie (MRT) gilt als besonders schonendes bildgebendes Verfahren, da sie ohne ionisierende Strahlung auskommt. Gerade für Kinder ist sie daher grundsätzlich gut geeignet. In der Praxis zeigt sich jedoch ein zentrales Problem: Während der Untersuchung müssen die Patientinnen und Patienten vollkommen stillliegen – was insbesondere jüngeren Kindern oft schwerfällt.

Deshalb erhalten viele Kinder bis etwa acht Jahre eine Narkose. Diese ist nicht nur mit medizinischen Risiken verbunden, sondern belastet auch die Familien. Zugleich bindet sie personelle und technische Ressourcen und führt dazu, dass viele MRT-Untersuchungen derzeit überwiegend im stationären Setting stattfinden. Ambulante Angebote sind bislang selten – mit Folgen für Kapazitäten, Wartezeiten und die wohnortnahe Versorgung. Besonders betroffen sind dabei Kinder mit chronischen Erkrankungen, die regelmäßig auf bildgebende Diagnostik angewiesen sind.

Ein neuer Ansatz: Vorbereitung, Betreuung und Technik kombinieren

Hier setzt das geplante Projekt KidsMRI an. Ziel ist es, ein Konzept zu erproben, mit dem Kinder ab etwa vier Jahren auch ohne Narkose untersucht werden können.

Der Ansatz kombiniert mehrere Bausteine: Die Kinder werden bereits zu Hause mit altersgerechten Materialien auf die Untersuchung vorbereitet. In der Praxis oder Klinik begleiten speziell geschulte Fachkräfte den Prozess spielerisch. Zudem wird die Untersuchungsumgebung kindgerecht gestaltet. Ergänzend kommen beschleunigte MRT-Sequenzen zum Einsatz, die die Untersuchungsdauer deutlich verkürzen sollen.

Nächster Schritt: Umsetzungsphase

Das Projekt KidsMRI hat bereits für eine Konzeptentwicklungsphase einen Zuschlag vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses erhalten und in dieser Phase die strukturierte neue Versorgungsform und einen Vollantrag ausgearbeitet. Über diesen wird bis November 2026 entschieden. Die Mainzer planen eine größere Studie mit rund 500 Kindern, in der geprüft werden soll, ob und wie sich der Ansatz im Versorgungsalltag umsetzen lässt. Dabei geht es vor allem um die diagnostische Qualität der Untersuchungen, Belastung von Kindern und Eltern, gesundheitsökonomische Aspekten sowie die praktische Umsetzbarkeit im klinischen und ambulanten Setting.

„Unser Projekt adressiert ein zentralesVersorgungsproblem. Mit der Breite des Konsortiums und der Einbindung von Krankenkassen haben wir eine belastbare Grundlage geschaffen, um das Konzept systematisch zu evaluieren“, sagt Univ.-Prof. Dr. med. Ahmed Othman. „Wir sind zuversichtlich, dass unser Ansatz einen relevanten Beitrag zur Weiterentwicklung der Versorgung leisten kann.“

Breites Konsortium aus Versorgung, Wissenschaft, Kostenträgern Und Patient:innenvertretungen

Koordiniert wird das Projekt von der Universitätsmedizin Mainz. Beteiligt sind darüber hinaus radiologische Einrichtungen aus Klinik und Praxis, wissenschaftliche Partner aus Biometrie, Psychologie und Pädagogik sowie gesetzliche Krankenkassen und Patientenvertretungen. Ziel ist eine praxisnahe Entwicklung mit Blick auf eine Überführung in die Regelversorgung.

Zusätzlich werden die Deutsche Röntgengesellschaft e.V. und die Deutsche Gesellschaft für Neuroradiologie e.V. das Vorhaben fachlich begleiten und ihre Expertise in die Bewertung des Konzepts einbringen.

Perspektive: Weniger Belastung, bessere Versorgung

Ziel des Projekts ist ein Versorgungskonzept, das MRT-Untersuchungen bei Kindern künftig häufiger ohne Narkose ermöglicht. Damit könnten Belastungen für Kinder und Familien reduziert und zugleich neue Spielräume für eine ambulante, wohnortnahe Diagnostik geschaffen werden.

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Kind am Mini-MRT

JPG · Spielerische Vorbereitung auf die MRT-Untersuchung: Im Rahmen des Projekts KidsMRI sollen Kinder mit altersgerechten Trainings- und Betreuungskonzepten an die Untersuchung herangeführt werden, um MRTs künftig häufiger ohne Narkose zu ermöglichen.

MRT-Bilder mit und ohne Bewegungsartefakte

JPG · Bewegungen während einer MRT-Untersuchung können die Bildqualität erheblich beeinträchtigen (oben). Durch geeignete Vorbereitungsmaßnahmen und moderne Untersuchungstechniken sollen diagnostisch hochwertige Aufnahmen auch ohne Narkose

Quelle: © Deutsche Röntgengesellschaft, Gesellschaft für medizinische Radiologie und bildgeführte Therapie 

Bildmaterial: © Deutsche Röntgengesellschaft