
München Klinik erweitert Robotik-Expertise
Die München Klinik (MüK) setzt ihren Weg als Vorreiterin in der roboterassistierten Chi-rurgie fort: Am Standort Bogenhausen kommt seit Ende Mai das hochinnovative Shurui Single-Port-Robotersystem zum Einsatz. Am 20. Mai fand die deutschlandweit erste OP mit dem Shurui-System in Bogenhausen statt. Zusammen mit dem bewährten Da Vinci-Roboter „Leo" und der Da Vinci-Lehr-Konsole „Lea" verfügt die MüK Bogenhausen damit über ein erweitertes Robotik-Portfolio, das Patient*innen höchste Präzision bei minimal-invasiven Eingriffen ermöglicht. Die verschiedenen Systeme ergänzen sich und haben spezifische Stärken für unterschiedliche Eingriffe.
Bild: Präsentieren gemeinsam das Shurui System (v.l.n.r.): Aleksandra Ristic (OP-Leitung Pflege, München Klinik Bogenhausen), Prof. Ayman Agha (Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, München Klinik Bogenhausen) und Prof. Johannes Bodner (Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie, München Klinik Bogenhausen). Bildnachweis: München Klinik.
Shurui-Roboter benötigt nur einen einzigen Schnitt
Das Shurui-System revolutioniert die minimalinvasive Chirurgie durch seine Single-Port-Technologie: Über einen einzigen, nur etwa 2 bis 2,5 Zentimeter großen Schnitt gelangen die Kamera und drei schlangenartige Instrumente in den Brustraum. Im Vergleich dazu benötigt das etablierte DaVinci-System bis zu fünf kleine Schnitte von 5 bis 12 Millimetern. „Diese Single-Port-Technik bedeutet für unsere Patient*innen potenziell weniger postoperative Schmerzen, kleinere Narben und eine schnellere Genesung", erklärt Prof. Johannes Bodner, Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie. Das System überzeugt durch besondere Flexibilität: Die Instrumente basieren auf einer innovativen Kontinuum-Mechanik mit dutzenden flexiblen Nitinol-Stäben, die maximal flexible schlangenähnliche Bewegungen ermöglichen. Die 3D-Endoskopie verschafft den Chirurg*innen eine hochauflösende, räumliche Sicht ins Operationsgebiet. „Der Shurui-Roboter vereint höchste Präzision mit minimaler Invasivität – gerade bei komplexen Eingriffen im Brustraum ein enormer Vorteil“, so Prof. Bodner weiter.

Bild: Am 20. Mai 2026 fand die erste OP mit dem Shurui System in der München Klinik Bogenhausen und damit in ganz Deutschland statt. Es handelte sich um eine thoraxchirurgische Operation von Prof. Johannes Bodner mit Team. Bildnachweis: München Klinik.
Pionierarbeit wird durch jahrelange Erfahrung möglich
Voraussetzung für die Pionierarbeit hierzulande ist die hohe Expertise in der modernen Chirurgie. „Es kommt darauf an, dass man bereits viel Erfahrung in der laparoskopischen Chirurgie, also in der Schlüssellochtechnik, und mit dem Da Vinci-Roboter hat. Dann ist die Lernkurve beim Shurui-System flach“, ergänzt Prof. Ayman Agha, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie. Um sich mit der Technik vertraut zu machen, reiste im vergangenen Jahr ein chirurgisches Team aus Bogenhausen nach Shanghai und sammelte dort erste Erfahrungen im klinischen Umfeld. Im Anschluss war seit Dezember eine Trainingskonsole in Bogenhausen vor Ort, mit der das OP-Team bis zur Anlieferung des Shurui-Systems zum Jahresanfang üben konnte. In der München Klinik wird der Shurui-Roboter aktuell in der Thoraxchirurgie und als eine der ersten Kliniken weltweit auch in der Viszeralchirurgie eingesetzt – eine Erweiterung auf weitere chirurgische Disziplinen ist perspektivisch möglich. In China wird das Shurui System in der Allgemeinchirurgie, Urologie, Gynäkologie, Thoraxchirurgie, Kopf- und Halschirurgie sowie in der Pädiatrie eingesetzt und hat in 2025 die CE-Zulassung erhalten. Der Firmengründer Prof. Kai Xu (Johns Hopkins, Columbia University) beschäftigt sich seit 2004 mit der Roboterchirurgie und im Speziellen mit der Single-Port-Technologie.

Bild: Das Besondere am Shurui System ist die Single-Port-Technik – über einen einzigen Schnitt gelangen die Kamera und alle Instrumente in den Brustraum. Bildnachweis: München Klinik.
Dr. Götz Brodermann, Vorsitzender der Geschäftsführung der München Klinik:
„Herausragende Medizin bedeutet für den Bereich der roboterassistierten Chirurgie, dass wir die Gesundheitsversorgung für München heute und morgen auf höchstem Niveau gestalten. So verbinden wir Innovation mit unserem klaren Auftrag, nah und nahbar für die Menschen in München eine immer verlässliche, moderne und bestmögliche Versorgung anzubieten.“
Etablierte DaVinci-Kompetenz in drei Fachdisziplinen
Die roboterassistierte Chirurgie ist in Bogenhausen bereits fest etabliert. Bereits seit 2019 ist der Da Vinci Xi-Roboter, in Bogenhausen liebevoll „Leo" getauft, fester Bestandteil des OP-Alltags und hat mit seinen vier Armen insgesamt bereits Tausende Eingriffe in der Urologie, Thoraxchirurgie sowie Allgemein- und Viszeralchirurgie unterstützt. „Der Da Vinci ermöglicht uns Eingriffe, die mit herkömmlichen Methoden deutlich belastender für Patient*innen wären", betont Prof. Agha. „Besonders bei komplexen Darmoperationen oder Speiseröhren-Eingriffen profitieren unsere Patient*innen von der Präzision des Systems. Die vierarmige Technik gibt uns maximale operative Flexibilität." PD Dr. Atiqullah Aziz, Chefarzt der Urologie, ergänzt: „In der Urologie setzen wir Leo bei Prostata-, Nieren- und Blaseneingriffen ein. Die stabilisierte, dreidimensionale Sicht und die intuitive Steuerung erlauben uns höchste Präzision – das ist für das Ergebnis und die Lebensqualität unserer Patient*innen entscheidend."

Bild: Am Tag nach der OP: Die Patientin (links im Bild), die am 20. Mai als erste Patientin deutschlandweit mit dem Shurui operiert wurde, gemeinsam mit dem thoraxchirurgischen OP-Team um (v.l.n.r.) Chefarzt Prof. Johannes Bodner, Dr. Andreas Hiebinger (Ltd. Oberarzt) und Dr. Dominik Lobinger (Arzt). Bildnachweis: München Klinik.
Übung macht den Roboter-Meister
Ein Alleinstellungsmerkmal der München Klinik ist die Lehr-Konsole „Lea", die „kleine Schwester“ des DaVinci-Systems „Leo“. An diesem zweiten Da Vinci-Steuerpult können angehende Robotik-Chirurg*innen unter Supervision erfahrener Operateur*innen Handgriffe am Patienten durchführen – ein wichtiger Baustein in der Robotik-Ausbildung. „Innovative Operationstechnik will gelernt und gelehrt sein. Mit der Lehrkonsole schaffen wir optimale Bedingungen für den Wissenstransfer und die sichere Ausbildung der nächsten Chirurgen-Generation", so Prof. Agha. Die München Klinik Bogenhausen ist das einzige Hospitationszentrum für roboterassistierte Chirurgie in München, Mediziner*innen aus dem In- und Ausland sammeln hier an der Lehrkonsole erste Erfahrungen mit dem Da Vinci-System.
Breites Robotik-Portfolio, das sich ergänzt
„Wir setzen auf ein breites Robotik-Portfolio, weil unterschiedliche Systeme unterschiedliche Stärken haben", erklärt Prof. Bodner. „Der Da Vinci ist der etablierte Standard mit vierarmiger Technik, ideal für komplexe Eingriffe in der Urologie oder im Bauchraum. Der Shurui ergänzt unser Spektrum um die Single-Port-Technologie – eine weitere Option für noch schonendere Eingriffe. Beide Systeme haben ihre Berechtigung und werden je nach Indikation eingesetzt. Es geht um die beste Lösung für jeden einzelnen Patienten.“
Wie funktioniert roboterassistierte Chirurgie?
Wichtig zu wissen: Nicht der Roboter operiert, sondern der Chirurg oder die Chirurgin steuert das System von einer Konsole aus. Die Roboter wirken als „verlängerter Arm" und ermöglichen Präzisionsarbeit, die menschliche Hände allein nicht leisten könnten. Jeder Handgriff wird punktgenau umgesetzt, Handzittern wird automatisch ausgefiltert. Die Instrumente können in nahezu jede Richtung abgewinkelt werden – weit mehr als das menschliche Handgelenk. Über hochauflösende 3D-Kameras erhalten die Operateur*innen eine bis zu 20-fach vergrößerte Sicht. Diese Kombination ermöglicht minimal-invasive Eingriffe bei gleichzeitig maximaler Präzision, was zu weniger Blutverlust, schnellerer Wundheilung und kürzerem Klinikaufenthalt führt. Im Erweiterungsbau in Bogenhausen sind die OP-Säle größer und die Kabel für die Robotik-Systeme fest in der Wand verbaut – das bedeutet eine Arbeitserleichterung insbesondere für die spezialisierte OP-Pflege.
Die Geschichte der roboterassistierten Chirurgie
Die Wurzeln der roboterassistierten Chirurgie liegen in den 1980er Jahren: Das US-Militär entwickelte die ersten Prototypen mit dem Ziel, verwundete Soldaten in Kriegsgebieten ferngesteuert operieren zu können – ohne Chirurgen in die Gefahrenzone schicken zu müssen. Obwohl diese militärischen Systeme nie zur Einsatzreife gelangten, legten sie den Grundstein für die zivile Anwendung. 1985 erfolgte die erste robotergestützte Operation – eine stereotaktische Hirnbiopsie. In den 1990er Jahren machte die Weiterentwicklung von Kamerasystemen und Computersteuerung minimalinvasive Eingriffe mit robotischer Unterstützung zunehmend möglich. Den entscheidenden Durchbruch brachte im Jahr 2000 die Zulassung des Da Vinci Surgical Systems: Mit dreidimensionaler Sicht und präziser Instrumentensteuerung setzte es neue Maßstäbe und etablierte sich als weltweit führendes System. Heute erweitert eine neue Generation hochspezialisierter Robotersysteme kontinuierlich die Möglichkeiten der Chirurgie – für mehr Präzision, Sicherheit und bessere Behandlungsergebnisse für die Patient*innen.
Die München Klinik (MüK) ist mit ihren Standorten in Bogenhausen, Harlaching, Neuperlach, Schwabing und Europas größter Hautklinik in der Thalkirchner Straße Deutschlands zweitgrößte kommunale Klinik und der größte und wichtigste Gesundheitsversorger der Landeshauptstadt München. Rund 8000 Mitarbeitende setzen sich „JEDEN TAG für JEDES LEBEN“ ein. Die München Klinik bietet Diagnostik und Therapie für alle Erkrankungen in München und im Umland und genießt deutschlandweit einen ausgezeichneten Ruf – mit innovativer und hoch spezialisierter Medizin und Pflege und gleichzeitig als erste Ansprechpartnerin für die medizinische Grundversorgung. Rund 110 000 Menschen lassen sich hier im Schnitt pro Jahr stationär und teilstationär behandeln. Mit jährlich rund 6000 Geburten kommen hier deutschlandweit die meisten Babys zur Welt. Auch in der Notfallmedizin ist die München Klinik die Nummer 1 der Stadt: Knapp 150.000 Menschen werden jedes Jahr in den vier Notfallzentren ambulant und stationär behandelt – das entspricht rund einem Drittel aller Notfälle der Landeshauptstadt. Im Rahmen des Zukunftskonzeptes MüK 20++ und unter dem Leitgedanken „Medizin führt“ stellt sich die MüK als DIE Gesundheitsversorgerin der Stadt zukunftsfähig auf und investiert in eine moderne Infrastruktur und Digitalisierung. Die Standorte sind entweder Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität oder der Technischen Universität München. Der eigene Bildungscampus ist mit rund 500 Ausbildungsplätzen die größte Bildungseinrichtung im Pflegebereich in Bayern. Als gemeinnütziges Krankenhaus finden in der München Klinik Daseinsvorsorge und herausragende Medizin zusammen und stellen das Gemeinwohl in den Vordergrund: Patient*innen, deren Angehörige und die Mitarbeitenden aus Medizin und Pflege, die sich mit ihrer täglichen Arbeit für die Gesundheitsversorgung Münchens einsetzen, können von Zuwendungen in Form von Spenden profitieren – beispielsweise durch die Finanzierung von Spielzimmern für Geschwisterkinder, Erholungsmöglichkeiten und Fortbildungen. Dafür zählt jeder Euro.
Quelle: München Klinik
Bildmaterial: München Klinik