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CollimateHealth entwickelt Mikrostrahltherapie der nächsten Generation für die Krebsbehandlung
Category : Forschung
Published by Kerstin Müller on 08.07.2026 07:40

Starke Mainzer Beteiligung am Life-Science-Startup CollimateHealth - Wegweisendes Startup für Strahlentherapie der nächsten Generation mit Seed-Finanzierungsrunde über sechs Millionen Euro erfolgreich / JGU und HIM liefern entscheidenden wissenschaftlichen Beitrag zu neuartiger Strahlentherapieanlage

Bild: Line Focus X-ray Tube (LFXT-1) mit einer Länge von rund 1,5 Metern im derzeitigen Aufbau an der Technischen Universität München: Der Teil vom linken Rand bis zu den blauen Kühlwasserschläuchen ist die Mainzer Konstruktion. (Foto/©: Thomas Beiser / Helmholtz-Institut Mainz)

Als innovatives Startup im Bereich der Lebenswissenschaften hat die CollimateHealth GmbH kürzlich den erfolgreichen Abschluss der aktuellen Seed-Finanzierungsrunde mit einem Volumen von sechs Millionen Euro und damit einer deutlichen Überzeichnung bekanntgegeben. Das Startup, das die erste klinisch skalierbare Mikrostrahltherapie für die Behandlung von Krebserkrankungen entwickelt, basiert auf Technologie, die in Kooperation mit führenden akademischen und klinischen Einrichtungen weiterentwickelt wurde – darunter die Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und das Helmholtz-Institut Mainz (HIM) neben der Technischen Universität München (TUM), dem TUM Klinikum rechts der Isar, dem Forschungszentrum Jülich, dem Institute of Cancer Research und dem Royal Marsden Hospital in London.

CollimateHealth setzt auf einen neuen biologischen Ansatz in onkologischen Behandlungen: Während in der Strahlentherapie bislang typischerweise breite, niedrig dosierte Strahlenfelder eingesetzt werden, die erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen, setzt die neuartige Mikrostrahltherapie auf gebündelte, extrem schmale Strahlen im Mikrometerbereich bei deutlich höherer Dosis. Somit durchlaufen die mit Mikrostrahlen behandelten Tumore eine besonders intensive Form des Zelltods, die ihrerseits die Antigenpräsentation im Immunsystem des Patienten steigert und so eine Immunantwort gegen Krebszellen auslöst – auch über den primär bestrahlten Bereich hinaus. Darüber hinaus verbessern die durch die Mikrostrahltherapie geschaffenen temporären Kanäle die Zufuhr von Therapeutika in das Tumorgewebe und schaffen so Synergien sowohl mit der Chemotherapie als auch mit der Immuntherapie.

Kerntechnologie des Startups und seiner Mikrostrahltherapie ist eine neuartige Strahlentherapieanlage, eine sogenannte Linienfokus-Röntgenröhre oder Line Focus X-ray Tube (LFXT). Und genau hierin liegt der Beitrag der Mainzer Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Kurt Aulenbacher, Professor für Experimentalphysik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und zugleich Leiter der Sektion "Accelerator Design and Integrated Detectors" (ACID) am Helmholtz-Institut Mainz (HIM), das wiederum ein Gemeinschaftsprojekt der JGU und des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung in Darmstadt ist. "Es zeigte sich, dass wir hier Aspekte aus der Forschung für die internationale Teilchenbeschleunigeranlage FAIR am GSI kombinieren konnten mit Erkenntnissen und Erfahrungswerten aus der Entwicklung und dem Betrieb der beiden Teilchenbeschleuniger MAMI und MESA auf dem Mainzer Gutenberg-Campus", erläutert Prof. Dr. Kurt Aulenbacher. Diese Arbeiten wurden zunächst als Teil des ACID-Forschungsportfolios betrieben unter Einsatz von Ressourcen des HIM. Die Forschungsarbeiten wurden im Wesentlichen von JGU-Doktorand:innen in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Kurt Aulenbacher durchgeführt.

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Bild: Das Bild zeigt die vom Team um Prof. Dr. Kurt Aulenbacher entworfene Glühemissionsquelle für den Elektronenstrahl in Betrieb, aufgenommen durch ein Vakuumfenster von LFXT-1. (Foto: Christoph Matejcek)

Auf Grundlage der Mainzer Vorarbeiten wurde schließlich Anfang 2023 im Reinraum des Helmholtz-Instituts Mainz ein erster Prototyp der Line Focus X-ray Tube, LFXT-1, zusammengebaut und im Anschluss an die TUM transportiert. Dort fanden im Sommer 2024 erste vielversprechende Versuche mit LFXT-1 statt, in deren Folge das Bundesforschungsministerium eine Drittmittelfinanzierung im Rahmen der Gründungsoffensive Biotechnologie (GO-Bio) ermöglichte. Mit der Firmengründung von CollimateHealth als vielversprechendem MedTech-Startup im Jahr 2025 und der aktuellen, mit 6 Millionen Euro deutlich überzeichneten Seed-Finanzierungsrunde, die ein enorm hohes Investoreninteresse widerspiegelt, ist ein großes Ziel der Bundesförderung bereits erreicht.

Wissenschaftlich betrachtet nähert sich die Mainzer Beteiligung einem Teilabschluss: Die Elektronenquelle mit einer Leistung von 90 Kilowatt ist fertig entwickelt und wird zentraler fester Bestandteil des kommerziellen Angebots – der Line Focus X-ray Tube – von CollimateHealth sein. Die Elektronenquelle inklusive speziell konzipiertem Magnet- und Vakuumsystem soll 2027 zur Verfügung stehen.

Veröffentlichungen

C. Petrich et al., Commissioning, Characterization, and First High-Dose-Rate Irradiations at a Compact X-Ray Tube for Microbeam and Minibeam Radiation Therapy, International Journal of Radiation Oncology 124: 4, 1137-1146, 22. Oktober 2025,
DOI: 10.1016/j.ijrobp.2025.10.012

C. Matejcek et al., A novel electron source for a compact x-ray tube for microbeam radiotherapy with very high dose rates, Phys Med. 106: 102532, 16. Januar 2023,
DOI: 10.1016/j.ejmp.2023.102532

Downloads

Pressemitteilung der CollimateHealth GmbH: "Radikal neuer biologischer Ansatz für Krebspatient:innen: CollimateHealth zielt auf Immunreaktionen durch Mikrostrahltherapie – Seed-Runde mit 6 Millionen Euro überzeichnet" (15.06.2026)

Weiterführende Links

CollimateHealth

Beschleunigerforschung am Institut für Physik der JGU

Sektion "Accelerator Design and Integrated Detectors" am Helmholtz-Institut Mainz

Kontakt

Prof. Dr. Kurt Aulenbacher
Institut für Kernphysik
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55099 Mainz
Tel.: 06131 39-25804
E-Mail | Homepage

CollimateHealth
Dr. Hans Maria Heÿn, MBA
CEO CollimateHealth
Tel.: 01517 0298230
E-Mail | Homepage

Quelle: Johannes Gutenberg-Universität Mainz 

Bildmaterial: ©Thomas Beiser / Helmholtz-Institut Mainz, Christoph Matejcek