
MEDICLIN Waldkrankenhaus Bad Düben: Roboter unterstützt beim Einsatz künstlicher Kniegelenke
OP-Roboter assistiert dem Operateur, ersetzt seine Erfahrung und Entscheidungskompe-tenz jedoch nicht
In Deutschland werden jährlich rund 175.000 künstliche Kniegelenke implantiert. Damit gehört die Knieendoprothetik zu den häufigsten orthopädischen Operationen. Hinzu kommen etwa 17.000 Wechsel- und Revisionsoperationen an künstlichen Kniegelenken. Der Grund hierfür: Trotz vieler Weiterentwicklungen in der Endoprothetik kommen immer noch bis zu 25 Prozent der Patientinnen und Patienten weltweit nicht mit der Endoprothese zurecht. Sie klagen über Schmerzen, Instabilität oder ein anhaltendes Fremdkörpergefühl.
Bild: Michael Jalinski führte am 04.08.2026 die ersten roboter-assistierten Kniegelenkersatz-OPs im MEDICLIN Waldkrankenhaus Bad Düben durch
Um noch präziser und individueller operieren zu können, werden die Ärztinnen und Ärzte im MEDICLIN Waldkrankenhaus Bad Düben seit kurzem von einem OP-Roboter unterstützt.
So unterstützt der Roboter den Operateur
Michael Jalinski ist Leitender Oberarzt der Klinik für Orthopädie im Waldkrankenhaus Bad Düben. Er führt hier die ersten roboterassistierten Operationen durch und erklärt: „Der Ablauf der roboterassistierten OP unterscheidet sich in der Vorbereitung von der konventionellen Methode. Da der Roboter per Infrarot-Kamera den Knochen vermisst und die Schnittführung vorgibt, benötigt man keine Schnittblöcke und weniger Instrumente.“
Der operative Ablauf bleibt aber weitgehend unverändert. Nach dem Hautschnitt erfasst der Roboter die exakte Position des Beins, erstellt ein dreidimensionales Modell des Kniegelenks und schlägt die optimale Größe, Position und Ausrichtung des Implantats vor. „Die endgültige Entscheidung trifft jedoch stets der Operateur, der alle Vorschläge prüft und bei Bedarf individuell an die Anatomie des Patienten anpasst“, sagt Jalinski.
Anschließend unterstützt der Roboterarm den Chirurgen bei den Sägeschnitten zur Vorbereitung des Knochens für die Prothese. Dabei arbeitet das System nicht eigenständig, sondern wird jederzeit vom Operateur geführt. Während des gesamten Eingriffs werden zudem die Bandspannung sowie der Beuge- und Streckspalt des Kniegelenks kontinuierlich überprüft und feinjustiert. Dadurch kann die Stabilität des neuen Gelenks präzise ausbalanciert werden, sodass weder eine zu hohe Spannung noch eine zu große Lockerheit entsteht.
Dr. Jacqueline Repmann, Ärztliche Direktorin im Waldkrankenhaus Bad Düben, erklärt: „Im Vergleich zur herkömmlichen Operation ermöglicht die roboterassistierte Technik eine millimetergenaue Implantatpositionierung, maximale Schonung der Weichteile und eine individuelle Anpassung an die Anatomie des Patienten. Die Technik unterstützt den Operateur dabei, ersetzt seine Erfahrung und Entscheidungskompetenz jedoch nicht.“
CT-freie Planung und flexible Operationsabläufe
Ein besonderer Vorteil des OP-Roboters besteht auch darin, dass für die Operationsplanung kein präoperatives CT erforderlich ist. Stattdessen erfasst das System während des Eingriffs in Echtzeit die Anatomie des Kniegelenks sowie die Bandspannung und erstellt daraus ein präzises digitales Modell. Dadurch entfallen nicht nur die zusätzliche Strahlenbelastung und der organisatorische Aufwand einer CT-Untersuchung, sondern auch mögliche Veränderungen zwischen Bildgebung und Operation werden vermieden. Zugleich bietet das System dem Operateur ein hohes Maß an Flexibilität. Die einzelnen Operationsschritte können an die persönliche Arbeitsweise und Erfahrung des Chirurgen angepasst werden. Individuelle Abläufe, Kontrollschritte und persönliche Einstellungen lassen sich speichern und jederzeit reproduzieren. Dadurch werden standardisierte Qualitätsprozesse mit der individuellen Erfahrung des Operateurs kombiniert.
„Während Knieendoprothesen früher häufig nach standardisierten Winkeln eingesetzt wurden, kann heute die natürliche Anatomie jedes einzelnen Kniegelenks berücksichtigt werden. Denn Kniegelenke unterscheiden sich erheblich voneinander: Sie bestehen aus drei miteinander verbundenen Gelenkanteilen und einem komplexen Zusammenspiel zahlreicher Bänder, die neben der Beugung und Streckung auch Rotationsbewegungen ermöglichen“, erklärt Jalinski. Ziel der roboterassistierten Technik ist es, die Prothese möglichst präzise an die individuelle Anatomie anzupassen. Dadurch soll ein natürlicheres Gelenkgefühl erreicht und die Zahl der Wechsel- und Revisionsoperationen langfristig reduziert werden.
Über das MEDICLIN Waldkrankenhaus und das MEDICLIN Reha-Zentrum Bad Düben
Das MEDICLIN Waldkrankenhaus bietet als Spezialklinik für Orthopädie alle Möglichkeiten der ganzheitlichen Diagnostik und Therapie bei angeborenen und erworbenen Krankheiten des Stütz- und Bewegungsapparates. Schwerpunkte sind Endoprothetik, Wirbelsäulenerkrankungen, Unfallchirurgie, Hand- und Fußchirurgie, Rheumaorthopädie, Arthroskopie und Sportmedizin sowie Geriatrie und Alterstraumatologie. Zum Krankenhaus gehört außerdem eine Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin.
Das MEDICLIN Reha-Zentrum Bad Düben vereint unter einem Dach die Fachkliniken für Orthopädie und Neurologie. Außerdem gibt es hier die Möglichkeit einer interdisziplinären Post-Covid-Rehabilitation zur Behandlung von Patient*innen mit Langzeitfolgen von Covid-19.
Das Waldkrankenhaus verfügt über 125 Betten, im Reha-Zentrum stehen 269 Betten zur Verfügung. Im Waldkrankenhaus und Reha-Zentrum sind zusammen rund 445 Mitarbeiter*innen beschäftigt. Zum MEDICLIN Standort Bad Düben gehört außerdem das MEDICLIN MVZ Bad Düben.
Über MEDICLIN
Die MEDICLIN Aktiengesellschaft zählt zu den großen Gesundheitsdienstleistern in Deutschland mit einem klaren Fokus auf die medizinische Rehabilitation. Zu MEDICLIN gehören deutschlandweit 31 Kliniken, sechs Pflegeeinrichtungen und zehn Medizinische Versorgungszentren. MEDICLIN beschäftigt rund 9.900 Mitarbeitende. In einem starken Netzwerk bietet MEDICLIN die integrative Versorgung vom ersten Arztbesuch über die Operation und die anschließende Rehabilitation bis hin zur ambulanten Nachsorge. Ärztliches und therapeutisches Personal sowie Pflegekräfte arbeiten dabei sorgfältig abgestimmt zusammen. Die Pflege und Betreuung pflegebedürftiger Menschen gestaltet MEDICLIN nach deren individuellen Bedürfnissen und persönlichem Bedarf. MEDICLIN ist ein Unternehmen der ASKLEPIOS Gruppe.
Quelle: MEDICLIN
Bild: MEDICLIN