
Jenaer Wissenschaftler zeigen: Elektronische Patientenakte und digitale Rentenübersicht erreichen nur wenige und verstärken soziale Ungleichheit
Die elektronische Patientenakte (ePA) und die digitale Rentenübersicht (dRü) sollen Bürgerinnen und Bürger informieren, aktivieren und zu eigenverantwortlichen Entschei-dungen befähigen, indem sie über Apps und Webangebote personalisierte Angaben bereitstellen.
Doch eine neue Studie des Projekts „Digitale Daseinsvorsorge: organisierte Selbstbestimmung durch elektronische Patientenakte und digitale Rentenübersicht?“ an der EAH Jena zeigt: Die Erwartungen an die digitalen Portale werden nur teilweise erfüllt, und zwar vor allem bei denjenigen nicht, die am stärksten von sozialen Benachteiligungen betroffen sind. Grundlage der Studie waren 1.297 persönliche Interviews.
Zentrale Befunde im Überblick

Foto: Projektleiter Prof. Dr. Felix Wilke, Professor für Soziologie in der Sozialen Arbeit an der EAH Jena.
„Die elektronische Patientenakte ist sehr bekannt, aber nur wenige können sie nutzen. Bei der digitalen Rentenübersicht erweist sich besonders der geringe Bekanntheitsgrad als Problem“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Felix Wilke, Professor für Soziologie in der Sozialen Arbeit an der EAH Jena. „Die Digitalisierung beseitigt in diesen Bereichen keine Hürden, sie verlagert sie. Gegenwärtig schließt sie vor allem jene Personen aus, die von den Angeboten besonders profitieren sollten.“
Die vollständige Studie finden Sie hier: https://doi.org/10.82528/dbt.71397
Hintergrund:
ePA: Seit 01/2025 automatisch für alle gesetzlich Versicherten angelegt (Digital-Gesetz, Gesundheitsdatennutzungsgesetz), sofern nicht widersprochen. Ziel: zentraler Zugriff und Verwaltung von Gesundheitsdaten (Medikation, Befunde, E-Rezepte) für Bürgerinnen und Bürger mittels App.
dRü: Seit 2025 in Regelbetrieb. Pflicht für Versorgungsträger, Daten bereitzustellen. Ziel: Übersicht über alle Rentenansprüche, Planung von Renteneintritt und Auffindung alter Verträge.
Das Projekt „Digitale Daseinsvorsorge: organisierte Selbstbestimmung durch elektronische Patientenakte und digitale Rentenübersicht?“ wird durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales über das Fördernetzwerk interdisziplinäre Sozialpolitikforschung bei einer Laufzeit von zwei Jahren von Januar 2025 bis Januar 2027 gefördert.
Quelle: © Ernst-Abbe-Hochschule Jena
Foto: Projektleiter Prof. Dr. Felix Wilke, Professor für Soziologie in der Sozialen Arbeit an der EAH Jena.
Symbolbild: KI-Illustration, generiert mit ChatCPT/OpenAI