
„Hospital at Home“ in Deutschland
Ambulantisierung weitergedacht: „Hospital at Home“ als innovatives, ambulantes Versorgungsmodell der Zukunft?
Vor allem in anglo-amerikanischen Ländern hat sich der Begriff „Hospital at Home“ zur Bezeichnung von bestimmten Modellen innerhalb ambulanter pflegerisch-medizinischer Versorgungsformen etabliert. „Hospital at Home“ beschreibt also Versorgungsmodelle, bei denen Patient:innen, die eigentlich eine Behandlung im Krankenhaus benötigen würden, diese medizinische Betreuung in ihrem eigenen Zuhause erhalten.
Kann sich dieses innovative Versorgungskonzept auch hierzulande durchsetzen? Um das herauszufinden, haben wir im Juni 2026 eine deutschlandweite, repräsentative Online-Befragung unter 1.000 Verbraucher:innen ab 18 Jahren zum Thema „Hospital at Home“ durchgeführt.
Key Takeaways
Download Publikation: Hospital at Home - Ambulantisierung weiter denken
Was ist “Hospital at Home”?
Charakteristisch ist, dass die Behandlung hinsichtlich Qualität und Umfang einer stationären Versorgung entspricht und durch ein multiprofessionelles Team organisiert und durch digitale Technologien, wie z.B. Sensoren zur Vitalparameterüberwachung und Videochat mit Ärzt:innen und/oder Pflegefachkräften unterstützt wird. Zu einem Team gehören Ärzt:innen, Pflegefachpersonen sowie je nach Bedarf Therapieberufe wie Physiotherapie oder Ernährungsberatung. Das Konzept basiert auf der Idee, moderne Medizin, digitale Technologien und koordinierte Betreuung so zu kombinieren, dass ein Krankenhausaufenthalt vermieden oder verkürzt werden kann. Dabei bleibt die medizinische Verantwortung in der Regel bei einem Krankenhaus oder einer spezialisierten Organisation.
Einige Länder haben schon Hospital-at-Home-Versorgungsmodelle etabliert, dabei spielen unterschiedliche Motivationen eine Rolle: Begrenzte stationäre Versorgungs-Kapazitäten (Betten, Personal) oft in Verbindung mit längeren Wartezeiten, Wirtschaftlichkeits-Reserven in der Gesundheitsversorgung, Resilienz in Krisenzeiten, Versorgungsqualität und Patientenzufriedenheit.
In Deutschland ist „Hospital at Home“ derzeit noch nicht Teil der Regelversorgung, bietet aber Chancen die begonnenen Ambulantisierungs-Maßnahmen wie z.B. Erstattung über hybrid-DRG konsequent weiterzudenken. Wir möchten dazu Analysen, Denkanstöße und Impulse beitragen, um gemeinsam mit Ihnen zu diskutieren, welche Rolle „Hospital at Home“ Modelle in der Gesundheitsversorgung in Deutschland in Zukunft spielen können.
Wir beleuchten das innovative Versorgungsmodell im Rahmen einer Konsumentenbefragung mit 1.000 Verbraucher:innen.
Hohe Akzeptanz, geringer Bekanntheitsgrad
Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass klinische Patientenversorgung in den eigenen vier Wänden in Deutschland auf eine grundsätzlich hohe Offenheit stößt. Obwohl 78 Prozent der Befragten mit dem Konzept bislang kaum oder gar nicht vertraut sind, würden 63 Prozent eine Behandlung zu Hause bevorzugen, sofern diese medizinisch geeignet ist: das zeigt ein erhebliches Aufklärungs- und Aktivierungspotenzial. Die Bevölkerung sieht „Hospital at Home“ vor allem als ergänzendes Versorgungsmodell für geeignete Patientengruppen.
„Hospital at Home“: Welche Vorteile erwarten sich die Deutschen?
Die Befragten zeigen eine hohe Bereitschaft für die Gesundheitsversorgung über verschiedene Behandlungssituationen hinweg: Besonders groß ist die Zustimmung bei älteren Patient:innen mit mehreren Erkrankungen (79%) sowie bei der Nachsorge nach Operationen (77%). Die vertraute Umgebung ist der wichtigste wahrgenommene Vorteil: 52 Prozent nennen das eigene Zuhause als größten Vorteil, dahinter folgen ein geringeres Infektionsrisiko (22%) und mehr Komfort (15%).
Vertrauen und Versorgungssicherheit sind zentrale Erfolgsfaktoren
Die größten Bedenken der Befragten betreffen einen zu geringen persönlichen Arztkontakt (29%), die Belastung von Angehörigen (26%) sowie technische Probleme (18%). Dies unterstreicht die Bedeutung klarer ärztlicher Verantwortung, persönlicher Betreuung und verlässlicher Sicherheits- und Eskalationskonzepte. Hospital-at-Home-Angebote würden auch die Wahl von Leistungserbringern deutlich beeinflussen: Für 73 Prozent der Befragten wäre ein entsprechendes Angebot ein wichtiges oder sogar sehr wichtiges Kriterium bei der Auswahl eines Krankenhauses oder Gesundheitsanbieters. Hier zeigt sich das große Potenzial des innovativen Versorgungsmodells, zu einem relevanten Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb im Gesundheitsmarkt zu werden.
Breite Zustimmung zur Nutzung von KI bei Hospital at Home
Künstliche Intelligenz wird im Hospital-at-Home-Kontext mehrheitlich akzeptiert: 68 Prozent der Befragten würden dem Einsatz von KI zur Auswertung von Gesundheitsdaten zustimmen, wenn dadurch gesundheitliche Verschlechterungen unter ärztlicher Aufsicht früher erkannt werden können. Die Zustimmung ist insbesondere bei jüngeren und einkommensstärkeren Bevölkerungsgruppen hoch.
Häusliche Situation derzeit nicht immer geeignet für Hospital at Home
Die praktische Umsetzbarkeit und strukturelle Auswirkungen werden jedoch differenziert bewertet: Während rund 42 Prozent der Haushalte die grundlegenden Voraussetzungen für eine Versorgung zu Hause zumindest teilweise erfüllen, bestehen insbesondere bei Barrierefreiheit und Wohnsituation noch Einschränkungen. Auch deshalb betrachtet die Bevölkerung das Versorgungskonzept überwiegend als Ergänzung: Ein Abbau stationärer Krankenhauskapazitäten wird mehrheitlich nur in Einzelfällen oder gar nicht unterstützt.
Handlungsempfehlungen für Medizintechnik, Krankenhäuser und Gesundheitsdienstleister
Laden Sie hier die vollständigen Ergebnisse der Befragung herunter.
Quelle: © Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Symbolbild: KI-Illustration, generiert mit ChatCPT/OpenAI