Die diesjährige MEDICA, Weltleitmesse für die Gesundheitswirtschaft und Medizintechnikindustrie, fand vom 17. bis 20. November wie gewohnt in Düsseldorf statt. Über 4.821 Aussteller aus 70 Nationen und rund 78.000 Fachbesucher aus 160 Ländern nahmen daran teil. Während der vier Messetage präsentierten die Aussteller ihr komplettes Portfolio für die moderne ambulante und stationäre Versorgung, inklusive einer Vielzahl von Hightech-Zulieferlösungen. Das umfangreiche Programm mit hochkarätig besetzten Foren, Konferenzen und Sonderschauen bot Gelegenheit für interessante Vorträge und Diskussionen mit Experten und Politikern. Dr. Aykut M. Uslu, Berater für Projektierung in der Medizintechnik und Medizin-IT schildert nachstehend seine Eindrücke von dieser weltweit führenden internationalen Medizinmesse MEDICA.
Robotik verändert Diagnostik, Therapie und Pflege grundlegend.
In der neuen Publikation „Robotics in Healthcare – Application examples, trends and potential“, die der Industrieverband SPECTARIS gemeinsam mit der Messe Düsseldorf zur MEDICA 2025 veröffentlicht hat, heißt es: Robotik hält Einzug in nahezu alle Bereiche der Medizin – und verändert Diagnostik, Therapie und Pflege grundlegend. Sie verdeutlicht außerdem: Roboterassistierte Systeme tragen nicht nur zur Effizienzsteigerung und Entlastung des Personals bei, sondern eröffnen neue therapeutische und diagnostische Möglichkeiten. Präzisere Eingriffe, weniger Komplikationen, schnellere Genesung und ein höheres Maß an Patientensicherheit zählen zu den zentralen Vorteilen. Laut der Studie wächst der weltweite Markt für medizinische Robotik rasant: von 25,6 Mrd. USDollar im Jahr 2023 auf über 76 Mrd. US-Dollar bis 2030, mit einer jährlichen Wachstumsrate von über 16 Prozent (Grand View Research).
Robotergestütztes, tragbares MRT-System von HERMIS
Das deutsche Entwicklerteam HERMIS, ein Spin-off des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme, hat auf der diesjährigen MEDICA das weltweit erste robotergestützte, tragbare MRT-System mit Niederfeld-MRT-Technologie präsentiert. Bei hochauflösenden Untersuchungen, insbesondere Auf der diesjährigen MEDICA waren über 4.821 Aussteller aus 70 Nationen sowie rund 78.000 Fachbesucher aus 160 Ländern vertreten. Einige von ihnen nahmen auch einFoto von der Messe mit. Foto: Messe Düsseldorf / ctillmann Krankenhaus-IT Journal 6/2025 55 oberflächennaher Strukturen, funktionelle Bildgebung und Spektroskopie sind bekanntermaßen Hochfeldsysteme sinnvoll. Die tragbaren Niederfeld-MRT-Scanner sind aufgrund ihres eingeschränkten Bewegungsbereichs, des begrenzten Arbeitsraums und der begrenzten Magnetfeldstärke (≤ 0,5 Tesla) für die Bildgebung einer bestimmten Körperregion gut geeignet. Sie bieten jedoch Vorteile bei Untersuchungen von Thorax, Abdomen und Becken sowie bei Metallimplantaten und in Funktionsbereichen wie dem Hybrid-OP oder der Strahlentherapie.
Mit Hightech-Helm „Miamind“ gegen Alzheimer & Co.
Der Neurostimulator „Miamind“ des Schweizer Start-ups Bottneuro wird auf Basis individueller MRT-Daten personalisiert, per 3D-Druck gefertigt und mit bis zu 32 Elektroden präzise an der Schädeloberfläche positioniert. Dadurch können elektrische Stimulationsverfahren wie transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) und transkranielle Wechselstromstimulation (tACS) gezielt eingesetzt werden, um neuronale Netzwerke zu modulieren. Gleichzeitig wird der Therapieerfolg mithilfe einer integrierten Elektroenzephalografie (EEG) kontinuierlich überwacht und dokumentiert. Die Anwendung richtet sich insbesondere an Menschen, die an Alzheimer, den Folgen eines Schlaganfalls oder Depressionen leiden. Die Behandlung mit ihm kann außerdem in der häuslichen Umgebung erfolgen und bleibt ärztlich begleitet. Miamind ist außerdem als patientenspezifische Sonderanfertigung gemäß dem Medizinproduktegesetz zugelassen.
Künstliche Kornea aus dem 3D-Drucker
Die Kornea, die transparente Hornhaut, liegt als äußerste Gewebeschicht schützend vor unseren Augen. Ist dieses 500 bis 600 µm dünne Gewebe durch Infektionen, Verletzungen oder Fehlbildungen geschädigt, treten Sichteinschränkungen bis hin zur Blindheit auf. Weltweit sind Millionen von Menschen von Hornhautschäden betroffen, aber nur etwa 100.000 von ihnen pro Jahr kann mit einer operativen Hornhauttransplantation geholfen werden. Der Grund: Der Bedarf an Gewebespenden ist deutlich höher als dessen Verfügbarkeit. Ein Team aus Forschenden der Universität Zürich (Empa), des Tierspitals Zürich und der Radboud Universität in den Niederlanden entwickelt daher ein selbstklebendes Implantat, das nicht auf Gewebespenden angewiesen ist und zudem keine Abstoßungsreaktion hervorruft. Sein Basismaterial ist ein bioverträgliches Hydrogel aus Kollagen und Hyaluronsäure. In einem späteren Schritt wollen die Forschenden das Hydrogel mit menschlichen Stammzellen aus dem Auge bestücken, damit die künstliche Hornhaut die Geweberegeneration unterstützen kann.
Herausragendes aus der Gründerszene
Im Rahmen der MEDICA präsentierten erneut Hunderte Start-ups aus aller Welt ihre Ideen und Produkte für die Gesundheitswirtschaft und Medizintechnikindustrie. Viele davon waren im MEDICA Start-up Park in Halle 12 gebündelt. Neben den weiter oben vorgestellten Start-ups mit tragbaren MRT-Systemen, Hightech-Helmen und 3D-gedruckter Hornhaut, stachen folgende Exponate besonders hervor:
■ Aisthesis Medical aus Großbritannien mit „VIOSync Sepsis Prediction Index“. Die Plattform nutzt Krankenhausdaten, um mithilfe erklärbarer KI („XAI“) den Beginn einer Sepsis bis zu 48 Stunden im Voraus zu erkennen.
■ Prometheus MedTech.AI aus Polen will angeborene Herzfehler schon im Mutterleib aufspüren. Das Start-up nutzt cloudbasierte KI-Systeme, um Ultraschallvideos aus der Schwangerschaft zu analysieren und Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen.
■ HeartHero aus den USA mit einem tragbaren automatisierten externen Defibrillator (AED), der nur bei Bedarf automatisch defibrilliert.
■ Neurobit Technologies aus Taiwan setzt auf KI-Unterstützung, und zwar konkret zur Diagnose von Schwindel und Gleichgewichtsstörungen über Eye-Tracking.
Warken beim Krankenhaustag: Keine Abstriche an den Zielen!
An allen vier Tagen diskutierten Mitarbeitende aller Berufsgruppen aus Krankenhäusern auf der MEDICA die für sie wichtigsten Themen, deren Brisanz sich in den vergangenen Monaten deutlich weiter verschärft hat. In der Eröffnungsveranstaltung der Konferenz schilderte Kongresspräsident Dr. Gerald Gaß, in seinem Begrüßungsvortrag vor Bundesgesundheitsministerin Nina Warken noch einmal sehr ausführlich die Kritik, die Sorgen und die Forderungen der Krankenhäuser und begründete diese. Mit Verweis auf den aktuellen KrankenhausIndex des Deutschen Krankenhausinstituts zeigte er, welche Folgen die dramatische wirtschaftliche Lage für die Patienten haben werde, obwohl zum Zeitpunkt der Befragung der Schock des jüngsten Sparvorschlags noch gar nicht abzusehen war und man sich noch über die zugesagten vier Milliarden Euro aus dem Sofort-Transformationsfonds etwas Entlastung versprach. So würde ein Drittel der Kliniken Personal abbauen oder Leistungen reduzieren, 17 Prozent rechneten mit der Verschiebung planbarer Operationen oder mit vorübergehenden Stationsschließungen.
Die Ministerin versuchte danach in ihrem Statement Entscheidungen, wie den Sparbeitrag der Kliniken für die Stabilisierung der Krankenkassen, zu begründen, verwies dann aber auch auf die Verbesserungen im KHAG und befand sowohl Reformgesetz als auch Anpassungsgesetz für gut. Damit schien klar, dass sie weder bei der Vorhaltefinanzierung, die ihren Sinn völlig verfehlt, als auch bei den Hybrid-DRGs, die eine Zwangsambulantisierung bisher stationärer Leistungen mit allen damit verbundenen Erlösausfällen für die Häuser bedeuten, prinzipiell nichts mehr zu ändern gedenkt. Ob das Parlament noch Änderungen erwirken kann, steht in den Sternen. Im Übrigen: Das bestimmende Motto des 48. Deutschen Krankenhaustages war: Neustart Krankenhauspolitik – Mut zur Veränderung.
Neuausrichtung der MEDICA und COMPAMED
Carmen Berger, bei der Messe Düsseldorf verantwortlich für die MEDICA und COMPAMED, möchte nicht länger warten und fordert: „Es muss endlich mehr Tempo in die Regulierungsabläufe kommen, damit wirksame Verfahren und Technologien schneller im Versorgungsalltag ankommen.“. Mit Blick auf die kommende Veranstaltungslaufzeit fährt sie fort: „Ab 2026 möchten wir gemeinsam mit unseren Partnern neue Wege gehen. Unser Ziel ist es, die beiden Formate MEDICA und COMPAMED künftig noch enger miteinander zu verzahnen, Synergien zu heben und die internationale Relevanz weiter auszubauen. Darüber hinaus werden wir die Foren und Austauschplattformen gezielt weiterentwickeln – hin zu einem noch intensiveren interdisziplinären Dialog zwischen Industrie, Wissenschaft, Politik und Praxis. Wir wollen, dass sich die MEDICA und COMPAMED 2026 so anfühlen, wie moderne Medizin gedacht ist: vernetzt, intuitiv, auf den Punkt.“
Save The Date
Die nächste MEDICA & COMPAMED findet vom 16. bis 19. November 2026 erneut in Düsseldorf statt.
Quellen: www.medica.de www.spectaris.de www.uslumedizininformatik.de
Autor: Aykut Uslu, Berater Medizintechnik und Medizin-IT, www.uslumedizininformatik.de
Quelle: Krankenhaus-IT Journal, Ausgabe 06/2025 - Stand Dezember 2025
Bild: Messe Düsseldorf / ctillmann










