Weltpremiere: KI unterstützt Herzkatheter-Behandlungen

Veröffentlicht 21.04.2026 01:00, Kerstin Müller

Weltpremiere in Frankfurt: Universitätsmedizin setzt erstmals KI-gestützte Plattform für präzisere Herzkatheter-Eingriffe ein

Ein wesentlicher Fortschritt in der Behandlung von Herzkranzgefäßerkrankungen: Die Universitätsmedizin Frankfurt ist weltweit der erste Standort, an dem die neue Software-plattform Ultreon™ 3.0 des Medizintechnologieunternehmens Abbott offiziell im klinischen Alltag eingesetzt wird. Die Technologie hat kürzlich die CE-Kennzeichnung erhalten, den europäischen Zulassungsnachweis für Medizinprodukte. Damit markiert sie eine neue Generation der KI-gestützten intravaskulären Bildgebung.

Bild: (1) Das Team um PD Dr. Marco Ochs (3.v.l.) und Prof. Dr. David M. Leistner (4.v.l.) nach der erfolgreichen Premiere des Ultreon™ 3.0.

Ultreon™ 3.0 unterstützt Ärztinnen und Ärzte bei der Planung und Durchführung sogenannter perkutaner Koronarinterventionen (PCI), also Herzkatheter-Eingriffe, bei denen verengte Herzkranzgefäße mit Stents erweitert werden. Erstmals werden dabei hochauflösende Gefäßbildgebung, funktionelle Blutflussmessung und künstliche Intelligenz in einem einzigen, integrierten System zusammengeführt.

„Der Einsatz von Ultreon™ 3.0 ist ein bedeutender Schritt für unsere Patientenversorgung. Mit dieser Technologie können wir gefäßbezogene Erkrankungen des Herzens noch präziser und besser diagnostizieren und behandeln – in Echtzeit und ohne zusätzliche invasive Messungen“, erklärt Prof. Dr. David M. Leistner, Direktor der Kardiologie am Universitären Herz- und Gefäßzentrum. „Wir freuen uns sehr, dass die Universitätsmedizin Frankfurt diese Plattform am 30. März als erster klinischer Standort weltweit überhaupt anwenden konnte.“ Dies ist – 40 Jahre nachdem die weltweit zweite Koronarintervention an der Universitätsmedizin Frankfurt durchgeführt wurde – ein weiterer großer Schritt in eine neue Ära der Interventionellen Koronarkardiologie.

Präzisere Diagnostik – bessere Therapieentscheidungen

Bislang basiert die Beurteilung von Gefäßverengungen häufig auf der klassischen Angiografie, einem radiologischen, kathetergestützten Bildgebungsverfahren unter Einsatz von Kontrastmittel. Diese Methode kann jedoch wichtige Details nur eingeschränkt erfassen – etwa die genaue Beschaffenheit von Ablagerungen an der Gefäßwand oder die tatsächliche Auswirkung einer Engstelle auf den Blutfluss.

Die neue Technologie setzt genau hier an: Die Plattform verbindet die optische Kohärenztomographie (OCT) – ein minimalinvasives bildgebendes Verfahren, das mit Infrarotlicht äußerst präzise 3D-Querschnittsbilder der Gefäßwand erzeugt – mit einer physiologischen Analyse in Echtzeit, der sogenannten FFR‑OCT.

Dieses Verfahren ermöglicht es, den Blutfluss bei Gefäßverengungen direkt aus den OCT‑Bilddaten zu bestimmen – ganz ohne zusätzliche invasive Messungen. So erhält das Behandlungsteam innerhalb weniger Sekunden eine umfassende Grundlage für klinische Entscheidungen.

Die vollständige hochauflösende Darstellung einer Koronararterie dauert technisch nur eine Sekunde und macht das Verfahren besonders effizient und schonend für die Patientinnen und Patienten.

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Bild: (2) Ergebnisanalyse nach dem ersten Einsatz des Ultreon™ 3.0 an der Universitätsmedizin Frankfurt.

Viele Vorteile: KI-Unterstützung und weniger Kontrastmittel

Ein weiterer klinischer Vorteil liegt im Arbeitsprozess, der mit sehr wenig Kontrastmitteln auskommt. Das ist insbesondere für Patientinnen und Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion relevant, für die der Einsatz von Kontrastmittel ein zusätzliches Risiko darstellen kann.

Die integrierte KI erkennt automatisch relevante Gefäßstrukturen, darunter Verkalkungen oder Fettablagerungen, und unterstützt bei zentralen Fragen der Therapieplanung – etwa der optimalen Stentlänge, -position und -expansion. Auch komplexe Eingriffe, beispielsweise bei Gefäßverzweigungen oder ausgedehnten Läsionen, können so präziser geplant und durchgeführt werden.

Evidenz trifft klinische Realität

Internationale Studien zeigen, dass der Einsatz intravaskulärer Bildgebung die Behandlungsstrategie in bis zu 50 Prozent der Fälle verändert und zudem mit besseren Langzeitergebnissen verbunden ist. Leitlinien wie die der europäischen Fachgesellschaften empfehlen den Einsatz bei komplexen Eingriffen bereits mit der höchsten Evidenzstufe.

Dennoch wird diese Technologie im klinischen Alltag bislang vergleichsweise selten eingesetzt – unter anderem aufgrund von Zeitdruck, der Komplexität der Bildinterpretation und des damit verbundenen Aufwands. Ultreon™ 3.0 adressiert genau diese Hürden durch einen schnellen, automatisierten und anwenderfreundlichen Workflow.

„Mit dieser Technologie gelingt es erstmals, hochauflösende Bildgebung, funktionelle Bewertung und künstliche Intelligenz in einem einzigen klinischen Arbeitsprozess zu vereinen. Für uns bedeutet das einen echten Fortschritt in der täglichen Praxis: Wir können komplexe Koronarinterventionen präziser planen, schneller entscheiden und die Qualität unserer Ergebnisse unmittelbar überprüfen. Vor allem aber profitieren unsere Patientinnen und Patienten – durch sicherere Eingriffe, weniger Kontrastmittel und bessere langfristige Behandlungsergebnisse“, sagt Prof. Dr. David M. Leistner.

Schritt in eine neue Ära der interventionellen Kardiologie

Mit der Einführung von Ultreon™ 3.0 wird die intravaskuläre Bildgebung von einem ergänzenden Werkzeug zu einem zentralen Bestandteil der Entscheidungsfindung im Herzkatheterlabor. Die Kombination aus Geschwindigkeit, Präzision und intelligenter Auswertung hat das Potenzial, die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit koronarer Herzkrankheit nachhaltig zu verbessern.

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. David M. Leistner
Direktor der Medizinischen Klinik 3: Kardiologie, Angiologie
Universitätsmedizin Frankfurt
Telefon: +49 69 63 01 – 57 89
E-Mail: direktion-kardiologie@unimedizin-ffm.de 
Internet: www.unimedizin-ffm.de 

 

Quelle: Universitätsklinikum Frankfurt

BildmaterialUniversitätsklinikum Frankfurt

 


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