Internationale KI-Forschung zu ALS: Rostock übernimmt Koordination

Veröffentlicht 29.05.2026 09:20, Kerstin Müller

Rostocker DZNE-Standort koordiniert Forschungskonsortium mit internationaler Förderung für KI-gestützte ALS-Forschung

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Rostock treiben mit globalem Zusammenschluss neue Therapieansätze gegen die chronische Erkrankung des Nervensystems voran. Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) am Standort Rostock koordiniert ein internationales Forschungskonsortium, das für den renommierten „Longitude Prize on ALS“ ausgewählt wurde. Das Konsortium gehört zu den weltweit 20 Teams, die sich in einem hochkompetitiven Auswahlverfahren durchgesetzt haben und nun mit jeweils rund 120.000 Euro gefördert werden.

Bild: Prof. Dr. Dr. Andreas Hermann leitet die Sektion für Translationale Neurodegeneration „Albrecht Kossel“ der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Rostock. Foto: Universitätsmedizin Rostock

Ziel des internationalen Wettbewerbs ist es, mithilfe künstlicher Intelligenz neue therapeutische Zielstrukturen für die Behandlung der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) zu identifizieren. ALS ist die häufigste Form der Motoneuronerkrankung (MND).

An dem Konsortium sind internationale Partnerinnen und Partner aus den Bereichen Neurowissenschaften, Bioinformatik und Künstliche Intelligenz beteiligt. Der „Longitude Prize on ALS“ ist mit insgesamt rund neun Millionen Euro ausgestattet und gilt als eine der weltweit bedeutendsten Initiativen zur KI-gestützten Wirkstoffforschung bei neurodegenerativen Erkrankungen.

„Dass unser Konsortium in diesem internationalen Wettbewerb ausgewählt wurde, ist eine besondere Anerkennung der Forschung im Bereich neurodegenerativer Erkrankungen im DZNE und der beteiligten Partner, aber auch für uns in Rostock“, sagt Prof. Dr. Bernd Krause, Dekan und Wissenschaftlicher Vorstand der Universitätsmedizin Rostock. „Wir bündeln in diesem Projekt modernste Methoden der künstlichen Intelligenz mit klinischer und molekularbiologischer Expertise, um neue Angriffspunkte für Therapien gegen ALS zu identifizieren. Gerade die enge Vernetzung unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen eröffnet hier völlig neue Möglichkeiten“, führt Prof. Dr. Dr. Andreas Hermann, Leiter der Sektion für Translationale Neurodegeneration „Albrecht Kossel“ der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Rostock aus.

Der internationale Wettbewerb verfolgt das Ziel, die Entwicklung neuer Therapien gegen ALS deutlich zu beschleunigen. Die ausgewählten Teams erhalten Zugang zu einer der weltweit umfassendsten Datensammlungen zu ALS mit genomischen, klinischen und sogenannten Multiomics-Daten von tausenden Patientinnen und Patienten. Mithilfe KI-basierter Analysen sollen daraus bislang unbekannte Mechanismen der Erkrankung entschlüsselt und potenzielle Wirkstoffziele identifiziert werden.

Prof. Hermann betont, um Fortschritte bei der  schwer behandelbaren Erkrankung zu erzielen, ist es wichtig, nach Untergruppen der Erkrankung zu suchen, um die Therapie viel individueller zu gestalten, als dies bisher geschehe. Ein Vorbild sei hierfür die Krebstherapie. „ALS ist eine hochkomplexe neurodegenerative Erkrankung, für die es bis heute keine heilende Therapie gibt. Die Möglichkeit, große internationale Datensätze mit Methoden der künstlichen Intelligenz systematisch auszuwerten, eröffnet eine neue Dimension der Forschung. Das Ziel ist es, biologische Untergruppen der Erkrankung zu identifizieren, um diese zielgerichtet therapieren zu können. Dass die Koordination dieses Konsortiums in Rostock liegt, unterstreicht die internationale Sichtbarkeit unseres Standortes“, erklärt Prof. Hermann.

Der „Longitude Prize on ALS“ wird von Challenge Works gemeinsam mit internationalen Partnerorganisationen organisiert und durch mehrere Stiftungen sowie Fachorganisationen gefördert. Nach der ersten Förderphase sollen zehn Teams in die nächste Wettbewerbsrunde einziehen und zusätzliche Mittel für die experimentelle Validierung ihrer Forschungsergebnisse erhalten. Die finale Auswahl des Gewinnerteams ist für das Jahr 2031 vorgesehen.

 

Quelle: Universität Rostock

Bild: Universitätsmedizin Rostock

 


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