Lebensretter auf vier Rädern: Das ECMObil der Charité
Wenn die Lunge versagt oder das Herz nicht mehr pumpt, zählt jede Minute. Seit acht Jahren ist die Charité Universitätsmedizin Berlin mit einem besonderen Fahrzeug unter-wegs, das in solchen Fällen Leben rettet: das ECMObil. Es bringt ein intensivmedizinisches Team mit einer transportablen Herz-Lungen-Maschine (ECMO) direkt zu Patient:innen anderer Krankenhäuser, die selbst nicht die Möglichkeit einer ECMO-Behandlung haben. Auch der Studentin Antonia hat das ECMObil das Leben gerettet.
Bild: Das ECMObil am Campus Virchow-Klinikum. © Charité | Janine Oswald
Eine Grippe hatte sich die Potsdamer Studentin Antonia eingefangen – lästig, aber nicht schlimm, so dachte sie. Doch dann kam alles anders: Sie brach zusammen und musste erst zu Hause von ihrem Freund und dann auf der Fahrt ins Krankenhaus mehrfach von Ärzt:innen reanimiert werden. Doch auch dort verschlechterte sich ihr Zustand – erneut kam es zu einem Kreislaufstillstand. Als klar war, dass weitere Unterstützung nötig ist, reagierte der Arzt in der Potsdamer Notaufnahme schnell und rief das ECMObil der Charité.
Die Idee hinter dem ECMObil: Statt den Patienten oder die Patientin in kritischem Zustand zu verlegen, kommt das ECMO-Team zu ihnen. Das Fahrzeug ist am Campus Virchow-Klinikum stationiert und gehört zur Internistischen Intensivmedizin der Charité. Um schnellstmöglich an den Einsatzort zu kommen, hat es – wie andere Rettungsfahrzeuge auch – Sonderrechte im Straßenverkehr.
In dem Fall ging alles besonders schnell. Nach weniger als 30 Minuten waren Dr. Jan Kruse und sein Kollege mit dem Fahrzeug vor Ort und konnten Antonia an die mobile ECMO anschließen. Die ECMO übernimmt vorübergehend die Funktion von Herz und Lunge. Über Kanülen wird das Blut aus dem Körper geleitet, mit Sauerstoff angereichert und zurückgeführt.
Mehr Sicherheit, bessere Versorgung
„Bei schwerem Schock, Kreislaufstillstand oder Lungenversagen kann die ECMO-Therapie lebensrettend sein“, erklärt Prof. Kai-Uwe Eckardt, Direktor der Klinik für Nephrologie und Intensivmedizin an der Charité. „Das Verfahren ist hochinvasiv und anspruchsvoll, aber für viele Patienten oft die letzte Chance.“ Der Erfolg hängt von Erfahrung und der Zusammenarbeit vieler Spezialisten ab. Patient:innen müssen in ein spezialisiertes Zentrum wie die Charité verlegt werden – doch der Transport ist riskant. Hier kommt das ECMObil ins Spiel: Es ermöglicht den Vor-Ort-Anschluss der ECMO, sodass die Patienten stabilisiert und sicher transportiert werden können.
So auch bei Antonia: Nachdem der Studentin die Herz-Lungen-Maschine angelegt worden war, konnte sie ins Virchow-Klinikum der Charité verlegt werden – ohne Unterbrechung der lebenserhaltenden Maßnahmen. „Die Kollegen der Notaufnahme in Potsdam haben hervorragend reagiert, indem sie uns so schnell alarmiert haben“, betont Dr. Jan Kruse, Geschäftsführender Oberarzt an der Klinik für Nephrologie und Intensivmedizin. „Das erhöht die Überlebenschancen deutlich.“

Bild: Dank ECMObil konnte Antonia ohne Unterbrechung der lebenserhaltenden Maßnahmen in die Charité gebracht warden. © Antonia (privat)
Schnelle Reaktion verhinderte langfristige Schäden
Und tatsächlich: Die 24-Jährige erholte sich schnell. Um weiteren Komplikationen durch Herzrhythmusstörungen vorzubeugen, wurde ihr vorsorglich ein sogenannter Defibrillator eingesetzt. Im Notfall kann dieses winzige Gerät das Herz mit einem Stromstoß wieder in den normalen Rhythmus bringen.
Bereits zehn Tage nach ihrem Zusammenbruch war Antonia wieder auf den Beinen. Zwei Monate nach dem Vorfall konnte sie zwar noch nicht wieder Sport treiben, war sonst aber fit. Heute kann sie fast uneingeschränkt ihrem Alltag nachgehen. „Als ich später erfahren habe, wie schnell das Fahrzeug da und wie gut alles organisiert war, hat mich das sehr beeindruckt“, erzählt die Studentin. „Jetzt bin ich einfach froh, dass ich wieder alles machen kann, was ich vorher auch gemacht habe.“

Bild: Antonia ist trotz lebensbedrohlicher Komplikationen heute wieder fit. © Antonia (privat)
Zusammenarbeit, die Leben rettet
Seit der Inbetriebnahme am 15. Februar 2018 wird das ECMObil im Schnitt einmal pro Woche angefordert. Bereits 478 Mal kam das Fahrzeug mit seinem Team seither zum Einsatz, ein Großteil der versorgten Patient:innen wurden anschließend an die Charité verlegt. Das ECMObil ist ein Kooperationsprojekt der Charité und des Berliner Roten Kreuzes. Die Charité stellt das Equipment und das Fachpersonal, das DRK das Fahrzeug. „Die Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz läuft reibungslos, wir arbeiten sehr gut zusammen“, freut sich Jan Kruse, der schon viele Einsätze mit dem ECMObil als Intensivmediziner begleitet hat.
Die Bilanz nach 8 Jahren im Einsatz: Das ECMObil hat die Notfallversorgung in und um Berlin entscheidend verbessert. Es ermöglicht nicht nur schnellere Hilfsmaßnahmen, sondern auch die wissenschaftliche Untersuchung, welche Patientengruppen besonders von der mobilen ECMO profitieren. Erste Ergebnisse dazu werden voraussichtlich im kommenden Jahr erwartet.
Das ECMObil bei der Langen Nacht der Wissenschaften
Wer selbst einmal einen Blick ins ECMObil werfen möchte, hat dazu am 6. Juni im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften Gelegenheit. Ab 17:15 Uhr ist das Team mit dem Fahrzeug am Campus Charité Mitte vor Ort (Geländeadresse: Virchowweg 6), erklärt die Herz-Lungen-Maschine und zeigt im Reanimations-Crashkurs lebensrettende Handgriffe.
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Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie und Internistische Intensivmedizin
Quelle: © Charité – Universitätsmedizin Berlin
Bildmaterial: ECMObil. © Charité | Janine Oswald, Das ECMObil am Campus Virchow-Klinikum. © Charité | Janine Oswald, © Antonia (privat)










