Die Zukunft der Gesundheitsversorgung beginnt gerade, und sie wird sich künftig grund-legend wandeln. Steigende Patientenzahlen, Fachkräftemangel und wirtschaftliche Heraus-forderungen erfordern neue, tragfähige Lösungen. Wie schafft man Akzeptanz für Verände-rungen in Köpfen, Prozessen und durch KI? Indem man gut strukturierte Arbeit etabliert und die Qualität der Versorgung sichtbar macht. Solche Take Home Points konnten die hochkarätigen Teilnehmer des Smart Hospital Excellence Forums und des Medical Care Center Excellence Forums am 28. und 29. September 2026 in Frankfurt am Main in den Klinikalltag mitnehmen.
Bild: v.l.: Markus Niemann, kaufmännischer Direktor, Euregio-Klinik Nordhorn, Ethische Hackerin Bianca Kastl vom Innovationsverbundes Öffentliche Gesundheit e.V. InÖG, Susanne Katharina Jones, Projektleitung Integrales Kapazitätsmanagement, Ärztliche Direktion bei der Ernst von Bergmann Klinikum in Potsdam. Fotos: smart-bridges, Collage: KI-generiert
Zwei Welten, eine Versorgung: Klinik und Praxis im Dialog
Das Excellenz-Picture zeigt ein Smart Hospital zwischen Wünschen, Bauchgefühlen und der elektronischen Patientenkurzakte (ePA) der gematik. Digital vor ambulant, ambulant trifft stationär, Reha vor Pflege – doch wozu diese Sektoren, die in der digitalen Welt keinen Sinn mehr machen? Die intersektorale Verbindung von Krankenhaus (KH) und Medizinischem Versorgungszentrum (MVZ) über eine gemeinsame KIS-Schnittstelle scheitert in der Praxis an einem Geflecht technischer, rechtlicher und organisatorischer Barrieren, die den nahtlosen Datenaustausch verhindern.
KI als Gamechanger: Wenn KI reale Bedarfe adressiert
KI funktioniert als Gamechanger in der Klinik, wenn sie reale Bedarfe adressiert und spürbare Entlastung im Klinikalltag schafft. Davon ist Markus Niemann, kaufmännischer Direktor, Euregio-Klinik Nordhorn, aus Erfahrung überzeugt. KI erkennt Krankheiten früher, unterstützt Diagnosen, optimiert Behandlungspläne, entlastet Pflegekräfte und verbessert Abläufe, Qualität sowie Patientensicherheit. Dazu gehören klare Prioritäten: Zeit sparen, Medienbrüche abbauen, Informationsverluste reduzieren, Zugriff auf relevante Informationen verbessern. Zumindest im Bereich der Dokumentation und Spracherkennung ist KI im Versorgungsalltag angekommen.
Cybersicherheit: Wie manage ich einen Zoo?
Als ethische Hackerin setzt Bianca Kastl sich zivilgesellschaftlich intensiv mit digitalen Infrastrukturen auseinander, etwa mit der elektronischen Patientenakte oder digitalen Identitäten. Sie hat Sicherheitslücken in der ePA sowie weitere Mängel zum Deutschlandstart aufgedeckt. Die ethische Hackerin skizzierte ein einprägsames Bild: Cybersicherheit im Krankenhaus gleicht dem Zoo-Management. Viele unterschiedliche Systeme, Akteure und Risiken brauchen klare Regeln, Aufsicht und konsequente Sicherheitsstrategien. Viele denken zuerst an hochspezialisierte medizinische Systeme, an veraltete Geräte oder an besonders exotische Angriffsszenarien. Dazu merkte die Vorständin des von privaten Spendern finanzierten Innovationsverbundes Öffentliche Gesundheit e.V. InÖG kritisch an: „Angriffe, die wir auf Krankenhäuser sehen, finden über einen ganz anderen Weg statt, nämlich schlicht über normale Standard-IT. Was meist fehlt: die Patientensicherheit im Blick.“
Vom Bauchgefühl zur Echtzeitsteuerung
Susanne Katharina Jones, Projektleitung Integrales Kapazitätsmanagement, Ärztliche Direktion bei der Ernst von Bergmann Klinikum in Potsdam, brachte es auf den Punkt: „Hürden sind Hierarchien, Datensilos und fehlende Verantwortlichkeiten.“ Die Lösung lautet integrierte Daten, klare KPIs, automatische Warnungen und konsequentes Handeln. Echtzeitsteuerung schafft lückenlose Prozesssicht und ermöglicht sofortiges Eingreifen. Diese Transparenz kann die Versorgung verändern.
Interoperabilität zum Geschäftsmodell machen
Patientenportale in Kliniken bringen kaum Nutzen, Schnittstellen fehlen. Patientenportale ohne Schnittstellen bleiben digitale Wartezimmer statt echter Versorgung. Anwender proklamieren: „Interoperabilität als Geschäftsmodell." Wer Interoperabilität zum Geschäftsmodell macht, schafft anschlussfähige Lösungen, stabile Partnerschaften und nachhaltigen wirtschaftlichen Mehrwert.
Kommunikation verändert Stimmung: Vom Frust zur Motivation
Die Zukunft der Gesundheitsversorgung wartet nicht, sie beginnt jetzt. Meilensteine auf dem Weg sind Politik, Finanzierung und Entbürokratisierung: Wie bleibt das Gesundheitswesen zukunftsfähig? Das System verfolgt zu wenig die Qualität der Behandlung des Patienten. Noch planen wir in den Mangel. Ein Diskussionsmerksatz lautete: „Fördermaßnahmen erhalten die vorhandenen Feudalstrukturen, Fördermittel sind nicht zukunftsgerichtet. Die Patient Journey muss zwischen den Sektoren harte ökonomische Interessen als Barrieren abreißen.“
Die Kontroverse um die Zukunft der Gesundheitsversorgung facht Frust und Dispute an. Referent Florian Trummer, Krankenhausdirektor, Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf, appellierte an die Akteure: Kommunikation kann die Stimmung im Krankenhaus und der Gesellschaft verändern – vom Frust zur Motivation. Was man konkret tun kann: „Schwierige Themen brauchen Sprache, nicht Schweigen. Was wir nicht ansprechen, arbeitet trotzdem weiter."
„Smart Bridges“ als Plattform für Knowhow-Transfer
Moderatoren beim Smart Hospital & Medical Care Center Excellence Forum waren Stefan Spieren, Arzt & Gründer, Digitales Facharzt- und Gesundheitszentrum, sowie Prof. Dr. David Matusiewicz, Professor für Medizinmanagement und Direktor des Forschungsinstituts für Gesundheit & Soziales, FOM Hochschule.
Das Wissens-Format „Smart Hospital & Medical Care Center Excellence Forum“ vom unabhängigen Event-Veranstalter „Smart Bridges“ versteht sich als Plattform für Knowhow-Transfer ebenso wie als Impulsgeber für eine nachhaltige Transformation des Gesundheitswesens hin zu einer intelligent vernetzten, effizienten und patientenzentrierten Versorgung.
Quelle: www.smart-bridges.com
Bildhinweis: Das Beitragsbild wurde auf Basis der bereitgestellten Fotos mithilfe von Künstlicher Intelligenz zu einer redaktionellen Collage gestaltet









