Ein weiterer Meilenstein für die robotische Herzchirurgie in Deutschland ist erreicht: Der „da Vinci 5“, die fortschrittlichste Generation der da-Vinci-Operationssysteme, hat die CE-Kennzeichnung für bestimmte herzchirurgische Eingriffe bei Erwachsenen in Europa erhal-ten. Damit erweitert sich das Einsatzspektrum des da Vinci 5 Systems um thorakoskopisch unterstützte Eingriffe im Herzen sowie minimalinvasive Koronare Bypassoperationen. Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V. (DGTHG) begrüßt diese Entwicklung ausdrücklich und sieht darin einen weiteren wichtigen Impuls für die feste Etablierung der robotergestützten Herzchirurgie in Deutschland.
Bild: Prof. Dr. Jochen Börgermann operiert mit Unterstützung von Robotik. Foto: Martin Preissner
Robotik in der Herzchirurgie ist dabei keineswegs neu. In einigen deutschen Kliniken werden bereits heute bestimmte herzchirurgische Eingriffe robotergestützt durchgeführt – mit großen Vorteilen für die OP-Teams und Patient:innen, sagt Prof. Dr. Jochen Börgermann, 1. Vizepräsident der DGTHG. „Der Einsatz von Robotik ermöglicht eine sehr präzise Steuerung der Instrumente und bietet dem Operationsteam eine detaillierte dreidimensionale Sicht auf das Operationsfeld.“
Die robotischen Instrumente verfügen über sieben Freiheitsgrade und ermöglichen damit eine außergewöhnlich präzise Beweglichkeit selbst auf kleinstem Raum. Eine Tremorreduktion filtert unwillkürliche Bewegungen des Operateurs heraus, zugleich können größere Handbewegungen in feinste Instrumentenbewegungen übersetzt werden. So lassen sich auch schwer zugängliche anatomische Strukturen sicher und präzise erreichen. Der Zugang erfolgt über sogenannte Ports – kleine, zwischen den Rippen eingebrachte Arbeitshülsen für Kamera und Instrumente – oder über kleinste Schnitte. Hieraus resultieren kaum sichtbare Wunden, eine schnellere Rekonvaleszenz und weniger Schmerzen für die Patient:innen.
Neue Möglichkeiten und breitere Anwendung in Deutschland erwartet
Mit dem „da Vinci 5 System“ kommen zu diesen Vorteilen nun weitere technische Möglichkeiten hinzu. Gegenüber früheren Generationen bietet das System eine Reihe technologische Weiterentwicklungen, darunter noch kompaktere Roboterarme, die insbesondere bei Eingriffen auf engem Raum die Bewegungsabläufe erleichtern können, sowie ein erweitertes Instrumentenangebot und eine deutlich höhere Datenverarbeitungsleistung.
Zu dem System gehört außerdem ein integrierter Trainingssimulator. „Dank der europäischen Zulassung des da Vinci 5 Systems für bestimmte herzchirurgische Eingriffe können nun auch deutsche Kliniken diese technologischen Fortschritte nutzen“, sagt Herzchirurg Jochen Börgermann. Der Chef der Klinik für Herzchirurgie und Kinderherzchirurgie am Herzzentrum Duisburg rechnet künftig mit einer deutlich breiteren Anwendung von Robotersystemen in Deutschland.
Eine innovative und zukunftsweisende Entwicklung aus Sicht des DGTHG-Vizepräsidenten. In den kommenden Jahren erwartet er eine schrittweise Weiterentwicklung der robotischen Herzchirurgie, jedoch keinen grundlegenden Umbruch. „Für eine umfänglichere und dauerhafte Etablierung benötigen wir weitere wissenschaftliche Untersuchungen, die den Nutzen systematisch erfassen und evidenzbasiert bewerten.“ Die neuen technologischen Möglichkeiten des „da Vinci 5 Systems“ könnten dies vorantreiben: Dank der digitalen Architektur des Systems lassen sich Operationsabläufe strukturiert nachvollziehen und auswerten.
All das lässt Jochen Börgermann zuversichtlich in die Zukunft blicken: „Ich bin überzeugt davon, dass die Robotik in der Herzchirurgie einen festen Platz einnehmen wird – für eine noch bessere Versorgung unserer Patient:innen.“
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V. (DGTHG)
Bild: Martin Preissner










