Für die Krankenhaus-CIO-Perspektive verschiebt die geplante Primärversorgung die Rolle der Klinik-IT von der „aufnehmenden Insel“ hin zu einem aktiv vernetzten Knoten in einem digital gesteuerten Versorgungspfad „digital vor ambulant vor stationär“. Hausärztinnen, Primärversorgungszentren und digitale Zugangswege (Symptomchecker, Portale, Telemedi-zin) werden zu vorgelagerten Triage- und Steuerungsinstanzen. Die Klinik wird zunehmend gezielt „angefahren“, statt unstrukturiert aufgesucht zu werden.
Für den CIO heißt das: Priorität haben sektorenübergreifende Interoperabilität (FHIR, ePA, TI‑Anbindung), ein robuster Echtzeit-Datenaustausch mit Praxen, Rettungsdienst und Reha sowie eine konsistente Identitäts- und Rechteverwaltung über Organisationsgrenzen.
Der CIO sorgt hier für interoperable Systeme, die ePA, telemedizinische Tools und KI-gestützte Triage integrieren, um Engpässe bei Hausärzten auszugleichen und Patienten effizienter zu leiten – immer im Sinne des Prinzips „digital vor ambulant vor stationär“. Gleichzeitig sichert er Compliance mit neuen Regularien wie der Digitalisierungsstrategie und KHZG-Förderungen, während er IT-Infrastruktur für sichere Datenübertragung ausbaut.
Klinikbeispiele illustrieren diesen Ansatz: Am Klinikum rechts der Isar in München verbindet CIO Andreas G. Henkel Primärversorgung mit Klinikprozessen durch agile Plattformen für digitale Terminvermittlung und telemedizinische Schnittstellen, was Wartezeiten verkürzt und Ressourcen freisetzt. Im Klinikum Braunschweig treibt neuer CIO Andreas Schneider-Adamek die Integration von Primärversorgungsdaten in die Krankenhaus-IT voran, etwa via ePA und KI für Risikoanalysen, um unnötige Aufnahmen zu vermeiden. Ähnlich nutzt das Klinikum Ingolstadt unter Thomas Kleemann datenbasierte Dashboards, die Hausarztüberweisungen priorisieren und mit KHZG-Projekten wie digitalem Medikationsmanagement verknüpfen. In Verbünden wie Rewion-Kliniken ergänzen CDOs und CIOs dies durch sektorübergreifende Netzwerke, die Telemonitoring aus der Primärversorgung direkt in stationäre Prozesse einfließen lassen.
So positioniert der CIO die Klinik als zentralen Knotenpunkt der Primärversorgung, indem er Technologie nutzt, um Versorgungskontinuität zu schaffen, Kosten zu senken und Patientenzufriedenheit zu steigern, ein strategischer Spagat zwischen Innovation, Sicherheit und Kooperation.
Strategische Klinikbeispiele
CIO vermitteln zwischen Managementanforderungen, Anwenderbedürfnissen und Technikmöglichkeiten. Sie integrieren KI für Diagnostik und Überwachung, etablieren Schulungen und Qualitätsmonitoring. Compliance mit NIS2, AI Act und DSGVO bleibt zentral. Aus der Perspektive eines Krankenhaus-CIOs gewinnt die Primärversorgung zunehmend an Bedeutung, da sie den Übergang von digitaler Ersteinschätzung über ambulante zu stationärer Versorgung nahtlos gestaltet und Kliniken entlastet.
Klinikbeispiele verdeutlichen den Nutzen: Am Klinikum rechts der Isar integriert CIO Andreas G. Henkel KI für telemedizinische Vorab-Triage und Risikoanalysen aus Primärversorgungsdaten, was Interoperabilität mit Hausarztpraxen stärkt. Das Universitätsklinikum Essen nutzt KI-Modelle zur Blutproduktvorhersage, die Primärversorgungsdaten mit Klinikbedarf verknüpfen und Ressourcen effizient verteilen. Im Klinikum Braunschweig setzt Andreas Schneider-Adamek KI-Dashboards ein, die Vitaldaten aus Wearables und Apps aus der Primärversorgung einfließen lassen, um präventive stationäre Interventionen zu ermöglichen. Solche Lösungen entlasten nicht nur, sondern fördern eine nahtlose Versorgungskette von Hausarzt zu Klinik.
Informationen
Digitalisierung im Gesundheitswesen, BMG Primärversorgung digital denken - digital vor ambulant vor stationär, Digitale Gesundheitsversorgung e. V. (SVDGV)
Autor: Wolf-Dietrich Lorenz
Symbolbild: KI-Illustration, generiert von ChatCPT/OpenAI










