Deutschlands Krankenhäuser stehen wirtschaftlich unter großem Druck. Der Krankenhaus Rating Report 2026 weist für 2024 bei der Hälfte der Häuser einen Jahresverlust aus; für 2030 halten die Autoren bis zu 70 Prozent defizitäre Kliniken für möglich. Zeitgleich wird die Krankenhauslandschaft neu geordnet: Mit der Zuweisung der Leistungsgruppen entschei-det sich, welches Haus künftig welche Leistungen erbringt. Hinzu kommen Demografie und Fachkräftemangel: Die Fallzahlen steigen, Patientinnen und Patienten werden älter und multimorbider, während erfahrene Fachkräfte knapp sind. Das Patientenportal ist in vielen Häusern bereits etabliert. Mit KI wird es zum Hebel für Entlastung und Wirtschaftlichkeit, wie vier Ansätze aus der Praxis zeigen.
Bild: Intelligente Automatisierungen erleichtern Patientinnen und Patienten den Zugang zum passenden Termin (© samedi / insta_photos on stock.adobe).
Genau hier setzt das Patientenportal an, das viele Häuser im Rahmen des Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) zur Prozessdigitalisierung und für einen verbesserten Informationsfluss bereits eingeführt haben. Als Kommunikationsschnittstelle zwischen Klinik und Patient bietet das Patientenportal einen pragmatischen Einstieg für Künstliche Intelligenz (KI). Vier Ansätze aus dem Portfolio von samedi:
1. Richtig steuern statt nachsteuern: die KI-Terminbuchung
Kliniken vergeben hochspezialisierte Termine an knappen Ressourcen. Wird ein solcher Slot falsch belegt, fällt nicht nur ein Termin aus, sondern eine vorgehaltene Kapazität: wirtschaftlich ein Ausfall, medizinisch eine Verzögerung. Um das weitgehend zu verhindern, beschreiben Patientinnen und Patienten im KI-Terminbuchungswidget ihr Anliegen in eigenen Worten statt über definierte Auswahl-Menüs. Die KI analysiert die Freitexteingabe semantisch und ordnet sie der passenden Terminart zu, auch Symptomchecker lassen sich anbinden. Das Ergebnis: weniger Fehlbuchungen, weniger Rückfragen und eine besser vorbereitete Behandlung.
2. Routine-Fragen automatisiert klären: KI-Chatbot und Online-Rezeption
Für Patientinnen und Patienten begleitet die KI-gestützte Online-Rezeption (Beta-Phase) die Terminbuchung und beantwortet Fragen zu Ablauf und Aufenthalt: Welche Unterlagen muss ich mitbringen? Wo kann ich mich anmelden? Was gibt es morgen zu essen? Bei medizinischen Fragen wird an die zuständigen Anlaufstellen verwiesen, um dort eine fundierte Ersteinschätzung vornehmen zu können.
Und das Klinikteam? Neue Technologie bringt vor allem anfangs Fragen mit sich. samyKI unterstützt Anwenderinnen und Anwender mit Tipps und Anleitungen zu Funktionen und Einstellungen im Portal – alltagsnah, ohne Handbuchsuche oder Support-Ticket.
3. Erreichbarkeit ohne Dauerklingeln: der KI-Telefonassistent
Das automatisierte Annehmen von Anrufen ist in vielen Gesundheitseinrichtungen in Deutschland inzwischen etabliert: Auch in der Asklepios Klinik St.-Georg in Hamburg bearbeitet ein KI-Telefonassistent monatlich über 3.000 Anrufe und spart rund 100 Stunden Anrufzeit. Termine werden automatisiert gebucht, verschoben und abgesagt. Das geschieht in Echtzeit im Kalender und unter Berücksichtigung von Auslastung und Aufnahmeregeln. Komplexe Anliegen nimmt er zur asynchronen Bearbeitung durch das Klinikteam strukturiert auf.

Bild: Strukturierte Informationen bereiten den Arzt-Patienten-Kontakt optimal vor (© samedi / nenetus on stock.adobe). Bild anzeigen
4. Bis zu 80 Prozent weniger Dokumentationsaufwand: die KI-Dokumentation
Die Behandlungsdokumentation bindet Zeit und Aufmerksamkeit im Patientengespräch. Die KI-gestützte Dokumentation löst das durch natürliche Spracherfassung (auch bei Akzenten, Hintergrundgeräuschen oder Mehrsprachigkeit) und erstellt daraus mehrere Dokumente wie Befundberichte, Kostenanträge oder Patientenbriefe im Entwurf. Ärztliches Personal prüft die Dokumente, statt die Inhalte von Grund auf zu erstellen. Der Dokumentationsaufwand reduziert sich dadurch um bis zu 80 Prozent und der Fokus im Termin bleibt stärker auf der Interaktion mit den Patientinnen und Patienten.
Wirtschaftlichkeit und Fazit
Unter den aktuellen Herausforderungen werden Automatisierung und Effizienz für Krankenhäuser zu einem zentralen Hebel, um die Krankenhausreform zu überstehen und sich zukunftssicher aufzustellen. Nur so kann eine qualitativ hochwertige und gleichzeitig kostendeckende Versorgung entstehen. Die Erfahrung aus bislang 55 live implementierten Patientenportalen zeigt nicht nur prozessuale, sondern auch wirtschaftliche Effekte: In der Administration lassen sich bis zu 19 Minuten pro Fall einsparen durch Automatisierungen in der Fallaufnahme (10 min), im Telefondienst, in der Patientenbetreuung und der internen Ressourcenplanung (je 3 min). Auf der Erlösseite stehen vermiedene Terminausfälle, zwei zusätzliche Leistungen je Abteilung und Monat und zusätzliche OP-Kapazität durch weniger Leerlauf. Der Einsatz von KI verstärkt die Wirksamkeit des Patientenportals auch bei den Anliegen, die weiterhin als Anruf oder Rückfrage im Sekretariat landen. Er verlängert damit einen Weg, der messbar trägt. Der durchschnittliche Digital-Radar-Score deutscher Krankenhäuser stieg seit 2021 von 33,3 Punkten auf 55,0 Punkte in 2026, ein Plus von rund 65 Prozent bei 1.531 Häusern.
Für Entscheiderinnen und Entscheider fallen damit zwei Perspektiven zusammen: Wer künftig definierte Leistungsgruppen verantwortet, muss Patientinnen und Patienten zuverlässig in die richtige Struktur steuern und die vorgehaltenen Kapazitäten auslasten. Genau das leisten intelligente Buchungs-, Kommunikations- und Dokumentationsprozesse basierend auf einer Infrastruktur, die in vielen Häusern bereits steht. KI im Patientenportal ist deshalb kein weiteres Digitalprojekt, sondern der Hebel, der aus einer bereits getätigten Investition dauerhafte Entlastung macht: smart automatisieren, Personal entlasten, Leistungsangebot steuern.
Autor: Prof. Dr. Alexander Alscher, Gründer und Geschäftsführer von samedi
Quelle: Quelle: Krankenhaus-KI Journal, Ausgabe 05 / 2026 - Stand Mai 2026
Bildmaterial: © samedi / nenetus on stock.adobe, © samedi / insta_photos on stock.adobe










