Leere Büros in der Krankenhaus IT – auch Cloud benötigt Personal

Personal

Veröffentlicht 09.09.2022 08:20, Kim Wehrs

Im Fernsehen und in vielen Aktionen wird über den Pflegenotstand berichtet. Wer spricht über den IT-Mitarbeiter-Notstand im Krankenhaus? Was vor ein paar Jahren noch kaum merklich war, ist heute Realität. IT wird in jeder Firma und jedem Sektor benötigt. Demzufolge können sich die IT-Mitarbeitenden aussuchen, wohin sie gehen, meist ist das nicht zu einer Krankenhaus-IT. Von Alexandra Heimel, Leiterin IT, Psychiatrisches Zentrum Nordbaden, Wiesloch.

Vor vielen Jahren hat man generell in IT Abteilungen, damals sogar noch EDV Abteilungen, begonnen, wenn man wusste wie ein Netzwerkkabel aussieht. Mit den Jahren sind die Kollegen in die Bereiche hineingewachsen. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, jedes Jahr gehen mehr IT Ausbildungsklassen an den Start. Der Markt für IT wird immer größer, aber in einer Krankenhaus-IT bleibt wenig hängen. Doch wieso taucht diese Lücke auf ? In einer Krankenhaus-IT haben wir meist viermal so viel Systeme wie in einem normalen Unternehmen, wir müssen nicht nach einem positiven Sinn unserer Arbeit fragen, und im Vergleich zur Jobsicherheit haben wir auch einen finanziellen Spielrahmen. Warum sitze ich also immer wieder in Bewerbungsgesprächen, bei denen wir den Einäugigen unter den Blinden suchen?

Ich glaube, dass das Image der Krankenhäuser das Problem ist. Die wenigsten denken daran, dass sie im Krankenhaus eine umfangreiche IT-Ausbildung machen oder einen herausfordernden Job finden können. Das Image des öffentlichen Dienstes ist hier noch Programm, so die Denke. Dies ist sicherlich je nach Standort und Region vermutlich tatsächlich so. Das Dilemma ist nur: Anhand von Stellenausschreibungen sieht man leider nicht, dass das anders ist. Ich kann auch kein Patentrezept nennen, das es besser machen kann. Von verschiedenen Ideen, die wir bereits teilweise umsetzen, kann ich aber berichten.


Den Bewerber ansprechen, nicht umgekehrt

Der wesentlichste Aspekt bei der Suche von neuen Mitarbeitenden ist die empfängerorientierte Suche. Da ist niemand mehr da, der klassische Anzeigen durchforstet. Da wird über Social Media, Google und sogar Tik Tok gesucht. Man stellt sein Profil in Portale wie Paarship. Berücksichtigt man diese Dinge nicht und ist dort nicht vertreten, steht man schon mal nicht im Fokus der Bewerbenden. Warum also nicht ein Video der Krankenhaus-IT drehen? Warum nicht einen witzigen Clip auf Tik Tok einstellen? Das klingt vielleicht unglaubwürdig, das spricht aber tatsächlich an. Von einem guten Kollegen aus der Pflege haben wir uns auch die Idee abgeschaut, einen direkten Kanal via What’s Up anzubieten. Unsere Stellenanzeigen gestalten wir im „Du“ Stil. Es fühlt sich niemand mehr, insbesondere IT Mitarbeitende mit „wir bieten Ihnen“ angesprochen. Sehr erfolgreich sind wir auch mit Direct-Sourcing-Portalen. Hier können wir den Bewerber ansprechen, nicht umgekehrt. Hier konnten wir viele neue Kollegen und Kolleginnen finden und  teilweise auch gewinnen.

Im eigentlichen Bewerbungsprozess setzen wir in hohem Maße auf Hospitation. Wer kann besser von der IT-Familie überzeugen als die Familie selbst? 97 Prozent aller Bewerber, die wir zur Hospitation einladen, unterschreiben tatsächlich auch den Vertrag.


Wertschätzung für die Mitarbeitenden

Die dritte Säule nach Finden und Bewerbung ist die Bindung. Einer meiner Mitarbeiter sagte mir vor kurzem, „wenn wir ab morgen grüne Kokosnüsse verkaufen, bleibe ich dennoch hier“. Das ist quasi der Ritterschlag für eine Führungskraft. Warum das so ist würde weitere Seiten füllen. Soviel sei jedoch gesagt: Machen Sie den Arbeitsplatz zu einem der liebsten Plätze auf der Welt. Geben Sie sich Mühe, sehen Sie ihre Mitarbeitenden nicht als selbstverständlich an. Nehmen Sie sich beispielsweise Zeit für ein Frühstück, da geht es nicht darum, dass Sie Geld investieren in ein IT-Frühstück, sondern Zeit als Wertschätzung für ihre Mitarbeitenden. Denken Sie über die 4-Tage-Woche nach bei vollen Wochenstunden, um mehr Work Live Balance zu schaffen.

Kommen wir zur letzten Säule Anerkennung und Wertschätzung. Das Problem an diesem Bedürfnis ist, dass Sie es nicht alleine erfüllen können. Sie können noch so toll sein, dass alleine genügt leider nicht. Grade in Zeiten von Cloud wird häufig diskutiert, dass man keine Administratoren mehr benötigt, es ist ja dann alles in der Cloud. Der IT-Geschäftsprozess ist sozusagen ein undankbarer Prozess. Mit ihm wird in einer Klinik kein direkter Umsatz generiert und das Verständnis, dass der Umsatz ohne IT heutzutage nicht mehr möglich wäre, ist schwierig bis unmöglich. Es fällt leichter zu verstehen, dass Gebäude, Pflaster und Leistungsabrechnungen mehr benötigt werden als die IT- Abteilung. Dieses Verständnis ist leider spürbar und wird als Ungerechtigkeit von den jeweiligen IT -Mitarbeitenden empfunden. Was hat geholfen bei diesem Problem? Ich würde sagen, eine Ausrichtung an den Klinikbedürfnissen. Durch die höhere Unterstützung wird die IT mehr wahrgenommen und damit auch mehr wertgeschätzt. Ich möchte aber mit freundlicher Vorsicht warnen, einer höherer Wertschätzung folgt auch höhere Verantwortung zu qualitativ hochwertigem IT-Service. Sind Sie mal gut, müssen Sie es auch immer bleiben.

Wenn wir es also schaffen, uns auf Empfänger ausgerichtete Kommunikation bei der Findungsphase einzustellen, das Team ins Bewerbungsverfahren miteinbeziehen, dankbar für unsere Mitarbeitenden zu sein und ihnen beim Wachsen zu helfen, sowie der Klinik beibringen, dass auch die IT ein wertvoller Geschäftsprozess ist, sollten wir es schaffen, gutes Personal zu finden und zu binden. Dann stehen wir vielleicht nicht irgendwann einmal in leeren Krankenhaus-IT Büros.

Alexandra Heimel



Autorin: Alexandra Heimel, Leiterin IT, Psychiatrisches Zentrum Nordbaden,Wiesloch
Quelle Krankenhaus-IT Journal, Ausgabe 04/2022


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