TI-Anbindung von Reha-Einrichtungen: Voraussetzungen sind geschaffen

gematik

Veröffentlicht 24.02.2023 08:40, Dagmar Finlayson

„Mit einem Stapel medizinischer Unterlagen unterm Arm in die Reha: die Zeiten gehören hoffentlich bald der Vergangenheit an. Mit der bevorstehenden Finanzierungsvereinbarung erhalten Reha- und Vorsorgeeinrichtungen eine Regelung, zu welchen Konditionen sie sich an die Telematikinfrastruktur anbinden können. Damit bekommen sie einen sektor- und systemübergreifenden Zugang zu digitalen Anwendungen. Mit dem KIM-Dienst etwa geht dann der Austausch mit anderen Professionals im Gesundheitswesen lückenlos – elektronisch, ohne Stau im Faxgerät, Hinterhertelefonieren oder unsicherem Versand. Später kann der TI-Messenger die schnelle Direktkommunikation unterstützen. Das kommt den Menschen, die in den Einrichtungen behandelt werden, und denen, die dort arbeiten, gleichermaßen zugute“, sagt Dr. Markus Leyck Dieken, CEO der gematik.

Bis dato sind 72 Einrichtungen mit einer Institutionskarte für den TI-Zugang ausgestattet. Zuständig für die Anträge ist die DKTIG.

Erfahrungen aus Reha-Einrichtungen zeigen: Digitalisierung im stationären Bereich noch ausbaufähig

Laut Ergebnis der Online-Befragung zur Digitalisierung in den Rehabilitationseinrichtungen in Bayern hat die Mehrheit eine Digitalisierungsstrategie. Die meisten befinden sich aber noch am Anfang der Umsetzung.

Wie der Anschluss an die Telematikinfrastruktur (TI) praktisch funktioniert, haben fünf Reha-Kliniken und 20 niedergelassene Hausärzt:innen im Rahmen des vom Freistaat Bayern geförderten und von der OTH-Regensburg zusammen mit Monks – Ärzte im Netz GmbH durchgeführten Forschungsprojekts „Reha-/TI-Konsil“ getestet. Einige Reha-Kliniken haben in diesem Zuge Erfahrungen mit KIM (Kommunikation im Medizinwesen) gemacht. Das Feedback aus der Praxis zeigt, dass im stationären bzw. im Reha-Bereich noch Aufholbedarf bei der Digitalisierung besteht.

Die Luitpoldklinik Heiligenfeld und die Rosengartenklinik Heiligenfeld haben an dem Projekt teilgenommen. Sibylle Feyerabend, Leiterin Heiligenfeld Services / Heiligenfeld GmbH, sagt: „Das Hin und Her auf Papier ist nicht mehr zeitgemäß. Mit KIM muss ich Informationen nicht mehr hinterherlaufen, sondern unsere Ärzte können sie direkt Kolleginnen und Kollegen bereitstellen und von ihnen erhalten. Das hilft bei der übergreifenden Behandlung gemeinsamer Patientinnen und Patienten sehr. Im ambulanten Bereich sind TI-Anbindung und KIM weitgehend angekommen. Aber noch nutzen es zu wenige Kliniken bzw. Reha-Einrichtungen. Das muss viel mehr werden, damit es sich durchsetzt.“

Bayerisches Pilotprojekt macht Schule

Eruiert wurde auch eine Konsil-Anwendung für den Austausch medizinischer Informationen zwischen niedergelassenen Hausärzt:innen und Reha-Kliniken. Dabei ging es sowohl um die Vorbereitung als auch um die Begleitung und Nachsorge einer Reha-Maßnahme. Die Konsil-Anwendung war die erste WANDA-Smart Anwendung mit Hosting innerhalb der TI. Die Konsile wurden in Kooperation mit den medizinischen Fachverbänden konzipiert.

Aus dem Projekt, das im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde, ist ein Leitfaden entstanden. Mit Best Practice-Tasks soll das Handout anderen Einrichtungen bundesweit den Einstieg in die digitale Medizin erleichtern. Die DKTIG, die die benötigten TI-Smartcards für Reha- und Vorsorgeeinrichtungen bereitstellt, hat den Leitfaden kürzlich bei einer Infoveranstaltung vor rund 200 Teilnehmer:innen näher vorgestellt und auf ihrer Webseite veröffentlicht.

Staatsminister Holetschek: „Mit Insellösungen kommen wir nicht voran.“

Inzwischen läuft bereits ein Folgeprojekt. Auch dieses wird wieder von der bayerischen Staatsregierung gefördert. Klaus Holetschek, bayerischer Staatsminister für Gesundheit und Pflege, erklärt: „Die Digitalisierung bietet zahlreiche Chancen zur Verbesserung unseres Gesundheitssystems. Dazu gehört, gesundheitsrelevante Daten im Interesse der Patientinnen und Patienten nutzen zu können, für die Versorgung sowie für Forschung und Innovation. Vorsorge und Rehabilitation sind der Schlüssel dafür, dass wir in Zukunft nicht nur älter, sondern vor allem gesünder älter werden können. Die digitale Vernetzung aller beteiligten Akteure stärkt die Versorgung. eHealth in Deutschland läuft aber nur rund, wenn alle Beteiligten mitmachen. Sich nahtlos mit Arztpraxen, Krankenhäusern oder der Pflege austauschen zu können, ist daher für Reha-und Vorsorgeeinrichtungen von immenser Bedeutung. Gerne teilen wir unsere Erfahrungen mit allen Bundesländern. Denn mit Insellösungen kommen wir nicht voran.“

Mehr:

Themenseite der gematik: https://www.gematik.de/rehabilitation

Projektseite Reha-TIKonsil: https://www.reha-ti-konsil.de/

Prof. Dr. Georgios Raptis, Jennifer Wolter: „Leitfaden zur Anbindung einer Reha-Einrichtung an die Telematikinfrastruktur. Digitales Rehabilitationskonsil mit Anbindung an die Telematik-Infrastruktur (Reha/TI-Konsil)“ (Stand: Oktober 2022), veröffentlicht auf der DKTIG-Website: https://dktig.de/wp-content/uploads/20 ... chtung_Reha-TI-Konsil.pdf

Haug, Sonja; Scharf, Anna (2022): Auf dem Weg zur Telematikinfrastruktur. Erfassung und Evaluierung des Digitalisierungsgrades bayerischer Rehabilitationseinrichtungen im Projekt „Reha-/TI-Konsil“. Projektbericht. Regensburg: OTH Regensburg. DOI: http://dx.doi.org/10.13140/RG.2.2.20714.39361

Haug, Sonja; Scharf, Anna (2022): Auf dem Weg zur Telematikinfrastruktur. Erfassung und Evaluierung des Digitalisierungsgrades bayerischer Rehabilitationseinrichtungen im Projekt „Reha-/TI-Konsil“. Executive Summary. Regensburg: OTH Regensburg. DOI: http://dx.doi.org/10.13140/RG.2.2.32458.44484

„Reha-TIKonsil“

Projektkonsortium:

OTH Regensburg (Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg):

Prof. Dr. Sonja Haug und ihr Team haben den Grad der Digitalisierung von Reha-Kliniken in Bayern erhoben und Empfehlungen an die Politik erarbeitet.

Prof. Dr. Georgios Raptis hat mit seinem Team das Projekt wissenschaftlich betreut und u. a. einen Leitfaden für die TI-Anbindung einer Reha-Einrichtung entwickelt.

Monks - Ärzte im Netz GmbH aus München ist für die Konzeption des Konsils inkl. Software-Entwicklung und -Betrieb verantwortlich.


Projektförderung:

Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege (StMGP)


Projekt- und Kooperationspartner:

Bayerischer Hausärzteverband (BHÄV)

Deutsche Krankenhaus TrustCenter und Informationsverarbeitung GmbH (DKTIG)

Verband der Privatkrankenanstalten in Bayern e. V. (VPKA Bayern)

5 Reha-Kliniken sowie 20 niedergelassene Hausärzt:innen an verschiedenen Standorten in Bayern

Die Konsile wurden in Kooperation mit den medizinischen Fachverbänden konzipiert.

Die gematik GmbH ist die Betreibergesellschaft der TI und hat das Projekt fachlich unterstützt.

Quelle: gematik GmbH


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