Molekulares Tumorboard: Digitale Brücken bringen Spitzenmedizin aufs Land

TUM

Veröffentlicht 04.02.2026 11:00, Kai Wehrs

Zum Weltkrebstag 2026 - Die Qualität der Krebsbehandlung darf nicht vom Wohnort abhängen: Das fordern Expertinnen und Experten des CCC München, des Krebsforsch-ungszentrum des TUM Klinikums und des LMU Klinikums, zum Weltkrebstag am 4. Februar. „Wir wollen Spitzenmedizin auf dem Land sichern, ohne die Patientinnen und Patienten durch weite Wege zusätzlich zu belasten“, sagt Prof. Hana Algül, Direktor des CCCM TUM. „Durch digitale Brücken wie das Molekulare Tumorboard bringen wir die universitäre Expertise direkt in die ländliche Praxis.“

Bild: Im Molekularen Tumorboard suchen mehr als 20 ausgewiesene Expertinnen und Experten ihres Fachgebiets gemeinsam nach neuen Angriffspunkten, um personalisierte Therapien für Menschen mit seltenen oder fortgeschrittenen Tumorerkrankungen zu finden, für die es keine leitliniengerechte (mehr) gibt. © Kathrin Czoppelt, TUM Klinikum

Das Molekulare Tumorboard (MTB) des TUM Klinikums Rechts der Isar ist eine Konferenz, in der sich mehr als 20 ausgewiesene Expertinnen und Experten ihres Fachgebiets gemeinsam zu Fällen einzelner Krebspatientinnen und -patienten austauschen. Konkret geht es dabei um Menschen mit seltenen Tumoren oder fortgeschrittenen Erkrankungen, für die es keine leitliengerechten Therapien (mehr) gibt. „Auf Basis molekulargenetischer Analysen suchen wir dann nach Angriffspunkten für neue, personalisierte Therapien“, erklärt Dr. Alisa Lörsch, Sprecherin des MTB. 

Häufig handelt es sich um Medikamente, die bereits zur Behandlung anderer Krebsarten zugelassen sind, deren Wirkmechanismen und molekulare Zielstrukturen jedoch auf Grundlage der Ergebnisse des MTBs auch in den diskutierten Patientenfällen wirksam sein könnten. Betroffene können solche Medikamente dann teils im Rahmen individueller Heilversuche (Off Label Use) erhalten. Oft können sie aber auch in klinischen Studien mit neuen Wirkstoffen eingeschlossen werden – und so von innovativen Ansätzen profitieren.

Zugang zu personalisierter Therapie verbessern

Möglich ist ein Angebot wie das MTB nur in großen Zentren wie am TUM Klinikum. Ärztinnen und Ärzte aus ländlichen Regionen können aber eigene Patienten und Patientinnen für das MTB anmelden – und nach Abschluss der Analysen online an der Fallkonferenz teilnehmen und selbst mitdiskutieren. Basis der Diskussion im MTB ist die aufwändige molekulargenetische Analyse des Tumorgewebes, die zentral im Pathologischen Institut der TUM stattfindet und bei der oft mehrere hundert Gene oder teilweise sogar das gesamte Erbgut sequenziert wird. Die Patienten und Patientinnen müssen dazu nur in bestimmten Fällen für eine Blutabnahme oder ein kurzes Gespräch ins Zentrum kommen. Die onkologische Behandlung kann dabei weiterhin bei dem oder der behandelnden Onkologen/Onkologin durchgeführt werden. „So ermöglichen wir auch Patientinnen und Patienten aus ländlichen Regionen den Zugang zu personalisierten Therapien und innovativen Studien, ohne ihre wohnortnahe Betreuung aufzugeben“, sagt Dr. Lörsch. Ein digitaler Brückenschlag, der gut angenommen wird: „Mittlerweile stammen 30 Prozent der im MTB besprochenen Patientenfälle von extern zuweisenden Ärztinnen und Ärzten.“

 

Quelle: Klinikum der Technischen Universität München (TUM Klinikum)

Bild: © Kathrin Czoppelt, TUM Klinikum 


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