Die IT-Vernetzung in Krankenhäusern eröffnet Chancen für Effizienz, Diagnosequalität und Prozessintegration, führt jedoch zugleich zu einer exponentiellen Ausweitung der system-ischen Angriffsfläche. Die etablierten Sicherheitskonzepte stoßen an ihre Grenzen.
Wo früher einzelne Systeme relativ isoliert agierten, bilden heute vernetzte Infrastrukturen aus Krankenhausinformationssystemen, Medizingeräten, Cloud-Diensten und mobilen Endgeräten ein komplexes digitales Ökosystem. Diese Vernetzung schafft wechselseitige Abhängigkeiten, in denen ein Angriff auf ein Teilsystem potenziell die Funktionsfähigkeit des gesamten Klinikbetriebs beeinträchtigen kann, von der Notaufnahme über die Intensivstation bis zur Verwaltung.
Die Geschwindigkeit moderner Cyberangriffe übersteigt dabei längst die Reaktionsfähigkeit manueller oder isolierter Abwehrmaßnahmen. Automatisierte Angriffswerkzeuge, die auf künstlicher Intelligenz oder adaptiven Algorithmen basieren, erkennen Schwachstellen in Echtzeit und nutzen sie aus, noch bevor menschliche Analysten oder klassische Firewalls intervenieren können. Besonders im Hochrisiko-Umfeld der Krankenhaus-IT ist dies fatal, da hier nicht nur wirtschaftliche, sondern auch unmittelbar lebensrelevante Prozesse betroffen sind. Zeitkritische Systeme wie Beatmungsgeräte, Monitore oder elektronische Medikationsprozesse dulden keine Ausfallzeiten.
Die etablierten Sicherheitskonzepte stoßen an ihre Grenzen, da sie häufig auf statischen Schutzmechanismen oder segmentierten Zuständigkeiten beruhen. Effektive Strategien müssen daher auf dynamische, kontextbewusste Schutzarchitekturen setzen: Echtzeit-Überwachung, KI-gestützte Anomalie Erkennung, automatisierte Reaktionssysteme und konsequente Zero-Trust-Ansätze. Sicherheit darf dabei nicht als separater Layer verstanden werden, sondern muss tief in alle Prozesse, Geräte und Governance-Strukturen integriert sein. Nur so kann die Balance zwischen digitaler Vernetzung und Resilienz in einer Umgebung gelingen, in der jede Sekunde zählt und jede Schwachstelle potenziell zum Patientengefährdungsrisiko wird.
Autor: Wolf-Dietrich Lorenz
Symbolbild: Rosi / AdobeStock










