Bildgesteuerte Lokalisation verbessert chirurgische Präzision am UKSH

IOUS

Veröffentlicht 27.02.2026 11:00, Kerstin Müller

Bildgebungsgesteuerte Lokalisation macht Brustkrebs-OPs schonender. Intraoperativer Ultraschall ermöglicht am Brustzentrum des UKSH am Campus Lübeck eine präzise Tumorlokalisierung während des Eingriffs, verbessert die Qualität der Tumorentfernung, reduziert das Risiko von Zweitoperationen und unterstützt bessere kosmetische Ergebnisse.

Nach wie vor ist Brustkrebs mit etwa 75.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Bei etwa 70 bis 80 Prozent der Patientinnen kann der Tumor brusterhaltend entfernt werden. Häufig sind Tumoren jedoch nicht tastbar – etwa weil sie im Rahmen der Früherkennung entdeckt wurden oder weil sie sich durch eine vor der Operation durchgeführte medikamentöse Therapie verkleinert haben. Damit die Operateurinnen und Operateure den Tumor trotzdem sicher finden, ist eine bildgebungsgesteuerte Lokalisation erforderlich.

Bild: Das Brustzentrum des UKSH am Campus Lübeck gehört als eines der größten universitären Brustzentren Deutschlands bundesweit zu den wenigen Zentren, die den intraoperativen Ultraschall systematisch einsetzen. Foto: UKSH Bild in Originalgröße

Bisher erfolgte dies mittels Drahtmarkierung. Dabei wird ein dünner Draht am Tag der Operation oder am Vortag in die Brust eingebracht und markiert das zu entfernende Gewebe. „Diese Technik kann für Patientinnen teilweise unangenehm sein und der Draht kann verrutschen“, sagt Prof. Dr. Maggie Banys-Paluchowski, stellvertretende Klinikdirektorin und Leiterin des Brustzentrums und des Zentrums für Familiären Brust- und Eierstockkrebs am Campus Lübeck.

Zudem haben Studien gezeigt, dass es bei der Drahtlokalisation in 15 bis 20 Prozent der Fälle vorkommen kann, dass nicht das gesamte Tumorgewebe entfernt wird und eine zweite Operation notwendig ist. Eine schonendere Alternative ist der Intraoperative Ultraschall.

Intraoperativer Ultraschall (IOUS)

Der Intraoperative Ultraschall ist ein bildgebendes Echtzeit-Verfahren. Der Tumor wird während des Eingriffs per Ultraschall dargestellt – ohne zusätzliche Vor-Eingriffe. So können Chirurginnen und Chirurgen präziser operieren und sich im Gewebe besser orientieren.

„Wir können auch kleine Tumoren in Echtzeit lokalisieren und gezielt entfernen. Dadurch kann mehr gesundes Brustgewebe erhalten bleiben – das unterstützt ein besseres kosmetisches Ergebnis“, so Prof. Banys-Paluchowski. „Studien zeigen außerdem: Mit intraoperativem Ultraschall wird der Tumor häufiger beim ersten Eingriff vollständig entfernt – eine zweite Operation ist seltener nötig.“

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Bild: Prof. Dr. Maggie Banys-Paluchowski bereitet das Ultraschallgerät mit Spezialsonde für den Einsatz vor. Die Methode ist für die Patientinnen schonender und Studien zeigen, dass mit intraoperativem Ultraschall der Tumor häufiger beim ersten Eingriff vollständig entfernt wird, so dass eine zweite Operation seltener notwendig ist. Foto: UKSH Bild in Originalgröße

UKSH Lübeck eines der wenigen Zentren mit IOUS

Das Brustzentrum des UKSH am Campus Lübeck gehört als eines der größten universitären Brustzentren Deutschlands bundesweit zu den wenigen Zentren, die den intraoperativen Ultraschall systematisch einsetzen. „Der IOUS ist bislang nicht flächendeckend verfügbar. Weniger als zehn Prozent der dafür geeigneten Operationen werden derzeit mit intraoperativem Ultraschall durchgeführt“, erläutert Prof. Banys-Paluchowski. Mit der aktualisierten S3-Leitlinie Mammakarzinom, die den Stellenwert des IOUS deutlich stärkt, könnte sich das künftig ändern. Prof. Banys-Paluchowski war an der Überarbeitung der Leitlinie als Leiterin der Arbeitsgruppe Operative Therapie maßgeblich beteiligt: „Wir sind auf diese Technik spezialisiert und sehen darin einen wichtigen Fortschritt für die Versorgung von Patientinnen mit Brustkrebs.“

Die Einführung des modernen Ultraschallgeräts inklusive mehrerer Spezialsonden wurde durch die Förderstiftung des UKSH ermöglicht. Mit einer Förderung von 65.000 Euro unterstützt die Stiftung das Brustzentrum Lübeck beim Ausbau dieser schonenden Operationsmethode.

„Der Einsatz der neuen Technik erfordert eine hohe Fachexpertise – Operateurinnen und Operateure müssen sicher im Schallen sein und das passende Equipment nutzen können“, betont Prof. Maggie Banys-Paluchowski. „Unser Ziel ist es, unser Wissen in Workshops an Kolleginnen und Kollegen weiterzugeben. Wir sind überzeugt, dass diese Fortschritte einen wichtigen Beitrag zur Versorgung von Patientinnen mit Brustkrebs leisten können“.

Das Brustkrebszentrum am Campus Lübeck ist Teil des Universitären Cancer Center Schleswig-Holstein (UCCSH) und wird seit 2008 nach den strengen Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Senologie regelmäßig rezertifiziert.

Quelle: Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck

Bildmaterial: UKSH

 


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