FOMF Medical Circle: Digitalisierung im Gesundheitswesen

Veröffentlicht 30.10.2026 09:40, Kerstin Müller

Wie KI- und Datenkompetenz den Arztberuf der Zukunft prägen - Beim FOMF Medical Circle diskutierten Expert:innen über neue ärztliche Kernkompetenzen im KI-Zeitalter

Beim ersten FOMF Medical Circle am 30. September 2026 in Berlin sprachen Vertreter:innen aus Medizin, Klinik, Wissenschaft und Gesundheitswirtschaft über das sich verändernde Rollenbild des Arztberufes angesichts des technologischen Fortschritts und der digitalen Transformation im Gesundheitswesen. Nach ihrer Einschätzung müsse ein Arzt den Patien-ten weiterhin ganzheitlich betrachten, dafür die richtigen Informationen in digitale KI-basier-te Systeme einbringen, deren Ergebnisse kritisch bewerten und mit der eigenen Erfahrung in Einklang bringen, um Therapieentscheidungen zu verantworten. Ärztinnen und Ärzte bräuchten künftig neben medizinischer Expertise auch Datenkompetenz.

Bild: Beim FOMF Medical Circle diskutierten Expert:innen über neue ärztliche Kernkompetenzen im KI-Zeitalter ©FOMF

Digitale Systeme können große Mengen medizinischer Informationen schnell zugänglich machen. Ihre Ergebnisse müssen jedoch in den klinischen Kontext eingeordnet werden. Dafür bleiben medizinische Erfahrung, Fachwissen und die Fähigkeit zur kritischen Bewertung entscheidend. Wer digitale Anwendungen und KI verantwortungsvoll einsetzen will, muss ihre Quellen, Funktionsweisen und Grenzen verstehen. Dazu gehört auch die Fähigkeit, die Qualität und Aussagekraft von Patientendaten zu beurteilen.

KI soll unterstützen, nicht Verantwortung übernehmen

Prof. Dr. med. Kai Wehkamp, Professor für angewandte KI in der Medizin an der MSH Medical School Hamburg, betonte, dass KI den ärztlichen Entscheidungsprozess unterstützen könne und die menschliche Prüfung unverzichtbar bleibe. Daraus leitete Wehkamp eine wachsende Bedeutung von Wissen und Kompetenz ab: Nur wer über ausreichendes medizinisches Wissen verfüge, könne digitale Systeme sinnvoll nutzen und Verantwortung übernehmen.

Neuere KI-gestützte Informationssysteme wie Eviplex können in Sekunden evidenzbasierte, strukturierte Antworten auf medizinische Fragestellungen aus zehntausenden internationalen Leitlinien und Millionen von kuratierten Studien liefern. Für deren Bewertung durch Ärztin oder Arzt gehört auch, den Patienten in seiner Gesamtheit zu betrachten und die Grenzen von KI-Systemen zu berücksichtigen. Dabei spielt auch die ärztliche Schweigepflicht eine Rolle: Bislang wurde nur Eviplex spezifisch für ärztliche Berufsgeheimnisträger nach § 203 StGB entwickelt, so dass damit höchste Datenschutzstandards eingehalten werden.

KI-Systeme für Qualitätssicherung nutzen

Der retrospektive Einsatz von KI-Systemen zur nachträglichen Analyse von Behandlungsverläufen und -entscheidungen könne laut den Diskussionsteilnehmenden dazu beitragen, aus Versorgungsdaten zu lernen, Therapieprozesse zu reflektieren, Abweichungen sichtbar zu machen und somit Hinweise für die Qualitätssicherung zu liefern. Auf diese Weise könne KI ärztliche Teams unterstützen, ohne unmittelbar in laufende Behandlungsentscheidungen einzugreifen. Voraussetzung seien verlässliche, strukturierte und rechtssicher nutzbare Daten.

KI verändert den Zugang zu medizinischem Wissen

Eine zentrale Zukunftsaufgabe sei es den Diskussionsteilnehmenden zufolge, medizinisches Personal so fort- und weiterzubilden, dass es digitale Systeme und KI kompetent beurteilen und verantwortungsvoll einsetzen kann. Ärztinnen und Ärzte müssten lernen, digitale Werkzeuge gezielt einzusetzen, ihre Ergebnisse zu bewerten und daraus verantwortbare Entscheidungen abzuleiten. Die zunehmende Verfügbarkeit digitaler Informationen mache medizinische Kompetenz wichtiger.

Dr. med. Wafa Enayati, Co-CEO und Mitgründer von FOMF – Forum für medizinische Fortbildung, beschrieb die Aufgabe von FOMF darin, medizinisches Wissen zugänglich, aktuell und anwendbar zu machen. Ärztinnen und Ärzte müssten relevante Informationen schnell finden können, ohne dass Fortbildung dem Zufall überlassen werde. Künftig könnten digitale Systeme medizinisches Wissen stärker an den konkreten Fragen und dem Lernbedarf einzelner Ärztinnen und Ärzte ausrichten. Gleichzeitig blieben gemeinsame Standards und ein verlässliches medizinisches Grundlagenwissen notwendig.

Medizinische Erfahrung als Beitrag zur Wissensgenerierung

Zum Ende der Diskussion wurde betont, dass auch ärztliche Beobachtungen und Erfahrungen helfen können, medizinische Erkenntnisse zu erweitern und Versorgung weiterzuentwickeln. Dafür müssen diese Erfahrungen systematisch erfasst, transparent gemacht und wissenschaftlich nutzbar gemacht werden. Dafür brauche es geeignete Strukturen, Standards und Verfahren zur Dokumentation und Auswertung und auch Menschen, die Verantwortung übernehmen und notwendige Veränderungen dauerhaft vorantreiben.

Über FOMF

FOMF – Forum für medizinische Fortbildung wurde vor 20 Jahren von Ärzten gegründet. Heute vertrauen bereits über 140.000 Ärzt:innen auf FOMF. Als führender Anbieter für zertifizierte Präsenz- und Hybridfortbildung mit jährlich mehr als 86.000 Teilnahmen in der DACH-Region bietet FOMF qualitativ hochwertige Inhalte und flexible Lernerfahrungen, die Ärzt:innen dabei unterstützen, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Das größte deutschsprachige medizinische Video-Lernportal umfasst jährlich über 500 Kurse und 150 Kursbücher sowie über 6.000 medizinische aktuelle OnDemand-Vorträge aus mehr als 30 Fachbereichen. Mit innovativen Fortbildungsangeboten und Dienstleistungen stellt FOMF strukturiertes, relevantes und neutrales Wissen für Ärzt:innen bereit und ermöglicht ihnen damit maximale Flexibilität und Zeiteffizienz beim Lernen.

Weitere Informationen unter www.fomf.de.

Über Eviplex

Die Eviplex GmbH bietet ein KI-gestütztes Informationssystem für Ärztinnen und Ärzte in Klinik und Praxis. Das Unternehmen wurde 2026 als Ausgründung von FOMF – Forum für medizinische Fortbildung gegründet und knüpft an dessen 20-jährige Erfahrung in der ärztlichen Fortbildung an. Eviplex analysiert internationale medizinische Leitlinien, aktuelle wissenschaftliche Studien und liefert auf dieser Grundlage strukturierte, evidenzbasierte Antworten mit Quellenangaben. Die fachliche Prüfung, Einordnung, Auswahl und Umsetzung der Informationen obliegen dem qualifizierten medizinischen Fachpersonal. Eviplex wurde unter Berücksichtigung der Anforderungen des § 203 StGB für ärztliche Berufsgeheimnisträger entwickelt und ist DSGVO-konform. Eviplex kann als App oder browserbasiert genutzt werden.

Weitere Informationen unter www.eviplex.com.

Weitere Informationen und Impressionen vom FOMF Medical Circle: 

FOMF Medical Circle Berlin 30.09.2026 - Ein Abend. Unterschiedliche Perspektiven. Ein gemeinsamer Dialog.

Am 30. September 2026 fand in Berlin der erste FOMF Medical Circle statt. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens von FOMF kamen Vertreter:innen unterschiedlicher Bereiche des Gesundheitswesens zusammen, um sich über aktuelle Herausforderungen, neue Entwick-lungen und die Zukunft der Gesundheitsversorgung auszutauschen.

Unter dem Leitgedanken „Zwischen Innovation, Regulierung und Versorgung“ bot die Veranstaltung Raum für fachliche Impulse, unterschiedliche Perspektiven und persönliche Gespräche.

Mit diesem Rückblick möchten wir die Veranstaltung Revue passieren lassen, zentrale Gedanken aufgreifen und Einblicke in einen Abend geben, der den Dialog über fachliche und institutionelle Grenzen hinweg in den Mittelpunkt stellte.

1 

Video ansehen

Wie gestalten wir den Wandel im Gesundheitswesen?

Den fachlichen Auftakt gestaltete Prof. Dr. med. Kai Wehkamp mit seinem Impulsvortrag „Zwischen Innovation, Regulierung und Verantwortung“.

Er beleuchtete die Herausforderungen komplexer Systeme und ging der Frage nach, weshalb technologische Möglichkeiten allein noch keine erfolgreichen Veränderungen garantieren.

Im Mittelpunkt standen dabei auch die Bedeutung menschlicher Kompetenz, der Umgang mit zunehmender Digitalisierung und künstlicher Intelligenz sowie die Verantwortung derjenigen, die den Wandel im Gesundheitswesen gestalten.

3 

Zwischen technologischen Möglichkeiten und Versorgungsrealität.

In der anschließenden Podiumsdiskussion standen die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung im Gesundheitswesen im Mittelpunkt: von Interoperabilität und Datenqualität über strukturelle Innovationshemmnisse bis hin zur praktischen Umsetzung und ärztlichen Verantwortung.

Es diskutierten Prof. Dr. Sylvia Thun, Dr. Mina Baumgarten, Jonah Grütters und Dr. Wafa Enayati, moderiert von Prof. Dr. Kai Wehkamp.

Drei Impulse für die Zukunft des Gesundheitswesens

Die Diskussion verdeutlichte, dass die Zukunft des Gesundheitswesens nicht allein von technologischen Entwicklungen abhängt. Ebenso entscheidend sind die Rahmenbedingungen, die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure und die Verantwortung der Menschen, die Veränderungen gestalten.

01 | Innovation braucht mehr als Technologie.
Ob digitale Lösungen in der Versorgung ankommen, hängt auch von verlässlichen Daten, geeigneten Strukturen und ihrer praktischen Anwendbarkeit ab.

02 | Transformation gelingt nur gemeinsam.
Nachhaltige Veränderungen erfordern Zusammenarbeit über fachliche und institutionelle Grenzen hinweg – und Menschen, die Verantwortung für ihre Umsetzung übernehmen.

03 | Fortschritt braucht Wissen und Verantwortung.
Künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten. Medizinische Kompetenz, kritisches Denken und verantwortungsvolle Entscheidungen bleiben dabei unverzichtbar.

 

Unsere Speaker

2

Bild: v.l.n.r - Dr. med. Sina M. Taheri - Kardiologe, CEO und Co-Founder von FOMF und EVIPLEX, Dr. med. Wafa Enayati - Kardiologe, CEO und Co-Founder von FOMF und EVIPLEX, Dr. med. Mina Baumgarten - Ärztin, Prokuristin bei Vivantes und Expertin für zukunftsfähige Versorgungs- und Managementstrukturen im Gesundheitswesen, Jonah Grütters - Health-Care-Entrepreneur und Stimme der jungen Generation für den Wandel und die Zukunft des Gesundheitswesens, Prof. Dr. med. Dipl. Ing. Sylvia Thun - Ärztin, Professorin und Direktorin am BIH@Charité - führende Expertin für Interoperabilität und digitale Gesundheitsversorgung, Prof. Dr. med. Kai Wehkam - Internist, Professor für angewandte KI in der Medizin und Vordenker für Innovation und Transformation im Gesundheitswesen

Quelle: © FOMF Forum für medizinische Fortbildung

Bild: © FOMF

 


Lesen Sie mehr zum Thema "Digitalisierung"

Lesen Sie hier die neuesten Beiträge

Diese Webseite verwendet Cookies.   Mehr Info.      oder