Digitalisierung in Kliniken: Gefragt ist die Expertise aller Beteiligten

Digitalisierung

Veröffentlicht 19.11.2021 09:30, Dagmar Finlayson

Die vergangenen eineinhalb Jahre haben verdeutlicht, dass die weitere Digitalisierung der Arbeitsprozesse ein zentraler Baustein für die Zukunftsfähigkeit der Kliniken ist. Zugleich beherrschen kontroverse Meinungen über Voraussetzungen und Bedingungen für einen breiten Digitalisierungsschub in den Kliniken die Diskussionen zwischen Anwendern, Industrie und Politik. Dies zeigte sich jüngst auf einer Veranstaltung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Konsens war zumindest: Gefragt ist die Expertise aller Beteiligten bei einer Digitalisierung für Kliniken.

Über den aktuellen Sachstand zur Realisierung der TI und der ersten Anwendungen meinte Dr. Silke Haferkamp, Leiterin Geschäftsbereich IT am Universitätsklinikum Aachen: „Während inzwischen Technik, Integration und Organisation des Versicherten-Stammdatenmanagements klar definiert und daher dementsprechend gut umgesetzt sind, sodass dieser Dienst reibungslos laufen kann, sieht dies für die anderen TI-Anwendungen noch anders aus.“ Mit Blick auf die Industrie gab sie zu bedenken: „Noch immer sind viele Voraussetzungen für die Umsetzung in den Krankenhausinformationssystemen ungeklärt, dementsprechend fehlen den Krankenhäusern wiederum die Informationen der Hersteller über die praktische Implementierung der Arbeitsabläufe in den Systemen, um ihrerseits die Voraussetzungen für eine erfolgreiche organisatorische Umsetzung ab dem 01.01.2022 zu schaffen. Bei den derzeit bestehenden „Deadlines“ für KIM, eAU, eRezept, ePA etc. bleibt es also weiterhin höchst spannend.“, so die IT-Managerin Silke Haferkamp am Universitätsklinikum Aachen.

Dr. Silke Haferkamp, Leiterin Geschäftsbereich IT am Universitätsklinikum Aachen: „Bei den derzeit bestehenden „Deadlines“ für KIM, eAU, eRezept, ePA etc. bleibt es also weiterhin höchst spannend.

Matthias Meierhofer, Vorstand Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg), wiederum sucht Antworten auf andere Fragen als Expertinnen und Experten aus der Klinik. „Es ist viel passiert im Rahmen der TI, doch was haben wir tatsächlich erreicht? Die ersten Fachanwendungen sind in Betrieb, der Nutzungsgrad und die Akzeptanz der Anwender sind jedoch sehr gering. Auch die Industrie steht vor großen Herausforderungen, was Spezifikationen, Umsetzung, Zertifizierungsverfahren und deren enge Timeline betrifft. Digitalisierung ist weit mehr als nur Papierformulare elektronisch abzubilden. Es fehlt aktuell an langfristigen Visionen und innovativen Konzepten, die von allen Akteuren des Gesundheitswesens gemeinsam erarbeitet und nicht nach dem Gießkannenprinzip übergestülpt werden. Nur wenn die Expertise aller Beteiligten eingeholt wird, kann es gelingen, die Vernetzung im Gesundheitswesen erfolgreich weiter voranzutreiben“, mahnte Industrieverbandschef Meierhofer an.

Matthias Meierhofer, Vorstand Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg): „Digitalisierung ist weit mehr als nur Papierformulare elektronisch abzubilden."

Die Diskussion fand im Rahmen der Veranstaltung „Aktueller Sachstand zur Realisierung der TI und der ersten Anwendungen“ auf dem 44. Deutschen Krankenhaustag statt (digital vom 15. bis 17. November 2021). Der Deutsche Krankenhaustag ist eine wichtige berufsgruppenübergreifende Plattform für die deutschen Krankenhäuser und findet jährlich im Rahmen der MEDICA statt.

Von Wolf-Dietrich Lorenz

 

 Symbolbild: Pixabay

 

 


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