Angst vor Datenmissbrauch und dem gläsernen Patienten

EPA

Veröffentlicht 18.06.2021 09:10, kiw

Während Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten ab dem 1. Juli 2021 per Gesetz dazu verpflichtet werden, die elektronische Patientenakte (ePA) in die medizinische Versorgung zu integrieren, hadern Patienten weiterhin mit der Sicherheit ihrer medizinischen Daten.

71 Prozent der Deutschen haben Sorge, dass ihre Gesundheitsdaten missbraucht werden könnten, wenn die entsprechenden Server gehackt werden. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) fürchtet zudem Manipulation.  Das zeigt die bevölkerungsrepräsentative Umfrage „Datapuls 2021“ (1). Spätestens seitdem potenzielle Sicherheitslücken in der Telematik-Infrastruktur aufgedeckt wurden, hat die ePA ein Imageproblem.

Die Angst vom gläsernen Patienten

Keine verlorenen Befunde, keine Doppeluntersuchungen, mehr Klarheit für Arzt und Patient: Auch wenn mehr als drei Viertel der Deutschen (77,7 Prozent) einen Nutzen in der zentralen Speicherung und Abrufbarkeit der Patientendaten sehen, üben sich viele Versicherte weiterhin in Zurückhaltung. Rund sechs von zehn (61,4 Prozent) sind demnach in Sorge, durch die ePA zum gläsernen Patienten zu werden. Sie treibt konkret die Gefahr um, sensible Daten wie HIV-Tests oder psychiatrische Behandlungen könnten für alle einsehbar werden.

 

Steigende Versicherungspolicen befürchtet

Ein Problem sei Experten zufolge, dass die öffentlichen Diskussionen über Risiken und Datenpannen auf viel Unwissenheit stoßen. Nahezu die Hälfte der Deutschen (47,4 Prozent) weiß nicht, wie die ePA funktioniert. Weitere 43,3 Prozent sagen von sich, dass sie nur oberflächlich Bescheid wissen. So kommt es, dass sieben von zehn Deutschen (70,1 Prozent) beunruhigt sind, dass Versicherungspolicen steigen könnten, wenn Versicherungsanbieter über Vorerkrankungen und Prädispositionen Bescheid wissen. Zwar stellen Krankenkassen den Versicherten die elektronische Patientenakte zur Verfügung, können selbst aber keine Inhalte einsehen, was vielen Deutschen nicht bekannt ist.

 

Berechtigungsvergabe schreckt Versicherte ab

Eine weitere Herausforderung stellt den Studienergebnissen zufolge der mangelnde Funktionsumfang bei der Vergabe von Zugriffsberechtigungen dar. Die von Datenschützern kritisierte fehlende Granularität sehen auch Versicherungsnehmer problematisch: 6 von 10 (60,3 Prozent) betrachten gerade die fehlende Datenhoheit bei Einführung der ePA als Problem. Bislang können Patienten dem jeweiligen Arzt nur pauschale Freigaben beziehungsweise Beschränkungen auf Basis von zwei Dokumentenkörben erteilen, nämlich einen für ärztliche Dokumente und einen für vom Versicherten eingestellte Dokumente. Ein feingranulares Berechtigungskonzept ist laut Patientendatenschutzgesetz (PDSG) erst mit der ePA 2.0 für 2022 geplant.

 

Arztpraxen: zum Schutz von Patientendaten Sicherheitslücken schließen

Laut Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnologie (BSI) tragen nicht zuletzt auch Mediziner „eine besondere Verantwortung“ für die hochsensiblen Patientendaten. Denn: Auch die IT-Sicherheit in Arztpraxen müsse insgesamt erhöht werden. IT-Sicherheitsexperten hatten im Dezember 2020 kurz vor Start der ePA gravierende Sicherheitslücken beim Anschluss der Konnektoren entdeckt. In etwa 200 Fällen waren Konnektoren offen über das Internet erreichbar, zu finden mit trivialen Methoden.


Quelle: (1)

Datapuls 2021 ist eine bundesweite, repräsentative Studie zur Digitalisierung des Gesundheitswesens.

Socialwave in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Consumerfieldwork, https://datapuls.social-wave.de/

 
Foto: Adobe Stock / peterschreiber.media


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