Die Digitalisierung ist nicht nur eine Vision

Interview

Veröffentlicht 16.07.2021 09:20, kiw

Die Digitalisierung ist nicht nur eine Vision, sondern wir befinden uns heute in vielen Bereichen bereits mitten in der Transformation von der analogen zur digitalen Welt. Das meint Herbert Stöger, Geschäftsführer x-tention Unternehmensgruppe im Interview mit dem Krankenhaus-IT Journal.


Wie bewerten Sie den aktuellen Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen?

Seit der Gründung von x-tention 2001 beobachten wir die Entwicklungen im Gesundheitswesen natürlich sehr genau. Während zu Beginn der 2000er Jahre die Digitalisierung von medizinischen Daten noch in
den Kinderschuhen steckte, erleben wir nun ein immer schneller werdendes digitales Wachstum. Viele Prozesse im Gesundheitswesen sind heute bereits digitalisiert. Die Behandlung von Patienten wird dadurch effizienter und besser, die Arbeitsabläufe für Leistungserbringer gleichzeitig erleichtert. Gute Beispiele für hilfreiche Entwicklungen sind unter anderem elektronische Akten für Patienten und Versicherte, elektronische Impfpässe und der Einsatz von Videosprechstunden für Patienten und Ärzte. Auch die x-tention Unternehmensgruppe profitiert von neuen Digitalisierungsmaßnahmen und betreut mittlerweile mehr als 1.000 Kunden aus dem Gesundheitswesen und der Industrie weltweit. Dazu zählen beispielsweise große Universitätskliniken, viele Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen und Deutschlands größte Krankenkasse AOK.


Was hat zu dem hohen Bedarf an digitalen Lösungen geführt?

Zwei Punkte sind hier von wesentlicher Bedeutung. Zum einen wurde der Mehrwert von digitalen Lösungen von der Politik erkannt. Die Verantwortlichen in den Gesundheitsministerien schaffen mit neuen Gesetzen die Basis für umfassende Modernisierungsmaßnahmen. Die Gesetzgebung wirkt damit als Motor für die digitale Transformation. Ein schönes Beispiel ist das Krankenhauszukunftsgesetz, mit dem die digitale Infrastruktur und die IT-Sicherheit deutscher Krankenhäuser staatlich gefördert wird.

Zum anderen fordern die Patienten neue, moderne Lösungen ein. Wer in ein Krankenhaus muss, erwartet dort auf Prozesse zu treffen, die die technologischen Möglichkeiten von heute ausschöpfen. Beispiele dafür sind die Anmeldung via Single Sign-On im Krankenhaus, die elektronische Patientenakte und digitale Anamneseformulare, die man bereits vor dem Krankenhausaufenthalt ausfüllen kann.

Wie unterstützt Ihre Unternehmensgruppe konkret die Digitalisierungsvorhaben in Krankenhäusern?

Die x-tention Unternehmensgruppe bietet an allen 15 europäischen Standorten ein umfassendes Portfolio von Produkten und Dienstleistungen an. Von der Beratung, über die Softwareentwicklung bis zur Implementierung unterstützen wir Kunden aus dem Gesundheitswesen und der Industrie. Zusätzlich übernehmen unsere Experten umfangreiche Leistungen des laufenden Betriebs und so können wir als Gesamtlösungsanbieter die gesamte IT-Infrastruktur von medizinischen Betrieben managen. Aktuell liegen unsere Schwerpunkte vor allem auf den Bereichen Patientenportale, Lösungen zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) sowie Informationssicherheit und Datenschutz.

Patientenportale ermöglichen die Zuordnung von medizinischen Daten aufgrund einer eindeutigen Identifikation von Patienten und Leistungserbringern. Mithilfe unserer elektronischen Patientenakte lassen sich so Dokumente, Bilddaten und strukturierte medizinische Daten bereitstellen und sicher zwischen den am Behandlungsprozess beteiligen Akteuren austauschen. Durch das Patientenportal kann der Patient selbst
seine eigene Akte einsehen, managen und die Rechtevergabe verwalten. Über ein Webportal haben dann zugriffsberechtigte Leistungserbringer Zugang zu den für sie freigegebenen medizinischen Informationen. Die Telematikinfrastruktur steht im Mittelpunkt der großen Vernetzungsprojekte. Mit unserer neuen Lösung OmniConnect schaffen wir die Voraussetzung für die Anbindung von vorhandenen Systemen innerhalb der Krankenhaus-Organisationsstruktur an die einzelnen Fachanwendungen der TI gemäß der elektronischen Patientenakte nach §341 SGB V und deren Fachanwendungen. Mit diesen Lösungen gewährleisten wir einen schnellen und sicheren Datenaustausch zwischen verschiedenen Akteuren des Gesundheitswesens.

Der Bereich Informationssicherheit und Datenschutz umfasst die gesamte IT-Infrastruktur und sollte bei allen Digitalisierungsmaßnahmen im Fokus stehen. Hier geht es nicht nur darum funktionierende Firewalls zu haben, sondern um den verschlüsselten Datenverkehr innerhalb und außerhalb der medizinischen Einrichtungen und dem Datenschutz für die Patienten. Mithilfe von standardisierten Vorlagenpakete für Informationssicherheits-Managementsysteme (ISMS) helfen wir außerdem den Verantwortlichen in Krankenhäusern, als Betreiber kritischer Infrastrukturen, ein ISMS aufzubauen und es dauerhaft zu betreiben. Zudem bieten wir hochsichere Lösungen für Krankenhausbetreiber bei der Umsetzung gesetzlicher Vorgaben wie dem aktuellen IT-Sicherheitsgesetz 2.0 an.


Stichwort IT-Sicherheit. Wie kann der bestmögliche Schutz von Patientendaten bzw. der Krankenhausinfrastruktur gewährleistet werden?

Informationssicherheit und Datenschutz müssen bei allen Prozessen immer im Fokus stehen. Je mehr personenbezogene und medizinische Daten digital erstellt und genutzt werden, desto größer wird auch der Anreiz für Missbrauch. Gerade die Positionen Chief Security Officer (CISO) und Datenschutzbeauftragter (DSB) sind daher für die Einrichtungen enorm wichtig. Diese Spezialisten übernehmen nicht nur die Überwachung der IT-Sicherheit, sondern sie helfen bei der Einhaltung gesetzlicher Normen wie beispielsweise der DSGVO und unterstützen bei der Implementierung neuer Prozesse. Zusätzlich schulen sie Mitarbeiter und helfen die Awareness für den Sicherheitsbereich zu erhöhen. Bei Bedarf stellen wir diese Positionen zur Verfügung und unterstützen Krankenhausbetreiber mit unseren Experten als externe Mitarbeiter. Auf diese Weise helfen wir Sicherheitslücken frühzeitig vorzubeugen, zu erkennen und falls nötig, zu beheben.

Im Gesundheitswesen gibt es viele unterschiedliche digitale Prozesse. Wie können diese kompatibel umgesetzt werden?

Die IT-Infrastruktur einer Klinik ist natürlich höchst komplex. Damit alle benötigten Plattformen und medizinischen Geräte miteinander kommunizieren können, setzen wir auf internationale Standards. Mithilfe dieser Standards wie HL7 oder FHIR gewährleisten wir die reibungslosen Übergänge zwischen verschiedenen Systemen und verhindern Inselsysteme mit allen ihren Nachteilen. Umsetzen können wir dies optimal
mit unserer Gesamtlösung Orchestra eHealth Suite. Auf Basis der internationalen Standards und Sicherheitsfunktionalitäten stellt die Orchestra eHealth Suite Schnittstellen für eine einrichtungsübergreifende Integration mit den bestehenden Lösungen unserer Kunden bereit. Unsere Unternehmensgruppe ist außerdem Vorreiter im Bereich Interoperabilität und engagiert sich seit vielen Jahren im Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) und anderen Gremien. Zusätzlich nehmen wir an Connectathons teil und beweisen die Kompatibilität unserer Lösungen mit anderen Herstellern seit vielen Jahren erfolgreich. Wir haben früh erkannt, dass dies der beste Weg ist, die Effektivität der Behandlungsprozesse zu steigern und können so den Krankenhäusern, beziehungsweise Leistungserbringern helfen, ihre Arbeitsabläufe sektorenübergreifend zu optimieren.

Welche Vorteile hat die zunehmende Digitalisierung für die Patienten und Leistungserbringer?

Ständig verbessern neue und moderne Technologien die Behandlungsmöglichkeiten. Dies hilft sowohl den Patienten wie auch den Ärzten. Immer mehr Patienten nutzen beispielsweise schon ganz selbstverständlich Gesundheitsapps auf dem Handy. Diese können die Gesundheitsdaten erfassen und analysieren oder die Kommunikation mit dem Behandlungsteam erleichtern – sei es bei Anamneseabfragen oder der Terminvereinbarung. Zusätzlich können sich die Patienten bereits bei ersten Krankenhäusern per Single Sign-On anmelden und ihre erfassten Daten zentral in einer elektronischen Patientenakte speichern. Der Vorteil dieser digitalen Lösungen liegt insbesondere darin, dass die Behandlungsprozesse dadurch transparenter und die Patienten Teil ihres eigenen Behandlungsteams werden.

Die Leistungserbringer profitieren von der Anbindung ihrer Systeme an die neuen Fachanwendungen der Telematikinfrastuktur, wie zum Beispiel dem eArztbriefe, der eNachricht, der elektronische Patientenakte und dem elektronischen Medikationsplan (EMP). Bei allem technologischen Fortschritt ist es jedoch wichtig zu betonen, dass der Mensch immer im Mittelpunkt der Entwicklungen steht. Alle Fortschritte der
Digitalisierung im Gesundheitswesen dienen dem Ziel, den Behandlungsprozess durch intelligente Lösungen zu unterstützen und die Genesung der Patienten zu beschleunigen.


Hintergrundinformationen x-tention Unternehmensgruppe

Die x-tention Unternehmensgruppe bietet individuelle Software- und Servicelösungen für das Gesundheits- und Sozialwesen. Die international agierenden Unternehmen verfügen über ein umfassendes Leistungsportfolio aus Beratung, Software, Implementierung und Betrieb. Zur x-tention Unternehmensgruppe gehören die Firmen x-tention Informationstechnologie GmbH, soffico GmbH, InterComponentWare AG, FAKTOR D consulting GmbH, it for industries GmbH sowie Cloud21. An den Standorten in Österreich, Deutschland, Schweiz, Großbritannien und den USA betreuen über 500 Mitarbeiter mehr als 1.000 Kunden.


Quelle: Beilage Premium Messejournal, Krankenhaus-IT Journal, 03/2021


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