Digital Health: Neue Instrumente für das Gesundheitswesen

Digital

Veröffentlicht 18.07.2022 07:00, Dagmar Finlayson

Das Bundesgesundheitsministerium schuf in den vergangenen Jahren viele Grundlagen rund um Digital Health. Nun ist das Gesundheitswesen am Zug, mit digitalen Anwendungen Prozesse papierlos zu gestalten. Dazu bieten Ansätze von Apps auf Rezept bis zum Zukunftsgesetz für Krankenhäuser Vorteile, die über Arbeitsabläufe ohne Papier hinausgehen. Ein Überblick:

Durch das eRezept als App entstehen zunächst prozessuale Kostenvorteile für Praxen, Apotheken, Kassen und Abrechnungsdienstleister. Die Strukturbrüche durch das Ausdrucken einer digitalen Vorlage, das Unterschreiben, Einreichen und Einscannen sowie die erneute Digitalisierung für den Warenwirtschafts- und Abrechnungsprozess und nicht zuletzt das jahrelange Archivieren zeigen schon die Vorteile der Einführung eines digitalen Rezeptes auf.

Durch die elektronische Patientenakte (ePA) sind Behandlungsinformationen an einem Ort lebenslang, individuell und persönlich speicherbar. Dabei werden Daten strukturiert in sogenannten Medizinischen Informationsobjekten (MIOs) abgelegt. Sie stehen allen weiteren Behandlungspfaden ohne Systembrüche zur Weiterverarbeitung in ihren Systemen zur Verfügung.

Als Ersatz zu Brief und Fax spielen KIM und TIM für sichere digitale Kommunikation eine wichtige Rolle: Kommunikation im Medizinwesen (KIM) bietet die E-Mail für den sicheren Transport von Sozialdaten alternativ zum Fax an. Als „Lastesel“ kann KIM aber auch Daten wie Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen zur Massenverarbeitung per Mausklick an Kassen liefern. Dort sind allein durch Dunkelverarbeitung Kosteneinsparungen zu erwarten.

Telematikinfrastruktur Messenger (TIM) folgen der Erfolgsspur der Instant Messenger. In mehreren Ausbaustufen werden neben dem Chat auch der Austausch von Daten unter Experten und Videosprechstunden möglich sein. Für die Kassen, Leistungserbringer und Krankenhäuser bieten Online-Services und Support für Versicherte neue Perspektiven.

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs), auch Apps auf Rezept genannt, bieten neue Möglichkeiten: Bisher begann die Patientenversorgung bei Eintritt ins Krankenhaus und endete bei der Entlassung. Stationäre Aufenthalte zu begleiten, vielleicht schon vorher Übungen zur Vorbereitung und Verbesserung der Patient Reported Outcomes oder Verkürzung der Liegedauer/Rehabilitation anzubieten, wird nun ermöglicht und vergütet. Modulare Baukästen wie der adesso health stack beschleunigen dabei die Entwicklung solcher Apps.

Das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) ermöglicht es Kliniken, ihre IT-Landschaft, digitalen Versorgungsprozesse und die Patientenkommunikation grundlegend zu optimieren. Dringend notwendige digitale Projekte sind nun solide finanzierbar und umsetzbar. Dazu müssen Fördermittel im Sinne einer strategischen Planung sinnvoll und nachhaltig investiert werden. Der Ausgangspunkt ist dabei, den digitalen Status quo einer Klinik genau zu kennen und zu beschreiben. Aufbauend darauf lassen sich Handlungsfelder identifizieren, digitale Lücken schließen und Vorteile realisieren. Unterschiedliche Fördertatbestände des KHZG bilden die rechtlichen und finanziellen Leitplanken dieser Vorhaben. Ein professionelles Programm- und Projektmanagement sichert den langfristigen Erfolg der Investitionen.

Die Zukunft im Gesundheitswesen ist digital

Digitalisierung hilft dabei, die Situation für Patientinnen und Patienten zu verbessern. Gleichzeitig eröffnen neue Technologien die Möglichkeit, die Kosten im Gesundheitswesen zu senken. Diese Potenziale, die andere Branchen schon längst nutzen, gilt es jetzt auch im Gesundheitssektor zu heben.

Autoren

Martin Gödecke

Yvonne Gruendler Heiko Dorn

Martin Gödecke (Foto links) ist Competence Center Leiter eHealth bei adesso und begleitet in verantwortlichen Rollen und Großprojekten seit 18 Jahren den Aufbau der Telematikinfrastruktur und deren Fachanwendungen.

Yvonne Gruendler ist Health-Expertin und Competence Center Leiterin mit Schwerpunkt Digital/Personal Health bei adesso. Seit etwa 20 Jahren beschäftigt sich Frau Gruendler mit der Gestaltung von Services und Produkten in der Gesundheitsbranche.

Heiko Dorn (Foto rechts) ist Leiter des Competence Centers Consulting Health Provider bei adesso. Er verfügt über mehr als 15 Jahre Beratungserfahrung im Gesundheitswesen mit Schwerpunkt Krankenhaus. Seine Beratungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Projektmanagement, Digitalisierung und IT-Strategie.

Quelle Text/Fotos: adesso SE


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