Stationäre Behandlung zuhause – wie Asklepios Heimbewohner virtuell versorgen will

Ward

Veröffentlicht 16.01.2026 10:20, Kai Wehrs

Im November 2025 ist Asklepios mit dem Projekt „VirtualWard“ in die Versorgung gestartet: Pflegeheimbewohner können nun zuhause stationär behandelt werden. Nach einem Monat zeigt sich indes, dass Medizin und Technik die geringsten Hürden sind.

Die ältere Dame mit den schlohweißen Haaren hat hohes Fieber und Schmerzen im Unterbauch – mit diesen Beschwerden kommt „Frau Fischer“ aus einem Hamburger Pflegeheim in die Notaufnahme der Asklepios-Klinik Nord. Diagnose: komplizierter Blaseninfekt. „Der muss im Krankenhaus behandelt werden“, sagt Jochen Gehrke, Chefarzt der Geriatrie, „aber die gute Nachricht: Wir können die Krankenhausbehandlung auch in Ihrer Einrichtung machen.“ Noch am selben Abend liegt die Patientin wieder im eigenen Bett – mit Infusionsnadel im Arm und Tablet-Computer auf dem Nachttisch.

Projektstart in Hamburg und Hessen

„Frau Fischer“ ist im Doku-Video die Musterpatientin des „VirtualWard“-Programms der beiden Asklepios-Häuser Langen (Hessen) und Hamburg-Nord - Heidberg. Im Rahmen des Projekts können Pflegebedürftige erstmals zuhause stationär behandelt werden. Die beiden Häuser testen mit sieben Pflegeheimen in ihrer jeweiligen Umgebung, ob sie die meist Hochbetagten in den Einrichtungen genauso gut (oder besser) kurieren und damit Klinikaufenthalte älterer Menschen vermeiden können. Das vom Innovationsfonds geförderte Projekt startete im Mai 2025. Von November 2025 bis zum Ende Oktober 2026 soll die Versorgung an insgesamt 212 Patienten getestet werden.

Klinikaufenthalte sind für Alte riskant

Der Bedarf liegt auf der Hand: Hochbetagte sind eine wachsende Patientengruppe, die Kliniken vor immer größere Herausforderungen stellt. Mittelfristig dürften sich die stationären Fallzahlen bei über-80-Jährigen zwar nur mäßig erhöhen, analysierten die Autoren des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) im Krankenhaus-Report 2025; durch den wachsenden Anteil Hochaltriger steige aber der Versorgungsaufwand. Laut Fachzeitschrift f&w werden die besonderen Versorgungsbedarfe dieser Altersgruppe in Kliniken schon heute schlecht berücksichtigt. Zudem sprechen alterstypische Risiken gegen den Klinikaufenthalt, so etwa die Sturzgefahr, Bewegungsmangel und Muskelabbau, Desorientierung, Einsamkeit und Keime. „Vor allem unsere Patientinnen und Patienten mit beginnender Demenz können vom Verbleib in ihrer vertrauten Umgebung profitieren“, sagt Thorsten Stein, Chefarzt der Pneumologie und Beatmungsmedizin der Asklepios-Klinik in Langen, „das ist sehr wichtig für die Prognose und Lebensqualität.“

Neue Aufgaben für die Pflege

Wer für das Programm infrage kommt, entscheidet sich in der Notaufnahme. Sowie die Diagnose steht und die Therapie eingeleitet ist, können die Patienten wieder nach Hause. „Dafür müssen die Pflegebedürftigen ein Krankheitsbild aufweisen, das die stationäre Behandlung erfordert, aber keinen komplizierten Verlauf erwarten lässt“, erklärt Stein. Zum Start seien vor allem einfache Fälle vorgesehen, etwa Infektionskrankheiten wie Lungen- oder Blasenentzündungen, die in der Regel mit Antibiotika kuriert werden können. Für die täglichen Visiten stehen ein Tablet-Computer und Telemonitoring-Geräte an ihrem Bett. Das Heim braucht stabiles WLAN und motivierte Pflegekräfte, die auch die telemedizinische Übertragung von Vitalparametern sicherstellen. „Die generalistische Ausbildung der Pflegekräfte ist eine gute Voraussetzung dafür, die ärztlichen Anordnungen umzusetzen“, berichtet Jan Ries, Projektmanager Integrated & Digital Care, der das Projekt leitet.

Quelle: © AOK-Bundesverband 

Symbolbild: Maria / AdobeStock

 


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