Schleudersitz Krankenhaus-Geschäftsführung

Karriere

Veröffentlicht 22.10.2021 07:00, Kim Wehrs

In deutschen Kliniken wechseln sehr oft die Geschäftsführer. Fast die Hälfte (41 Prozent) aller Krankenhäuser haben binnen zehn Jahren mindestens drei Verwaltungschefs. Hauptgründe für den häufigen Wechsel sind Differenzen mit dem Aufsichtsrat, aber auch mangelnder wirtschaftlicher Erfolg. Das sind die zentralen Ergebnisse einer umfangreichen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO, des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) und des Verbands der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD). Mehr als 550 Klinik-Geschäftsführer wurden dafür befragt. 

Geschäftsführer von Krankenhäusern haben viele Aufgaben: Sie kümmern sich um Personalplanung- und Patientenauslastung, müssen die wirtschaftlichen Belange im Auge behalten und sich mit Ärzten und Aufsichtsräten abstimmen. Kurz: Sie tragen Verantwortung für fast alles, was in einer Klinik geschieht. Doch trotz ihrer herausragenden Stellung im Kliniksystem wechseln die Geschäftsführer in deutschen Krankenhäusern relativ häufig: Durchschnittlich alle vier Jahre kommt in den Kliniken hierzulande eine neue Person auf diese Position – so das Ergebnis der aktuellen Studie.
 

Fliegender Wechseln in vielen Kliniken 

„Innerhalb von zehn Jahren hat ein Krankenhaus also durchschnittlich 2,5 Geschäftsführer“, sagt BDO Gesundheitswirtschaftsexperte Prof. Volker Nürnberg. Teilweise sind es sogar deutlich mehr: 41 Prozent aller Kliniken hatten - laut der Studie - in der vergangenen Dekade drei, vier oder noch mehr Geschäftsführer. Prof. Nürnberg: „In vielen Krankenhäusern herrscht ein fliegender Wechsel, die Position ist oftmals ein Schleudersitz.“
 

Platzhirsche und Job-Hopper 

Zwar gibt es auch Kliniken, in denen sich ein anderes Bild bietet: In 28 Prozent aller Krankenhäuser arbeitet bereits seit 10 Jahren derselbe Geschäftsführer, in einigen Fällen sogar schon 17 Jahre und länger. „Es gibt solche vereinzelten Platzhirsche“, erklärt Prof. Nürnberg, „die wirklich lange ihren Posten behalten – aber zugleich sind da eben auch viele sogenannte Job-Hopper, die oftmals weniger als drei Jahre bleiben.“

Doch warum gehen viele Klinikgeschäftsführer so schnell? Auch darauf gibt die Studie von BDO, DKI und VKD eine Antwort: Häufig sind interne Differenzen verantwortlich; auch wirtschaftlicher Misserfolg (gemessen etwa an den Rentabilitätszielen) sowie verfehlte nicht-ökonomische Ziele können der Grund für eine Ablösung sein. 37 Prozent der Befragten gaben an, dass sie von vornherein einen befristeten Vertrag abgeschlossen hatten.

 

Geschäftsführer-Position ist eine Männerdomäne 

Die groß angelegte Studie liefert auch interessante genderspezifische Aufschlüsse. Die meisten Krankenhaus-Geschäftsführer sind Männer, nur 18 Prozent sind weiblich, in größeren Häusern sogar gerade mal sieben Prozent. Dieses Geschlechterverhältnis erstreckt sich über alle Altersgruppen hinweg: Bei der Gruppe der älteren Klinikgeschäftsführer (53 Jahre oder älter) sind 21 Prozent weiblich, bei den Jüngeren sogar nur 16 Prozent. Im Kontrast dazu arbeiten in deutschen Krankenhäusern vor allem Frauen: 80 Prozent der Angestellten sind weiblich, etwa als Krankenschwestern oder als Ärztinnen tätig. BDO Gesundheitsexperte Prof. Volker Nürnberg: „Man könnte in diesem Fall sagen: Gesundheit wird von Frauen gemacht und von Männern geleitet.“ 

Ergebnisse der Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO lassen vermuten: Die Krankenhäuser stehen in den kommenden Jahren vor weiteren erheblichen strukturellen Veränderungen. Hier ist die gesamte Führung – Kaufleute ebenso wie ärztliche und pflegerische Leitung – noch stärker als bisher gefordert, gemeinsam als Führungsteam zu agieren.

 

 

 BDO Gesundheitswirtschaftsexperte Prof. Volker Nürnberg: „In vielen Krankenhäusern herrscht ein fliegender Wechsel, die Position ist oftmals ein Schleudersitz.“



Foto: Adobe Stock / peshkov


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