Krankenhauszukunftskonferenz: mehr Akzeptanz für die Digitalisierung eingefordert

KHZK

Veröffentlicht 01.04.2022 07:20, Kim Wehrs

Die Krankenhäuser in Deutschland stehen noch am Anfang der Digitalisierung. Das verdeutlichten die Expert:innen der digitalen KrankenhausZukunftsKonferenz (KhZK) der BVMed-Akademie im März 2022. Die Konferenz blickte auf ein Jahr Krankenhaus-Zukunftsfonds zurück. Nachhaltige Nutzung der Krankenhauszukunftsfonds müsse sichergestellt werden. Industrievertreter betonten dazu: Um Prozesse und Produkte optimieren zu können, müsste die Industrie beim Datenzugang besser einbezogen werden.

Prof. Dr. Sylvia Thun, Direktorin der Core-Unit „eHealth und Interoperabilität“ am Berliner Institut für Gesundheitsforschung, stellte auf dem BVMed-Event den aktuell erhobenen digitalen Reifegrad in deutschen Krankenhäusern vor: „Durchschnittlich haben die deutschen Krankenhäuser 33,25 Punkte von 100 erreicht, was nicht viel ist.“ Besonders ausbaufähig sei die Interoperabilität und Patient:inneneinbindung. „Wir brauchen die Industrie, um Interoperabilität gemeinsam zu entwickeln“, so Thun. Um mehr Akzeptanz für die Digitalisierung zu ermöglichen, sei es außerdem wichtig, „Patient:innen und Klinikpersonal von den Potenzialen der Digitalisierung zu überzeugen“, so Markus Holzbrecher-Morys, Geschäftsführer IT, Datenaustausch und eHealth der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Er plädierte dafür, dass die Betriebskosten auch nach 2025 gefördert werden.

Die Experten gingen auch der Frage nach, wie eine nachhaltige Nutzung der Krankenhauszukunftsfonds sichergestellt werden kann. Hat Deutschland bereits das beste Gesundheitssystem der Welt? Dieser verbreiteten These widersprach Prof. Dr. Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Essen, in der Diskussion. Denn „Deutschland hat die Digitalisierung über Jahrzehnte unfassbar vernachlässigt“, so Werner.

Wie sehr die Digitalisierung in den Krankenhäusern vernachlässigt wurde, machte Prof. Thun deutlich. Sie stellte den durch das Konsortium Digitalradar erhobenen digitalen Reifegrad der deutschen Krankenhäuser vor. „Durchschnittlich haben die deutschen Krankenhäuser 33,25 Punkte von 100 erreicht, was nicht viel ist. Wir haben es aber auch nicht anders erwartet“, so Thun. Der niedrigste Wert lag bei 3,27 Punkten, der höchste bei 63,87. Einen deutlichen Nachholbedarf gäbe es in den Dimensionen der klinischen Prozesse, des Informationsaustauschs, der Telehealth und der Patient:innenpartizipation. „Alles was digital mit Patient:innen zu tun hat, das können wir in Deutschland nicht“, erläuterte sie. Positiv sei jedoch, dass bei vielen Krankenhäusern die Basis hinsichtlich der Strukturen und System für Interoperabilität und strukturierte Datenwiedergabe auf dem richtigen Weg sei – und beides ist laut Thun ausschlaggebend für die erfolgreiche, weitere Digitalisierung der Krankenhäuser.

Markus Holzbrecher-Morys, Geschäftsführer IT, Datenaustausch und eHealth der Deutschen Krankenhausgesellschaft, zeigte sich zu den Ergebnissen wenig überrascht. „Der Weg, auf dem sich Krankenhäuser gemacht haben, ist lang – länger als bis 2025“, vermutete er. Wichtig sei es daher sicherzustellen, dass die Betriebskosten auch nach 2025 weiterhin gefördert werden. Er spricht sich zudem gegen Verordnungen, Fristen und Sanktionen als Motivation zur Umsetzung der Digitalisierung aus. Vielmehr solle der Fokus darauf liegen, Patient:innen und Krankenhausmitarbeiter:innen von den Potenzialen der Digitalisierung zu überzeugen.

Dass insbesondere Patient:innen noch mehr in den Vordergrund gerückt werden müssen, betonte auch Prof. Dr. Jochen A. Werner: „Wir müssen die Patient:innen öfter fragen, da reicht nicht der Entlassungszettel“. Durch Gespräche hätten sie am Universitätsklinikum Essen viele neue Impulse für ihre Digitalisierungsstrategie gewonnen. „Da kann man sehr schnell Erfolge erzielen“, zeigte sich Prof. Werner überzeugt.

 

 

Prof. Dr. Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Essen: „Deutschland hat die Digitalisierung über Jahrzehnte unfassbar vernachlässigt.“

 

Prof. Dr. Sylvia Thun, Direktorin der Core-Unit „eHealth und Interoperabilität“ am Berliner Institut für Gesundheitsforschung: „Alles was digital mit Patient:innen zu tun hat, das können wir in Deutschland nicht.“




Markus Holzbrecher-Morys, Geschäftsführer IT, Datenaustausch und eHealth der Deutschen Krankenhausgesellschaft: „Der Weg, auf dem sich Krankenhäuser gemacht haben, ist lang – länger als bis 2025.“



Autor: Wolf-Dietrich Lorenz
Foto: Adobe Stock / AndSus


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