Homeoffice für die IT-Abteilungen – Lehren aus der Krise

KH-IT

Veröffentlicht 29.06.2020 09:00

Nach Beginn der Corona-Krise war das Stichwort „Homeoffice“ ganz schnell in aller Munde. Glaubt man einschlägigen Medienberichten, dann wechselten im April etwa ein Drittel der Beschäftigten in Deutschland ins Homeoffice. Diese Virtualisierung der Arbeitswelt bringt natürlich auch immense Herausforderungen für die IT mit sich. Gerade in chronisch unterfinanzierten Bereichen wie der Krankenhaus-IT ist eine solche Umstellung innerhalb weniger Tage bis Wochen nur sehr schwierig zu realisieren, ganz zu schweigen von der Umsetzung der nach wie vor gültigen Daten- und Arbeitsschutzvoraussetzungen.

In diesem Artikel soll es aber weniger um diese Thematik gehen, sondern vielmehr um die Frage, welchen Stellenwert das Homeoffice für die IT-Abteilungen selbst hat. Wie geht die Krankenhaus-IT für sich selbst mit diesem Thema um? Zunächst einmal lässt sich sicherlich feststellen, dass wohl die meisten Kollegen aus der Krankenhaus-IT in der einen oder anderen Form schon seit vielen Jahren gewohnt sind, auch von zu Hause aus zu arbeiten. Der Beruf bringt es so mit sich, dass Tätigkeiten teilweise zu unchristlichen Zeiten, am Abend, in der Nacht, am Wochenende erbracht werden müssen. Da ist es nicht immer wirtschaftlich und sinnvoll, dass der betroffene Mitarbeiter dafür ins Büro fährt, umso mehr, wenn er zuvor schon seinen regulären täglichen Dienst vor Ort geleistet hatte. Im Rufbereitschaftsdienst ist es sogar regelhaft in praktisch allen Krankenhäusern so, dass IT-Dienstleistungen wenn möglich remote erbracht werden. Schon zu Zeiten, als das Wort Homeoffice sich noch gar nicht in der Breite durchgesetzt
hatte, wurde das pragmatischerweise so gelebt.

Gewohntes über Bord werfen

Die Zeiten haben sich seither und auch schon lange vor Corona geändert, und es gab immer mehr Mitarbeiter auch aus anderen Bereichen, vor allem der Verwaltung, später auch in der Medizin, die teilweise Tätigkeiten von außerhalb des Unternehmens geleistet haben. Das führte dann in den Köpfen der Entscheidungsträger zu der Einsicht, dass auch der Arbeitsplatz fern des Unternehmens geregelt werden muss. Die bis dahin vorhandenen Regelungen für IT-Mitarbeiter waren eher informaler Natur. Man ging implizit davon aus,
dass der IT-Mitarbeiter umfassende Rechte braucht und zu Hause sowieso über das notwendige Equipment und Internetanschluss verfügt. Erst in den letzten Jahren sind dann formalisierte interne Dienstvereinbarungen und Checklisten entstanden, um Heimarbeitsplätze definieren und genehmigen zu können. In manchen Krankenhäusern ist das bis heute noch nicht konsequent umgesetzt.
In der Corona-Krise wurde, wir haben das alle am eigenen Leib erlebt, schnell ganz vieles anders und Gewohntes über Bord geworfen. War man bisher gewohnt, dass die Geschäftsführung gern die IT-Fachkräfte nach Möglichkeit vor Ort versammelt haben wollte, damit die Feuerwehr in Sachen IT jederzeit schlagkräftig einsatzbereit sein konnte, kehrten sich nun plötzlich manche Rahmenbedingungen regelrecht um.

Was wäre, wenn plötzlich der Corona-Virus unter den ITMitarbeitern grassieren würde und diese reihenweise ausfielen, entweder tatsächlich krank und in vorbeugender Quarantäne?
Ein Fall in der IT-Abteilung genügt möglicherweise, und man kann die gesamte IT-Belegschaft nach Hause schicken. Das nun aber funktioniert natürlich nicht, denn gewisse Dienstleistungen müssen vor Ort erbracht werden. Einen Drucker aufzustellen und zu konfigurieren oder ein Netzwerk zu patchen macht sich nun einmal aus dem Homeoffice ziemlich schlecht. So hat auch hier die Analyse begonnen: Wen brauche ich denn zu was vor Ort, und wer arbeitet besser zu Hause?


Aufgaben zunehmend aus der Ferne lösen


Wie in der Corona-Krise allgemein üblich, hat sich zunächst jeder schnell seinen individuellen Weg gesucht. Als eine Art Best Practice hat sich jedoch abgezeichnet, die Mitarbeiter so geschickt zwischen Präsenzdiensten im Krankenhaus und Homeofficekollegen zu verteilen, dass einerseits immer genug Manpower für notwendige Aufgaben vor Ort vorhanden ist, andererseits aber der andere Teil von zu Hause arbeiten kann, um Infektionsrisiken zu entgehen. Im Idealfall kann man dieses System sogar rotierend einführen, so dass der Großteil der Mitarbeiter abwechselnd wochenweise zu Hause und dann wieder vor Ort eingesetzt wird.

Generell ist es in der IT schon seit Jahren so, dass sich Aufgaben immer mehr aus der Ferne lösen lassen. Das ist auch unabdingbar, weil es in früheren Zeiten im Verhältnis zu den vorhandenen Personalressourcen viel zu lange gedauert hatte, Mitarbeiter vor Ort zum Anwender zu schicken, umso mehr nach der Konsolidierungswelle mit der Gründung von Gesundheitsverbünden mit teilweise erheblichen Fahrstrecken und -zeiten zwischen den einzelnen Standorten. Der Trend geht tatsächlich zunehmend in die Richtung, dass nur noch mit Hardware vor Ort zusammenhängende Dienstleistungen, das sind in der Regel die Clients und das Netzwerk, nicht remote erbracht werden. Die Fülle der Aufgaben ließe sich anders gar nicht mehr bewältigen. Es scheint auch über die Jahre ein gewisser Gewöhnungseffekt bei den Anwendern daran eingetreten zu sein. Hörte man in der Vergangenheit am Hotlinetelefon erst einmal den verzweifelten Ruf „Da muss sofort jemand vorbei kommen. Hier geht gar nichts mehr“, sehen das
auch die Betroffenen Kräfte in der Medizin inzwischen anders. Der zugehörige Spruch bei der Hotline heißt mittlerweile eher „Ich hab da ein Problem, können Sie sich man kurz aufschalten?“ Zumindest bis vor der Coronakrise konnte man aber beobachten, dass trotzdem die Mitarbeiter fast ausschließlich im Krankenhaus arbeiteten und nicht im Homeoffice, obwohl intern kolportiert wurde, das meiste könne man eigentlich auch von irgendwo her machen. Wäre es also nicht die logische Konsequenz, wenn zukünftig regelmäßig die halbe Belegschaft in der IT im Homeoffice arbeiten würde? Ein Frage, die sich als
Lehre aus der Krise ja übrigens allgemein im Arbeitsmarkt stellt.

Es könnten so immerhin viele Reisezeiten gespart und der vielbeschworene Verkehrskollaps auf unseren Straßen verhindert werden. Ob es allerdings dazu kommen wird, das kann wohl im Moment noch niemand voraussagen. Nicht zu unterschätzen sind nämlich auch andere Faktoren wie der doch einfachere schnelle Austausch mit den Kollegen im Großraumbüro, der soziale Aspekt der Arbeit für den Menschen und die Schwierigkeiten im Homeoffice, wenn sich rund um den Schreibtisch und das Arbeitszimmer die gesamte restliche Familie bewegt. Es sind auf jeden Fall neue Konzepte gefragt, und Corona sollte im eigentlichen Wortsinn „Krise“ auch als Chance verstanden werden, Dinge in Zukunft anders und besser zu machen.

Horst-Dieter Beha

Horst-Dieter Beha, Vorsitzender KH-IT-Leiterverband

Quelle: Aus der Printausgabe des Krankenhaus-IT Journals 03/2020