Nutzen stiften mit der Digitalisierung

KH-IT-Herbsttagung 2020 online

Veröffentlicht 06.09.2020 16:40

„Anwenderperspektiven & Neuentwicklungen“ lautet das Motto der interaktiven Online-KH-IT-Herbsttagung am 16. und 17.09.2020. die Arbeitsweise in der IT der Krankenhäuser wird sich ändern müssen. Wie das aussehen kann, skizziert Bernhard Calmer. Die „Datenautobahn des Gesundheitswesens“ gehört dazu oder auch semantische Interoperabilität. Im Interview spricht der Geschäftsführer CGM Clinical Europe GmbH  über Grundvoraussetzungen,  sektorenübergreifende  Digitalisierungslösungen und Nutzen der digitalen Transformation.

Das Gesundheitswesen wird – nicht zuletzt durch die COVID-19-Krise – immer digitaler, ambulanter und vernetzter. Welche Rahmenbedingungen sind vor allem nötig, um die Potenziale der Digitalisierung in Krankenhäusern stärker nutzen zu können?

Bernhard Calmer: Die Grundvoraussetzung sind die notwendigen Investitionsmittel. Das BMG hat im Rahmen des Covid-19 Konjunkturpaketes für einen Paukenschlag gesorgt mit der Bereitstellung von 3 Milliarden Euro zzgl. der Mittel, die seitens der Kommunen bzw. der Träger zu investieren sind,  um die Mittel zu erhalten. Nun gilt es vor allem für eine sinnvolle Verteilung zu sorgen, denn stellen wir uns einmal vor, jedes Krankenhaus würde „mit der Gießkanne“ die gleichen Mittel erhalten, so wären das bei ca. 2.000 Krankenhäusern grade einmal 1,5 Millionen – das wäre ein OP- Roboter oder ähnliches.

Die zweite wichtige Voraussetzung ist die Telematik-Infrastruktur und die ePA. Wir brauchen einen standardisierten Austausch der Daten – nun wird die „Datenautobahn des Gesundheitswesens“ nach vielen Jahren hoffentlich endlich Wirklichkeit.

Das Dritte ist die semantische Interoperabilität, das heisst, wir dürfen nicht stehen bleiben bei Pseudodaten (PDF),  sondern müssen zügig das Thema der Semantik angehen und lösen.

Welche klinikinternen sowie sektorenübergreifenden Digitalisierungslösungen können vor allem zur digitalen Transformation beitragen?

Bernhard Calmer: Viele Krankenhäuser in Deutschland verfügen über IT nur in der Verwaltung und der Administration von Patientendaten – Leistungsbeauftragung und Dokumentation. Eine zentrale Stelle ist die Fieberkurve und die Medikation. Erst wenn diese Module flächendeckend und integriert zur Verfügung stehen, kommt die Digitalisierung auch bei der Pflege und den Ärzten wirklich an. Und das ist es, was wir ja wollen – Nutzen stiften mit der Digitalisierung und nicht weitere „Dokumentation“ auf die medizinischen Berufe zu verteilen.

Der zweite wichtige Schritt ist der digitale Austausch des Arztbriefes – statt Fax: weiterverwertbar für die IT in den vor- und nachgelagerten Sektoren,  sowohl was die Arztpraxen als auch die Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen angeht. Hier lässt sich der potentielle Nutzen derzeit nur erahnen.

Wie ist bei der digitalen Transformation der Anspruch zu verwirklichen: „Die IT muss sich dem Nutzer anpassen, nicht umgekehrt"?

Bernhard Calmer: Wir haben uns dieser Frage innerhalb des bvitg in Zusammenarbeit mit dem Marburger Bund intensiv gestellt. Herausgekommen ist checkIT, eine Befragung der Mediziner in Krankenhäusern zu dem 3-Sprung:1: Hast du IT? 2: Nimmst du sie her? 3: Was müsste passieren, damit sie mehr Nutzen stiftet?  Die Nutzenstiftung als zentrales Element der Befragung gibt uns interessante Einblicke in die Wahrnehmung der Nutzer vor Ort. Eines können wir aber auch nicht wirklich ändern: Durch die Arbeitsteilung und die vielfältigsten Prozesse in den Krankenhäusern ist es manchmal so: „Wer die Arbeit hat, hat nicht unbedingt das Vergnügen“ – sprich, bei der Anamnese muss viel in der IT erfasst werden – und der Nutzen daraus entsteht an anderer Stelle…

Was wollen Sie als Referent den Verantwortlichen aus Krankenhäusern auf der KH-IT-Herbsttagung vor allem mitgeben?

Bernhard Calmer: Mein Vortrag versucht unter dem Titel „heute ist morgen schon gestern“ den IT Verantwortlichen aufzuzeigen, dass wir gemeinsam die Arbeitsweise in der IT der Krankenhäuser ändern müssen. Wir können nicht  (mehr) einen Schritt nach dem anderen machen, z.B. erst einmal die IT-Sicherheit herstellen, dann die Geräte auf den neuesten Stand bringen, dann Software einführen und später mal mobile Devices... Wir müssen, um wirklich digital werden können, vieles gleichzeitig angehen, in agilen Strukturen und Projekten denken und handeln. Dabei gilt es ständig zu überlegen, was kann, muss, will oder darf ich morgen noch selber machen – wo können mir andere helfen.

 



KH-IT-Herbsttagung 2020: Themen und Referenten

Eröffnung und Begrüßung
Horst-Dieter Beha, Vorsitzender KH-IT e.V.
Freddy Bergmann, Kaufmännischer Geschäftsführer der Universitätsmedizin Mannheim

Einführung in die Agenda
Prof.’in Dr. Anke Simon, Beirätin KH-IT e.V.
Lars Forchheim, Vorstand KH-IT e.V.

Innovation und Technologie
Walid Sbaih, Operativer Leiter der Innovation und Technologie Rhein Neckar MA und LU GmbH

Klinikärzte setzen große Hoffnung in Digitalisierung. Anwenderzufriedenheit und Usability
Priv. Doz. Dr. Peter Bobbert, Leiter AG Digitalisierung Marburger Bund

Pflegeperspektive: Prozesse und Patienten im Blick
Ass.-Prof. Dr. Werner Hackl, UMIT

Digitale Transformation – Chancen und Erwartungen von Patienten
Marcel Weigand, Leiter Kooperationen und digitale Transformation UPD Patientenberatung Deutschland gGmbH

Heute ist morgen schon gestern – wie die IT war, ist und werden könnte
Bernhard Calmer, CGM, BVITG

Von Megatrends und Projekten – Was ist heute schon Realität!
Claudia Möller, Leiterin Zentraler Dienst FuE & Innovationsmanagement

KI, Plattformökonomie, Datenbereitstellung und Patientenakten - wie sich Versorgung verändert - aus Sicht einer großen Krankenkasse
Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung BW

Health Data Office der Zukunft
Jürgen Bosk, DMI

Mehrwert und Nutzen digitaler Pflegedokumentation am Beispiel von IDA.Care
Dr. Anne Wichels-Schnieber, Geschäftsführerin und Jasmin Greskötter, Leitung Projektmanagement & Projektentwicklung, KDD Digital Healthcare GmbH


Aktuelle Stunde – TI / MDR / UPKRITIS
Fokus: Telematik Infrastruktur, Prof. Martin Staemmler, Beirat KH-IT e.V.
Fokus: Medizintechnik, Ulrich Wieland, Beirat KH-IT e.V.
Fokus: Informationssicherheit, Thorsten Schütz, Vorstand KH-IT e.V.


Ausblick auf die Frühjahrstagung 2021
Jürgen Flemming, Vorstand KH-IT e.V.

In den Pausen: Fragen und Antworten im Chat

Begleitend zu den Vorträgen: Im Gespräch mit der Industrie - Mit den Industrieausstellern im virtuellen Raum


Ansprechpartner KH-IT-Herbsttagung 2020
•    Ansprechpartner/Ansprechpartnerin Agenda: Lars Forchheim / Prof.in Dr. Anke Simon, Bundesverband KH-IT e.V., forchheim@kh-it.de / simon@kh-it.de
•    Ansprechpartner Organisation: Günter Gartner KH-IT e.V., gartner@kh-it.de



KH-IT- Profil
Der Bundesverband der Krankenhaus-IT-Leiterinnen/Leiter e.V. kurz KH-IT ist der führende Berufsverband der Krankenhaus-IT-Führungskräfte. Der KH-IT steht allen leitenden und/oder verantwortlichen Mitarbeitern der Krankenhaus-IT offen.
www.kh-it.de


Foto: Bernhard Calmer, Geschäftsführer CGM Clinical Europe GmbH

Text: Wolf-Dietrich Lorenz