Software-Abonnements sind Wegbereiter für IT-Innovationen im Gesundheitswesen

SaaS

Veröffentlicht 04.09.2020 02:20

Um die Effizienzpotentiale der IT von Krankenhäusern, MVZs und niedergelassenen Praxen zu steigern, bietet sich der Rückgriff auf Software-as-a-Service-Modelle (SaaS) an. Sie ermöglichen eine einfache Modernisierung des Gesundheitswesens. Dadurch können Ärzte und Pflegepersonal effizient und flexibel arbeiten. Aktuell steht der neuen Technologie das Krankenhausfinanzierungsgesetz im Weg.

Mit der fortschreitenden Digitalisierung ergeben sich neue technische Möglichkeiten, die Krankenhäusern, Praxen und MVZs dabei helfen, ihre Prozesse zu modernisieren und diese effizienter und flexibler zu gestalten. Durch SaaS-Lösungen ist es nun leichter, ohne große Vorabinvestitionen die Vorteile neuer digitaler Lösungen schnell und einfach einzuführen. Sie sind skalierbar und ermöglichen im Gegensatz zu einer einmaligen Kauflösung eine langfristige genaue Kostenplanung. Die Software läuft in der Cloud, was eine flexiblere Nutzung garantiert. Zusätzlich bieten kontinuierliche Updates der SaaS-Lösungen aus kaufmännischer, sicherheitstechnischer und Anwendersicht weitere Vorteile. In Deutschland haben sich die Services u.a. aufgrund der aktuellen Förderung von Investitionen durch die Bundesländer jedoch noch nicht durchgesetzt.

Der Status Quo der Dualen Finanzierung braucht ein Update

Ein zentraler Faktor des Krankenhausfinanzierungsgesetzes,der die umfassende Nutzung von SaaS-Lösungen bremst, ist die sogenannte „duale Finanzierung“. In Deutschland werden Betriebskosten der Krankenhäuser von den Krankenkassen finanziert. Dies schließt alle Kosten ein, die durch die Behandlung von Patienten entstehen. Aber auch Softwarepflege und SaaS-Verträge stellen Betriebskosten dar. Der Kauf von Software hingegen ist Teil der Investitionskosten – und diese werden von den Bundesländern getragen.
Der Status Quo der Investitionsförderung ermöglicht es CIOs im Gesundheitswesen nicht, sich frei für die effizienteste Lösung für ihre Institution zu entscheiden. Vielmehr führt die bestehende Richtlinie dazu, dass IT-Entscheider pauschal auf den Kauf von Software zurückgreifen. Dabei bieten SaaS-Lösungen in Hinblick auf Kosteneffizienz, Verfügbarkeit, Einfachheit in der Administration oder dem Nutzerverhalten eine vorteilhafte Alternative. So können durch ein SaaS-Modell beispielsweise IT-Kosten mit jeder Monatsrechnung den entsprechenden Abteilungen und Nutzern zugeordnet werden. Normalerweise werden diese häufig von der IT-Abteilung an die einzelnen Krankenhausabteilungen weiterbelastet, was einen bürokratischen und umständlichen Prozess darstellt. Neben diesem kaufmännischen Vorteil ergibt sich auch ein strategischer: Die Modernisierung der IT-Abteilung wird beschleunigt. Erfolgt der Betrieb von Lösungen extern, stehen hochqualifizierte IT-Mitarbeiter für anspruchsvollere Tätigkeiten zur Verfügung und unterstützen so die voranschreitende Digitalisierung. Im Krankenhaus entsteht dadurch ein modernes Arbeitsumfeld für alle Mitarbeiter. Eine Gleichstellung von Kauf- und Abonnement-Lösungen bei der Investitionsförderung wäre daher von Vorteil für alle Beteiligten.

Erfolgsgeschichten aus den USA

In den USA werden SaaS-Lösungen im Gesundheitssektor bereits großflächig genutzt. Im Rahmen einer aktuellen HIMSS Studie gaben acht von zehn US-Krankenhäusern an, dass die Cloud-Technologien eine „strategische Priorität“ für das kommende Jahr darstellen. 39 Prozent der Workloads in der IT des Gesundheitssektors finden laut den Befragten in der Cloud statt. Sie schätzen, dass dieser Prozentsatz innerhalb der nächsten zwölf Monate auf gut 50 Prozent steigt.
Einen Überblick über die vielfältigen Nutzungsweisen von SaaS-Lösungen gibt eine Umfrage unter den Mitgliedern der Fachgesellschaft College of Health Information Management Executives (CHIME). Die befragten CIOs gaben an, dass alle ihre Organisationen SaaS-Modelle bereits heute im Einsatz haben. 56 Prozent nutzen diese vor allem bei Patientenportalen. 45 Prozent greifen für Telemedizin, 42 Prozent für mobile Kommunikation auf die Technologie zurück. Vorteile sehen die Befragten zu 71 Prozent bei den geringeren IT-Kosten, zu 62 Prozent bei erleichterten Upgrades und 59 Prozent schätzen den einfacheren Zugang zur Technik. 50 Prozent erwähnen außerdem die Möglichkeit zur genaueren Kostenplanung, 48 Prozent führen die bessere Datenwiederherstellung im Notfall an.

Total Cost of Ownership: Weitblick zahlt sich aus

Bei der Entscheidung für IT-Lösungen gilt es, die Gesamtkosten, den Nutzen und das Risiko der Investition zu bewerten. Ein Beispiel für eine solche Entscheidung kann im Kontext von Spracherkennungslösungen gezeigt werden. Krankenhäuser setzen diese bisher als lokale Netzwerklösungen ein. Dabei bietet Spracherkennung aus der Cloud zusätzliche Vorteile.
Softwarelizenzen, Hardwarebeschaffung, Implementierung und Updates im laufenden Betrieb – der finanzielle und personelle Investitionsaufwand zum Aufsetzen einer sprachbasierten Infrastruktur für die medizinische Dokumentation ist zunächst hoch. Die Bereitstellung aus der Cloud erfolgt hingegen in einem Pay-Per-Use-Modell. Damit entfallen hohe Vorabinvestments, der Workload der IT-Abteilung wird deutlich reduziert und das System ist aufgrund zentraler Updates stets auf dem neuesten Stand. Auch beim Nutzermanagement unterstützt die Software: Die Nachfrage bestimmt den Umfang der Nutzung. So können Arbeitsumgebungen flexibel und anwenderfreundlich zur Verfügung gestellt werden.

SaaS als Innovationstreiber

Die Beispiele aus den USA zeigen: SaaS-Lösungen aus der Cloud können den Gesundheitssektor bei der Digitalisierung unterstützen und bringen zahlreiche weitere Vorteile mit sich. In Deutschland sollten Kliniken, die sich für SaaS-Modelle entscheiden, nicht mehr länger finanziell benachteiligt werden. Jede Einrichtung benötigt eine Lösung, die an die vorliegenden Anforderungen angepasst ist. Die Förderung der Länder sollte daher nicht nur den Kauf, sondern auch Abonnement-Lösungen einschließen. So können Entscheider im Gesundheitswesen ihre IT-Infrastruktur exakt auf den Bedarf der jeweiligen Institution anpassen. Nuance Communications ist mit Dragon Medical ein etablierter Anbieter von Spracherkennungslösungen im Gesundheitswesen. Mit Dragon Medical One wird nun in Deutschland die Lösung als Software-Abonnement bereitgestellt und von Microsoft auf deutschen Azure Servern gehostet.

Autor: Martin Eberhart, General Manager Healthcare DACH von Nuance Communications

Foto: pixabay/Tayeb MEZAHDIA


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