Abgeschlossenes NRW-Förderprojekt zeigt: Elektronische Fallakte verbessert intersektorale Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen Behandlern

eFa

Veröffentlicht 04.11.2020 13:50

Die Weiterentwicklung der Elektronischen Fallakte war zentraler Bestandteil von I/E-Health NRW, das mit Fördermitteln des Landes und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) interdisziplinäre E-Health-Dienste für die Gesundheitswirtschaft in Nordrhein-Westfalen entwickelt und vorangebracht hat. Die Elektronische Fallakte wird, anders als die patientengeführte Elektronische Patientenakte (ePA), von den Ärzten und Therapeuten gepflegt. Die EFA kann noch im Beisein des Patienten angelegt werden („Instant use“). Sie nimmt beispielsweise Befunde, OP-Berichte, Entlassbriefe oder Therapiepläne auf und bietet Hausärzten, Fachärzten, Krankenhausärzten, Therapeuten sowie Pflegern neue Möglichkeiten für eine verbesserte intersektorale und interprofessionelle Kommunikation und Zusammenarbeit. Die Pilotphase mit ausgewählten Versorgungsszenarien fand zwischen November 2019 und Juni 2020 in Borken/Ahaus mit der Demenz-Akte, in Münster/Kreis Warendorf mit der Geriatrie-Akte, in Dortmund mit der Pädiatrie-Akte sowie in Düren/Aachen mit der Notfall-/Pflege- und der Onkologie-Akte statt.
„Die Elektronische Fallakte gibt den Behandelnden gesicherte Informationen zu vorangegangener Diagnostik und Therapie an die Hand. EFA und ePA sind zwei Akten, die sich gut ergänzen“, führt Dr. Georg Diedrich, stellvertretender Vorsitzender von Digital Healthcare NRW und Leiter des Geschäftsbereichs IT bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, aus.
Mehrstufige Sicherheitsarchitektur – juristisch geprüftes Datenschutzkonzept
Die Elektronische Fallakte als Kommunikationsplattform ist auf alle Behandlungsabläufe – einfache wie komplexe – ausgerichtet, die eine enge
2/3
Kooperation von Ärzten über Einrichtungs- und Sektorengrenzen hinweg erfordern. Der Patient bestimmt selbst, welche Einrichtungen und an der Behandlung beteiligten Ärzte und Therapeuten auf seine EFA zugreifen dürfen. Er kann darauf vertrauen, dass diese alle relevanten Informationen zu seinem persönlichen Behandlungsfall untereinander vertraulich austauschen. Die EFA-Plattform überprüft und protokolliert, wer wann auf die Daten zugegriffen hat. Der Patient erhält mit dem Offline-Token als Alternativ-Zugriffsmöglichkeit, beispielsweise bei Notfällen, einen Zugangsschlüssel – einen Barcode, den er dem Arzt oder Therapeuten übergeben kann.
Die EFA entspricht höchsten Sicherheits- und Datenschutzstandards und erfüllt den Standard IHE (Integrating the Healthcare Enterprise). Zentrales Element der EFA-2.0-Spezifikation ist ihre mehrstufige Sicherheitsarchitektur. Die Zugänge zur EFA-Plattform sind nach aktuellem Stand der Technik verschlüsselt. Das Datenschutzkonzept wurde juristisch geprüft und dem Landesbeauftragten für Datenschutz vorgelegt.
Am Projekt beteiligte Behandler können dank implementierter Schnittstelle im I/E-Health-NRW-Projekt direkt aus Krankenhausinformationssystemen (KIS), Praxisverwaltungssystemen (PVS) oder, wo es keine Schnittstelle gibt, über ein webbasiertes Portal auf die EFA zugreifen.
Projektkoordinator stellt EFA-Film kostenfrei zur Verfügung
Zum Förderende entstand nun ein Film, der Hausärzten, Fachärzten, Krankenhäusern, Therapeuten sowie Pflegern einen guten Überblick über erste Erfahrungen mit der Elektronischen Fallakte bietet. Zahlreiche Behandler und Patienten aus der Pilotphase kommen hier zu Wort. Prof. Dr. med. Dominik Schneider, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Westfälisches Kinderzentrum, Klinikum Dortmund, des größten kommunalen Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen, stellt darin den Status quo dar: „Es ist widersinnig, dass wir eine digitale Akte in der Klinik führen, dann drucken wir alles aus, schicken es mit der Post, und dann wird es in ein digitales Praxis-EDV-System überführt, möglicherweise durch Einscannen.“ Das Dilemma löst die EFA, wie Hausarzt Dr. Bernd Balloff aus Legden ausführt: „Der Vorteil liegt klar auf der Hand: Die aktuelle Situation ist, dass der Patient die Informationen mitbringt oder dass wir auf Arztbriefe aus dem Krankenhaus warten. Und mit der Fallakte haben wir die Möglichkeit, die Befunde direkt einzusehen.“ Privatdozent Dr. med. Michael Flaßhove, Chefarzt am Krankenhaus Düren, betont vor allem die Zeitersparnis durch die EFA und die daraus resultierende zusätzliche Zeit für den Patienten. Dr. med. Martin W. Baumgärtel, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I, St. Franziskus-Hospital Münster, schätzt die EFA, da sie „insgesamt die Behandlungsqualität“ erhöhe.
3/3
Der Film steht frei zugänglich unter https://ie-health.nrw/video.html zum Abruf bereit. Auf Wunsch stellt der Projektkoordinator Digital Healthcare ihn kostenfrei in zwei Längen zur Einbindung auf die eigenen Kanäle wie Webseite oder Sozialen Medien zur Verfügung.
Digital Healthcare NRW e. V. (Projektkoordination I/E-Health NRW): Digital Healthcare NRW e. V. wurde von der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen e. V., der Healthcare IT Solutions GmbH der Uniklinik Aachen und den Kassenärztlichen Vereinigungen Westfalen-Lippe und Nordrhein initiiert. Digital Healthcare NRW e. V. ist Konsortialführer des Projektes I/E-Health NRW. Das Verbundvorhaben „I/E-Health NRW – Hand in Hand bestens versorgt“ ist ein Siegerprojekt des Leitmarktwettbewerbs Gesundheit.NRW, welches vom 01. September 2016 bis 30. Juni 2020 mit Mitteln des Landes und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert wurde.

Quelle: I/E-Health NRW


Lesen Sie mehr zum Thema "Digitalisierung"

Neuer Vorstand bei Hashtag Gesundheit
Digitalisierung
#Gesundheit

Lesen Sie hier die neuesten Beiträge