Herzrhythmusstörungen: Wie intelligente Navigationssoftware die Ärzte unterstützt

Software

Veröffentlicht 25.11.2020 18:00

Operationen sind nicht selten eine komplexe Angelegenheit. Hier sind höchste Präzision und Qualität wichtig, schließlich geht es oft um nicht weniger als Menschenleben.

Bei der Optimierung von Prozessen während der Behandlung heißt eines der Zauberwörter mittlerweile „Standardisierung“. Das heißt, dass unabhängig vom behandelnden Arzt eine Operation immer nahezu gleich abläuft. Und somit in vergleichbar guter Qualität.

Ganz konkret funktioniert eine solche Standardisierung derzeit schon bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen im Herzkatheterlabor (HKL) des RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt. Hier setzen Professor Dr. Thomas Deneke, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, und seine Kollegen auf das, was sich „innovative medizinische Prozessnavigation“ nennt.

Dank eines modernen Computer-Programms des Anbieters Surgical Process Institute (SPI) ist es den Herzspezialisten hier möglich, die häufig sehr komplexen Abläufe im Katheterlabor zu standardisieren. „Das sind zwischen 30 und 50 Unter-Schritte pro OP“, sagt Professor Deneke im Gespräch mit dem RHÖN-Gesundheitsblog. Als Ärzte werden er und seine Kollegen während den Untersuchungen dann durch die Software so unterstützt, dass die unterschiedlichen Prozedur-Schritte optimal ineinandergreifen.

Bei SPI, sagt der Experte, handele es sich um ein computerbasiertes Rezept für die sogenannte Katheterablation, also die operative Verödung krankhafter Bereiche im Herzmuskelgewebe. Der Arzt kann so Schritt für Schritt durch die Prozedur geführt werden, was vor allem auch in der Lernphase solcher komplexer Prozeduren hilfreich sein kann. So können sich junge Kollegen bereits im Vorfeld in diese Operationen einarbeiten, sagt Professor Deneke, und werden durch das System optimal auch auf diese Prozeduren vorbereitet. Hier hilft das Computer-System, indem es wie ein Navigationssystem durch auch komplexeste Prozeduren führen kann.

Die Frage, die er und sein Team, und auch der Softwareanbieter SPI sich während der Weiterentwicklung der Software permanent stellen: „Ist die Organisation des OP-Ablaufs ideal?“

Fakt ist: Wenn jeder Operateur auf seine Weise operiert, gibt es eine große Spannbreite an möglichen Fehlerquellen. Standardisierung heißt dann, dass jeder Arzt die gleichen Katheter in der gleichen Weise benutzt. Ganz nebenbei ist so die Prozedur sehr genau nachvollziehbar, auch im Nachhinein.

Diese am RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt praktizierte Standardisierung bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen ist in Deutschland derzeit einzigartig. Jeder Schritt – vom Check der Einverständniserklärung des Patienten bis zum Anlegen des Druckverbands – kann standardisiert ablaufen. Während der Operation kann der Operateur das Programm über ein Fußpedal oder einen Touchscreen steuern und optimieren.

Zusätzlich wird der gesamte Prozess inklusive aller nötigen Instrumente auf mehreren Bildschirmen im Labor angezeigt sowie dokumentiert – und fließt so automatisch in den OP-Report ein.

Diese Kombination von menschlichem Wissen und standardisierter Technik führt schon jetzt zu einer noch besseren medizinischen Versorgungsqualität. Zudem können OP-Slots effizienter geplant werden, was für Patienten mögliche Wartezeiten reduziert.

Mittlerweile ist man beim „Fein-Tuning“ des Programms angekommen, sagt Professor Deneke. Wichtig ist ihm auch, klarzustellen, dass Standardisierung nicht bedeutet, dass die Medizin dahinter nicht individualisiert ist: Dass Therapien passgenau auf den einzelnen Patienten zugeschnitten werden, ist und bleibt extrem wichtig. Aber in dem Moment, in dem eine bestimmte Herzrhythmusstörung diagnostiziert worden ist, die einer Behandlung mit Kathetern bedarf, läuft ein standardisierter OP-Prozess dahinter ab. „Das verstehen wir unter einem sinnvollen standardisierten Ablauf mit höchster Qualität und Effizienz“, sagt Professor Deneke. Und dieser hat sich bewährt.

Quelle: Rhön Gesundheitsblog


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