Wie verändert die elektronische Patientenakte die Arbeit in Klinik und Praxis?

DGIM-Experten diskutieren über Herzstück des digitalen Gesundheitssystems

Veröffentlicht 25.03.2021 05:20, Dagmar Finlayson

Alle Behandlungsdaten sollen digital, geordnet und immer verfügbar sein: Das ist eines der Versprechen der elektronischen Patientenakte (ePA). Sie soll Ärztinnen und Ärzten in Kliniken und Praxen eine umfassende Auskunft geben über die Krankheits- und Therapiegeschichte ihrer Patienten und das Zeitalter von Papieren und Akten im Gesundheitswesen beenden. Doch die Einführung der ePA stellt Kliniken und Arztpraxen auch vor neue Herausforderungen: Interne Abläufe müssen angepasst, Computer und Konnektoren auf den neuesten Stand gebracht werden. Welche weiteren Herausforderungen es gibt und wie die ePA die Arbeit von Ärzten verändern wird, diskutieren Experten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) und Vertreter der gematik GmbH beim DGIMTalk. Die DGIMTalk Sendung „Was bringt die Einführung der elektronischen Patientenakte für Klinik und Praxis?“ findet am Montag, den 29. März 2021 statt und beginnt um 18 Uhr.

 Seit Beginn des Jahres können mehr als 73 Millionen gesetzlich Versicherte die elektronische Patientenakte (ePA) bei ihrer Krankenkasse beantragen. In der ePA können Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten oder Apotheker Daten zu Untersuchungen und Behandlungen digital speichern und abrufen. „Wenn Patienten erstmals oder mit einer Überweisung zu uns in die Klinik oder in eine neue Arztpraxis kommen, haben die Kolleginnen und Kollegen bislang nur einen sehr beschränkten Einblick in ihre Krankengeschichte“, sagt Professor Dr. med. Sebastian Schellong, Vorsitzender der DGIM. Hier könne die ePA sinnvoll Abhilfe schaffen, so der Chefarzt der zweiten Medizinischen Klinik am Städtischen Klinikum Dresden. Denn sie soll die Dokumentation erleichtern, Befunde und Untersuchungsergebnisse jederzeit auf einen Blick verfügbar machen sowie Ärztinnen und Ärzten ein umfangreiches Bild von der Krankheitsgeschichte ihrer Patienten vermitteln. „Wenn wir genau wissen, welche Untersuchungen der überweisende Arzt bereits durchgeführt hat und die Ergebnisse einsehen können, kann die die elektronische Patientenakte dazu beitragen, unnötige Mehrfachbehandlungen zu vermeiden“, sagt Schellong.

 Doch die Einführung der ePA ist für Arztpraxen und Kliniken auch mit einigen administrativen Aufwände verbunden. Die Computer, Praxisverwaltungssysteme und Konnektoren für den Datenaustausch müssen auf den neuesten Stand gebracht und die Anwender im Umgang damit geschult werden. „Wenn wir von digitaler Transformation sprechen, sollte das System auch intuitiv nutzbar sein. Das ist bislang leider noch nicht der Fall“, sagt Dr. Marcel Schorrlepp, Sprecher der DGIM-Arbeitsgruppe Hausärztliche Internisten aus Mainz. Wie die Handhabung im Regelbetrieb funktioniere, lasse sich derzeit allerdings noch nicht beurteilen, auch weil bislang kaum Nachfrage auf Seiten der Patienten bestehe, so der Mainzer Hausarzt.

 Ab 2022 sollen neben Untersuchungsdaten auch Medikamentenpläne, der Impfpass, das Kinderuntersuchungsheft, der Mutterpass oder auch das Zahnbonusheft in die ePA gespeichert werden. „Wir müssen abwarten, ob sich die Masse an Informationen auf der ePA dann noch praktisch handhaben lassen wird“, zeigt sich Schorrlepp skeptisch. Damit die digitale Akte für Ärzte in Praxen und Kliniken einen realen Mehrwert darstelle, müsse die Bedienung des Systems noch intuitiver gestaltet und der Support seitens der Anbieter verbessert werden, fordert der Experte „Nur dann kann die ePA unsere Arbeit tatsächlich erleichtern und einen wichtigen Schritt in Richtung eines digitalen Gesundheitssystems darstellen“, so Schorrlepp abschließend.

 

https://www.dgim.de/

Quelle Bild: Pixabay/mohamed_hassan


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