Health-IT-Talk untersucht DEMIS

IT-Talk

Veröffentlicht 10.05.2021 19:30, Dagmar Finlayson

Das Deutsche Elektronische Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz (DEMIS) wird vom Robert Koch-Institut (RKI), der gematik und Fraunhofer FOKUS mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) entwickelt. Es stellt eine Weiterentwicklung des existierenden Meldesystems für Infektionskrankheiten gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) dar. In der Veranstaltungsreihe Health-IT-Talk Berlin/Brandenburg im Mai 2021 wurden kritisch Hintergründe und Konzepte erörtert, der technische Aufbau und die Komponenten erläutert sowie ein Ausblick auf die Weiterentwicklung von DEMIS gegeben.

Die erste Ausbaustufe von Deutschen Elektronischen Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz (DEMIS) konnte während der COVID-19-Pandemie in Zusammenarbeit von RKI, BMG, der gematik und Fraunhofer FOKUS erfolgreich umgesetzt werden. Mittlerweile sind alle 430 Gesundheitsämter verpflichtend an DEMIS angebunden und über 420 Labore melden derzeit aktiv über DEMIS (insgesamt 95% der Labor-Gesamtzahl, 5% bedienen noch Faxgeräte). Durch die elektronische Meldung sollen die Informationen zu SARS-CoV-2-Infektionen schneller und vollständiger beim Gesundheitsamt vorliegen,  Infektionsschutzmaßnahmen können zeitnah eingeleitet werden, um weitere Infektionen zu verhindern.

Gleichzeitig sollen die Aufwände für das Absetzen der Meldung bei den Laboren und für die Verarbeitung der Meldung in den Gesundheitsämtern reduziert. Da die elektronische Meldung die Meldung per Fax ablöst, soll die Übertragung der personenbezogenen Daten sicherer werden. Durch die Verwendung von FHIR ist die Interoperabilität sichergestellt.

 

Abb: DEMIS

„Den Meldenden Ärztinnen und Ärzten, Laboren und anderen wird eine durchgängig elektronische Informationsverarbeitung ermöglicht“, meinte Referent Torsten Hoffmann, Product Owner DEMIS (gematik). Dadurch solle der Aufwand für die Meldenden und die zuständigen Behörden reduziert werden und Informationen zu auftretenden Infektionskrankheiten könnten künftig schneller bei den Verantwortlichen in den Gesundheitsämtern, den zuständigen Landesbehörden und am RKI vorliegen. „Alle Gesundheitsämter sind an DEMIS angebunden sind und sie benutzen es als Arbeitswerkzeuge,“ so Referentin Michaela Diercke, Leitung des Fachgebiets Surveillance - ÖGD-Kontaktstelle am Robert Koch-Institut. Zur Frage nach oftmals unvollständigen, nicht zeitnahen Angaben zu aktuellen SARS-CoV-2-Infektionen (gerade über das Wochenende) meinte die RKI-Expertin: „Am Wochenende werden weniger Proben genommen, verschickt und untersucht.“ Das sei ein ganz normaler organisatorischer Prozess. „Die Gesundheitsämter arbeiten alle am Wochenende, allerdings mit begrenztem Dienst.“ Verschiedene SW-Produkte seien im Einsatz, dennoch gebe es keine Anbindungsschwierigkeiten sowie keine technische Hürden.

 

Abb: Systemüberblick

Die Labore können die Informationen, die elektronisch in ihren Laborinformationssystemen vorliegen, an den DEMIS-Adapter senden, der die Inhalte in das von DEMIS genutzte HL7-FHIR-Format übersetzt. Nach Übernahme der Meldungen durch den DEMIS-Adapter werden die Meldungen im zentralen System validiert. Es wird automatisiert bestimmt, an welches Gesundheitsamt die Meldung zugestellt werden soll, die Daten werden für das zuständige Gesundheitsamt verschlüsselt. Das Gesundheitsamt kann mit seiner Meldesoftware die für das Gesundheitsamt verschlüsselten Meldungen abrufen, prüfen und weiter bearbeiten.

Nutzer scheinen skeptisch über Daten in den DEMIS-Meldungen (von den Laboren kommend).  Es gebe z. B. keine eindeutige Kennung für Personen. Die Datenqualität sei „katastrophal schlecht“. Michaela Diercke meinte: „Die Funktionalitäten sollen in den neuen Profilen besser verfügbar gemacht werden.“

 

Abb: Roadmap

Im Pakt für den Öffentliche Gesundheitsdienst ÖGD wird der weitere Ausbau von DEMIS zur digitalen Plattform gefördert und sukzessive umgesetzt. Die elektronische Meldung betrifft Inhalte, die gemäß Infektionsschutzgesetz meldepflichtig sind. Die elektronische Meldung ist möglich über ein Meldeportal für Ärzte und sonstige Leistungserbringer wie Testcenter in der Telematikinfrastruktur, ebenso die Anbindung weiterer Akteure des Meldesystems und die Integration zahlreicher weiterer Datenflüsse und Surveillancesysteme.

Zu dem Verhältnis von Kosten und Nutzen, von Zeit- und Kostenersparnis liegen noch keine vergleichbaren Vorher-Nachher-Werte und -Zahlen vor. „Wir haben DEMIS gerade implementiert, wir begleiten das Projekt durch eine wissenschaftliche Evaluation,“ meinte Michaela Diercke. „Das betrifft auch die Aufwände.“ So wurden 2019 die Aufwände der Meldungen per Faxbetrieb gemessen. Nun sollen neue Erhebungen einen Vergleich im Jahr 2022 ermöglichen. „Bei der Erstimplementierung 2020 war noch keine volle Funktionalität vorhanden.“

Die Entwicklung der ersten Ausbaustufen von DEMIS erfolgt in Zusammenarbeit mit dem BMG, der gematik und Fraunhofer FOKUS. Die FHIR-Profile wurden in Kooperation mit HL7 Deutschland erstellt.

Die Websession moderierten Adrian Schuster (BVMI)  Senior Director Medicine & IT, Flying Health, und Sebastian Semler, Geschäftsführer TMF – Technologie- und Methodenplattform
für die vernetzte medizinische Forschung e.V.

 

(oben) Michaela Diercke, Leitung des Fachgebiets Surveillance - ÖGD-Kontaktstelle am Robert Koch-Institut

(unten) Torsten Hoffmann, Product Owner DEMIS (gematik)

 

Quelle Text/Bilder: Wolf-Dietrich Lorenz

 


Lesen Sie mehr zum Thema "Veranstaltungen"

Nachbericht 13. KRITISche Stammtisch
Veranstaltungen
KRITIS

Lesen Sie hier die neuesten Beiträge

Dedalus übernimmt Dobco Medical Systems
Aus dem Markt
Übernahme