Live dabei – digitaler OP

UKHD

Veröffentlicht 16.07.2021 10:40, Dagmar Finlayson

Studierende im „Herzchirurgischen Semester" der Medizinischen Fakultät Heidelberg haben seit Kurzem die Möglichkeit, Eingriffe am offenen Herzen per „Live-Schalte" in den OP aus nächster Nähe mitzuverfolgen. Möglich macht es ein neues Lehrformat der Klinik für Herzchirurgie in Kombination mit den technisch top ausgestatteten OP-Sälen des im Oktober 2020 bezogenen Neubaus Chirurgie.

Mittels einer Kamera in der OP-Leuchte haben die angehenden Medizinerinnen und Mediziner einen unverstellten Blick auf das OP-Feld. Damit der Operateur oder die Operateurin sich voll auf den Eingriff konzentrieren kann, besteht das Team zusätzlich aus einem Oberarzt, der das Vorgehen für die Studierenden kommentiert und erläutert, sowie einem weiteren Arzt, der über Chat Fragen entgegennimmt, beantwortet oder an den Kommentator weitergibt. Das nach den ersten Live-Übertragungen bereits eingespielte Team besteht aus den beiden Oberärzten Prof. Dr. Gregor Warnecke und Privatdozentin Dr. Anna Meyer sowie Dr. Peter Rose.

Das Lehrangebot ist zwar nicht verpflichtend, wurde aber trotzdem von allen genutzt. „Die Studierenden waren begeistert. Viele lobten, dass sie den Eingriff deutlich besser verfolgen konnten als wenn sie – wie es ohne die pandemiebedingten Einschränkungen gewesen wäre – neben dem OP-Tisch gestanden hätten", freut sich Oberärztin Dr. Anna Meyer, Lehrbeauftragte für Herzchirurgie. „Der Aufwand hat sich wirklich gelohnt." Weitere Termine sind geplant, die Nachfrage ist groß. Zu sehen bekommen die Studierenden verschiedenste Eingriffe am Herzen: Den Anfang machte eine Bypass-Operation mit kathetergestütztem Herzklappenersatz. Der Patient hatte zuvor in die Übertragung seines Eingriffs eingewilligt. Um die Bestimmungen des Datenschutzes einzuhalten, durfte der Eingriff nicht aufgezeichnet werden, der Name wurde nicht genannt.

In den neuen OP-Sälen erscheint das Bild der Kamera an Deckenleuchte oder Endoskop auf einem großen Wandbildschirm, auf dem gleichzeitig das Durchleuchtungsbild der Angiographie sowie kritische Kennwerte wie Blutdruck und Herzfunktion (Hämodynamik) eingeblendet werden können. Diese Anzeige, die das Operationsteam über den Fortschritt des Eingriffs und den Zustand des Patienten auf dem Laufenden hält, wird mit den Studierenden vor ihren Rechnern geteilt. „Die Live-Schaltung nach außen ist erstmals in unseren digital vernetzten OP-Sälen möglich und hat – auch dank der Unterstützung durch unseren Medizintechniker – einwandfrei funktioniert", berichtet die Initiatorin des neuen Lehrangebots von den ersten beiden Live-OPs. Die Möglichkeit, per Chat Fragen zu stellen, wurde von den Studierenden rege genutzt. Niemand musste befürchten, durch seine Fragen zu stören.

Das neue Lehrformat soll auch nach der Pandemie als zusätzliches Angebot in der Herzchirurgie fortgesetzt werden. „Sobald es wieder möglich ist, sind die Studierenden aber nach wie vor herzlich eingeladen, einen Tag bei uns im OP zu verbringen", sagt Dr. Meyer. Ob das chirurgische Spektrum der Live-Übertragungen noch ausgeweitet wird, hängt von den Wünschen der Studierenden ab.
 
Foto: Studierende der Medizinischen Fakultät Heidelberg haben seit Kurzem die Möglichkeit, Eingriffe am offenen Herzen per „Live-Schalte" in den OP aus nächster Nähe mitzuverfolgen. Mittels einer Kamera in der OP-Leuchte haben sie einen unverstellten Blick auf das OP-Feld, ein Oberarzt kommentiert das Vorgehen und ein weiterer Arzt nimmt über Chat Fragen entgegen. Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg

Quelle: Klinik für Herzchirurgie am UKHD


 


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