Herbsttagung KH-IT 2021 "Compliance": Das Reifegradradar - Herausforderungen und Möglichkeiten

KHIT

Veröffentlicht 05.09.2021 19:50, Dagmar Finlayson

Bei der KH-IT-Herbsttagung 2021 steht das Themenfeld „Compliance“ im Mittelpunkt. Experten wollen den aktuellen Stand beleuchten und praktische Tipps zur Umsetzung geben. Einen besonderen Aspekt stellt die Reifegradmessung mit dem „DigitalRadar“ dar. Krankenhäuser können nachweisen, wie weit sie bereits digitalisiert sind. Prof. Dr. Sylvia Thun, Berlin Institute of Health at Charité (BIH), erörtert Reifegradindikatoren des DigitalRadars sowie Herausforderungen und Möglichkeiten. Die Tagung findet am 22. und 23.09.2021 online statt.

Welche Faktoren und Aufgaben des Reifegradradars sind für Entwicklung und Anwendung des Reifegradmodells entscheidend?

Prof. Thun: Das Ziel des Digitalradards ist die Evaluierung des Reifegrads der Krankenhäuser hinsichtlich der Digitalisierung nach § 14b KHG. Das Reifegradmodell ermöglicht eine standardisierte und umfassende Bewertung des Digitalisierungsgrads von Krankenhäusern mittels Durchführung und Auswertung von Erhebungen bzw. Selbsteinschätzung der Krankenhäuser. Das übergeordnete Ziel ist es, den grundsätzlichen Stand der Digitalisierung in deutschen Kliniken, sowie Effekte der Förderung in Bezug auf den Digitalisierungsgrad und der Verbesserung der Versorgung von Patient:innen bzw. regionaler Versorgungsstrukturen zu untersuchen und zu bewerten. Mit dem Fördervorhaben sollen Handlungsfelder für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung sowie der Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern aufgezeigt werden. Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser soll gesteigert und Innovationen sowie der Austausch von Gesundheitsdaten gefördert werden. Übergeordnetes Ziel ist die Aufwertung des Gesundheitsstandorts Deutschland und die Verbesserung der Patientenversorgung und -sicherheit. Die Compliance-Fragen sind weitestgehend schon heute im Krankenhauszukunftsgesetz KHZG ersichtlich und wurden um einige internationale Aspekte bereichert.

Welche hauptsächlichen Anforderungen an die erfolgreiche Umsetzung des Reifegrad-Vorhabens bestehen?

Prof. Thun: Es ist ein interdisziplinäres Team aus Verwaltungspersonal, IT-Leitung, ärztlichen und pflegerischen Mitarbeitern zusammenzustellen, welches den Fragebogen gemeinsam ausfüllen sollen. Für die Beantwortung der Fragen ist umfangreiche Fachkenntnis der Prozesse und IT-Strukturen erforderlich.

Welches sind bestimmende Reifegradindikatoren?

Prof. Thun: Bestimmende Reifegradindikatoren des DigitalRadars sind im KHZG als MUSS-Kriterien festgelegt. Daneben spielen die Reifegradmodelle von EMRAM und KIT-CON eine herausragende Rolle. Diese wurden geschärft, an den deutschen Markt angepasst und mit einem Expertengremium gewichtet.

Wie weit kann und sollte die Reifegradmessung die vorhandene heterogene KIS-Landschaft in deutschen Krankenhäusern berücksichtigen?

Prof. Thun: Die Stärken und Schwächen der heterogene KIS-Landschaft sind ein wesentlicher Punkt der Reifegradmessung. Es spielen aber nicht nur die KIS-Funktionalitäten eine Rolle, sondern vor allem die Integration weiterer Software und die Implementierungstiefe der Module.

Was wollen Sie als Referentin den Verantwortlichen aus Krankenhäusern auf der KH-IT-Veranstaltung an Impulsen und Handlungsempfehlungen mitgeben?

Prof. Thun: Sie sollten sich schon im Vorfeld intensiv mit ihren Prozessen, den Kommunikationsstrukturen und den digitalen Umsetzungen befassen.

Foto: "DigitalRadar" soll digitalen Reifegrad von Kliniken bewerten. Das Projekt wird geleitet von Prof. Dr. Sylvia Thun, Direktorin für E-Health und Interoperabilität am Berlin Institute of Health der Charité Universitätsmedizin Berlin.


Radar-Profil

Das Konsortium „Digital Radar“ der HIMSS Europe GmbH gehen. Beteiligt sind das Institut für angewandte Versorgungsforschung (INAV) von Prof. Dr, Volker Amelung, die Krankenhausberater von Lohfert & Lohfert sowie das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen mit Prof. Dr. Boris Augurzky. Konsortialleiterin ist Prof. Dr. Sylvia Thun vom Berlin Institute of Health (BIH).


Themen und Referenten

Compliance aus Sicht der IT-Sicherheit


Eröffnung und Begrüßung
Horst-Dieter Beha, Vorsitzender KH-IT e.V.

Einführung in das Tagungsthema
Thorsten Schütz, Martin Staemmler, KH-IT e.V

Digital unterstützte intersektorale Ver­sorgungsketten – innovativ, funktional, sicher, vertrauenswürdig und compliant
Martin Peuker, Leitung Geschäftsbereich IT
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Gunther Nolte, Ressortleiter IT & Digitalisierung, Prokurist, Vivantes – Netzwerk für Gesundheit GmbH

Aktuelle Entwicklungen B3S und SGB 75c
Rüdiger Gruetz, ISB Klinikum Wolfsburg, Stellvertretender Leiter BAK
 
KRITIS, §8a BSIG ISO 27001 und BCM  -  Bringen Sie sich in Sicherheit
Britta Weber, IS-Beauftrage / QM Managerin, Dipl.-Inf. (FH), Michael Heitmann, IT Leiter
Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg gGmbH

Anforderungen an Messenger-Dienste
Helmut Eiermann, stellv. Landesbeauftragter für den Datenschutz, Rheinland-Pfalz

TI-Messenger - der neue Standard für sicheres, interoperables Instant-Messaging im Gesundheitswesen
Eric Grey, Produktmanager gematik GmbH Berlin

Ein Messenger für das Gesundheitswesen muss mehr bieten als Chatten
Julia Opstals, Till Berger, Head of Marketing & Communications, Allm EMEA GmbH, Erlangen


Compliance zum KHZG und zur TI 2.0


Das Reifegradradar - Herausforderungen und Möglichkeiten
Prof. Dr. med. Sylvia Thun, Berlin Institute of Health an der Charité

KHZG: rechtskonforme Vergabe
Werner Bachmann, Rechtsanwalt, Friedrich Graf von Westfalen & Partner mbh

TI 2.0 – Möglichkeiten für Krankenhäuser
Claus-Georg Becker, IT-Architekt, gematik GmbH, Berlin

KBV-Richtlinie SGB 5 §75b
Udo Karlins, KV Schleswig-Holstein, Bad Segeberg


KH-IT News

IT konvergiert - Umfrageergebnisse zur Verschmelzung IT-lastiger Krankenhausabteilungen
Dipl.-Ing. Ulrich Wieland, Medizinprodukte-Sicherheits- und Strahlenschutzbeauftragter,
DRK-Klinikservicegesellschaft Sachsen mbH


KH-IT-Akteure





Programmverantwortlicher Martin Staemmler (staemmler@kh-it.de), wissenschaftlicher Beirat des KH-IT

Programmverantwortlicher Thorsten Schütz (schuetz@kh-it.de), Vorstand des KH-IT

 

Organisator ist Günter Gartner, Leiter des Veranstaltungsservice KH-IT  (gartner@kh-it.de).

 

Quelle Text: Wolf-Dietrich Lorenz




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