ECR 2022: Gelungener Neustart nach Coronapause

ECR

Veröffentlicht 12.09.2022 09:50, Kim Wehrs

Der europaweit bedeutendste und weltweit zweitgrößte Radiologenkongress ECR (European Congress of Radiology) fand nach zweijährigen Unterbrechung, dieses Jahr als Hybrid-Veranstaltung vom 13. bis 17. Juli 2022 in Austria Center Vienna statt. Bei strahlendem Sonnenschein außerhalb der Ausstellungshallen, besuchten knapp über 15.000 Teilnehmer, die opulenten wissenschaftlichen Angebote und die Produktneuigkeiten, innerhalb der Hallen. Eindrücke von ECR 2022 in Wien schildert Dr. Aykut M. Uslu, Berater für Projektierung in der Medizintechnik und Medizin-IT.

Großgerätehersteller scheuten keine Kosten und Mühen

Ausnahmslos bei allen Großgeräteherstellern, wozu inzwischen auch Fujifilm zählt, war klotzen statt kleckern angesagt. Unabhängig von der Lage der Räumlichkeiten, sie standen allesamt im Rampenlicht – im wahrsten Sinne des Wortes. Auf großen Flächen übersichtlich angeordneten Geräte und Lösungen luden die Besucher ein, in einer entspannten Atmosphäre sich zu informieren. 


Fujifilm weiter auf dem Wachstumskurs 

Fujifilm Europe hat auf dem ECR 2022 ihre neuesten Geräte und Innovationen präsentiert und eine Vielzahl von modernen Technologien und KI-Lösungen vorgestellt. Darunter auch die neuen Möglichkeiten durch die Integration der neu gegründeten Fujifilm Healthcare Europe (ehemals Hitachi Diagnostic Imaging ). An erster Stelle zu nennen sind: Der neuer offener Hochfeld-MRT OASIS Velocity™, der neue C-Bogen FDR Cross, das Mammographie System AMULET Innovality, sowie Lösungen für die digitale Pathologie und Medical IT (Synapse® Suite). Martin Maus-Haack, Manager Sales Operations X-Ray Modality, FUJIFILM Deutschland, brachte es auf den Punkt: "...Fujifilm ist in der medizinischen Bildgebung in den letzten Jahren enorm gewachsen und wir freuen uns über die Erweiterung unseres Portfolios, was dazu beiträgt, die Qualität der Patientenversorgung zu verbessern."

Cannon Medical stellte neues 1,5 Tesla MRT vor

Mit Vantage Fortian hat Cannon auf dem diesjährigen ECR ein neues 1,5 Tesla MRT-System vorgestellt. Nach Herstellerangaben zeichnet sich das neue MRTSystem durch innovative Workflowlösungen, hervorragende Bildqualität und eine beschleunigte Sequenz-Technologie aus, um die Untersuchungszeit weiter zu reduzieren. Zudem verwendet das neuvorgestellte Vantage Fortian die AiCE-Technologie (Advanced intelligent Clear-IQ Engine), die die Deep-Learning-Rekonstruktionstechnologie (DLR) nutzt, um rauschfreie Bilder zu erzeugen. AiCE ist für alle Anatomien anwendbar und deckt 96 % aller MRTechniken für 2D- und 3D-Aufnahmen ab. Zukünftig sollen auch die bisherigen Systeme der Vantage-Reihe, der Vantage Orian (1,5T) und der Vantage Galan (3T), mit den innovativen Technologien ausgestattet werden.

Philips‘ ROCC macht radiologische Experten überall verfügbar

Philips Radiology Operations Command Center (ROCC) ist eine digitale Lösung, die mit nahtloser Telepräsenz, die Zusammenarbeit verschiedener Standorte ermöglicht und die Standardisierung und Qualität der Versorgung für einen effizienten Hub-and-Spoke-Betrieb in Ihrem gesamten Netzwerk optimiert. ROCC vergrößert die Reichweite unterbesetzter Teams, ermöglicht die Unterstützung des Personals durch Anleitung von Experten nach Bedarf und steigert die medizinische Versorgung für Patienten. Die Lösung ist herstellerneutral und modalitätsübergreifend.

Siemens stellt lukratives volldigitales Röntgensystem vor

Im Rahmen des diesjährigen European Congress of Radiology (ECR) in Wien stellte Siemens Healthineers sein bisher preisgünstigstes Röntgensystem „Multix Impact E“ vor. Mit einem festen Tisch, bodenmontierten Strahler sowie dem optionalen Bucky Wall Stand ausgestattetes neue Röntgensystem ist äußerst vielseitig nutzbar. Sein Herzstück ist der große digitale Detektor, der hervorragende Bildqualität bei niedriger Dosis verspricht. Und dank seines geringen Platzbedarfs kann es mit minimalem Aufwand fast überall installiert werden. In manchen Praxen oder Kleinkliniken kommt heute noch die Computer-Radiographie (CR) oder sogar die analoge Radiographie zum Einsatz bzw. steht gar keine Bildgebung zur Verfügung. Dabei bietet volldigitales Röntgen bekanntermaßen eindeutige Vorzüge. Die Zeit von der Bilderfassung bis zum eigentlichen Bild ist deutlich kürzer, zudem stehen die benötigten Antworten schneller zur Verfügung. Infolgedessen können die dadurch freigewordenen Ressourcen effizienter genutzt werden. Zumal diese Fakten von einem sehr attraktiven Preis (bisher noch nicht genannt) begleitet werden sollen, dürfte Multix Impact E für den niedergelassenen Bereich -allen voran- für Orthopädiepraxen sehr lukrativ sein.

KI-Unterstützung im DeepUnity PACS von Dedalus

Durch einer neuen Kooperation mit contextflow GmbH zieht eine AI-Lösung ins DeepUnity PACS von Dedalus mit ein, die den gesamten radiologischen Workflow unterstützt. Die Lösung dient zur klinischen Unterstützung von Lungen CTs und kann aktuell 19 Bildmuster erkennen. Zudem wird die Lösung durch das Krankenhaus Zukunftsgesetz (KHZG) gefördert. Die Applikation liefert Radiolog*innen ergänzende Informationen, die für die Identifizierung und Interpretation bestimmter Muster, die in Lungen CT-Scans vorkommen, relevant sind. Hierdurch lässt sich eine zeitliche Einsparung, sowie ein Trend zur besseren
Befundqualität erkennen. Aufgezeigt werden:

■ Visualisierungen von Arealen in denen es eine pathologische Veränderung gibt
■ Bilder mit ähnlichem Erscheinungsbild aus einer vorhandenen Wissensdatenbank, die retrospektive Fälle enthält
■ Vorschläge für mögliche pathologische Muster bestimmter Bereiche
■ Referenzinformationen zu ausgewählten Mustern, wie z. B. Links zu Literatur, Artikeln oder Leitlinien, Tipps und mögliche Tücken, sowie mögliche Differentialdiagnose

Erkenntnisse, die daraus gewonnen werden, können zur Befunderstellung verwendet werden. Die Ergebnisse von contextflow SEARCH Lung CT können in PDF-Form (encapsulated DICOM PDF) automatisch oder manuell an das PACS/VNA gesendet werden. 


Neue ECR-Formate sorgten für Abwechslung 

Unter den neuen Formaten erwiesen sich folgende Veranstaltungen, die zu den konventionellen Ständen, Fortbildungsangeboten etc. eine willkommene Abwechselung boten, als besonders beliebt:

Offene Foren: Sie behandelten Themen für Radiologen und junge Radiologen und boten auch dem ESR eine Plattform, um einige seiner zahlreichen Bildungs und Forschungsaktivitäten zu präsentieren.

Patients in Focus:
Dieses neue Programm bot Ärzten und Patienten eine Bühne, um in einer Reihe hochinformativer Sitzungen miteinander ins Gespräch zu kommen. Im Rahmen dieses Programms wurde auch "Be accepted" eingeführt - ein Tool für krebskranke Frauen, dass sie auf ihrem Weg als Patientin unterstützt und informiert.

Cube: In diesem Jahr kehrte der Cube zurück - ein ganzer Bereich des Kongresses, der der interventionellen Radiologie (IR) gewidmet war. Einer der beliebtesten Aspekte dieses Zentrums war der Simulator-Erlebnispark, in dem die Teilnehmer die Möglichkeit hatten, sich die neuesten Technologien in der IR anzusehen und vorzuführen.

AI-Ausstellung und das AI-Theater: Nach einer erfolgreichen Premiere im Jahr 2019 gab es sie wieder. Hier boten Unternehmen ein vielfältiges Angebot an Ständen, Pitches und Vorträgen an, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Zukunft der Radiologie lag.

Digitale Dörfer: Wichtige Industriepartner richteten direkt im Austria Center digitale Dörfer ein, die den Besuchern eine interaktive und angenehme Möglichkeit boten, ihre Innovationen zu entdecken. Zudem konnten die Besucher dort alle Industrie-Sitzungen kostenlos auf ESR Connect abrufen.

Summer Lounge: Dieser riesige Bereich beherbergte den Anmeldeschalter, die Stände des ESR Meets sowie eine Bar und ein Restaurant und bot den Teilnehmern zwischen den Sitzungen einen großartigen Pausenraum. Darüber hinaus wurde in der Lounge allen Besuchern die Möglichkeit geboten, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen - eine einzigartige Gelegenheit.


Save the Date „01. – 05. März 2023“

Der ECR 2023 wird im nächsten Jahr wieder Anfang März im Austria Center Vienna stattfinden.


Dr. Aykut Uslu

Dr. Aykut M. Uslu, Berater Medizintechnik
und Medizin-IT,
www.uslumedizininformatik.de


Quelle: Krankenhaus-IT Journal, August-Ausgabe 04/2022
Foto: ESR Kreuzberger


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