IT-Fachkräftemangel: Neue Modelle zeigen Alternativen zum klassischen Informatikstudium auf

IT

Veröffentlicht 25.11.2022 09:10, Dagmar Finlayson

Das Informatikstudium zählt zu den am stärksten nachgefragten Studiengängen in Deutschland. Doch ein aktueller DatenCHECK des CHE für den Bereich Informatik zeigt geringe Frauen- und Abschlussquoten. Beides sorgt auch dafür, dass die Nachfrage nach IT-Spezialist*innen in Deutschland nicht gedeckt werden kann. Dass die Ausbildung zum oder zur Software-Entwickler*in auch komplett anders verlaufen kann, zeigt ein Beitrag des CHE im Rahmen der Reihe DUZ Spotlight in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift DUZ. Im Mittelpunkt stehen die internationalen Programmierschule 42 sowie die CODE University of Applied Sciences in Berlin.

In der deutschen IT-Branche herrscht Fachkräftemangel. Der Branchenverband BITKOM etwa verweist auf rund 96.000 offene Stellen im vergangenen Jahr. Softwareentwickler*innen gehören laut Jobmonitor der Bertelsmann Stiftung zu den Top 10 der meistgesuchten Berufe in Deutschland.

Mit rund 138.000 Studierenden steht die Informatik dabei auf Platz 2 der Hitliste der beliebtesten Studienfächer – hinter der Betriebswirtschaftslehre Doch der akademische IT-Nachwuchs reicht aktuell bei weitem nicht aus, um den Fachkräftebedarf zu decken.

Gründe dafür sind u.a. die hohen Abbruchquoten im Informatikstudium sowie der geringe Anteil an Studentinnen. Dies verdeutlicht ein aktueller DatenCHECK des Portals CHE Hochschuldaten. So bleiben von den jährlich rund 30.000 Informatik-Studienanfänger*innen (im 1. Hochschulsemester) nur rund 18.000 Absolvent*innen grundständiger Studiengänge pro Jahr übrig. Dies deckt sich mit älteren Untersuchungen zum Studienabbruch in diesem Fach des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung.

Ein weiteres Problem ist der geringe Frauenanteil. Aktuell sind vier von fünf Informatik-Studierenden an einer deutschen Hochschule männlich. Damit fehlt es an weiblichen IT-Vorbildern auf und abseits des Campus, sodass der Informatik weiterhin viele potenzielle Fachkräfte verloren gehen.

Dass die Ausbildung zum oder zur Software-Entwickler*in in- und außerhalb des Hochschulsystems auch ganz anders verlaufen kann, verdeutlicht ein aktuelles Themendossier des CHE aus der Reihe DUZ Spotlight.

Hierin geht es um die Beispiele der CODE University of Applied Sciences in Berlin, die bei der Ausbildung von Softwareentwickler*innen stark auf projektbasiertes Lernen und praxisbezogene Problemstellungen im Studium setzt, sowie der internationalen Programmierschule 42.

Die École 42, eine private, gebührenfreie Programmierschule wurde 2013 vom französischen Internet-Unternehmer Xavier Niel in Paris gegründet. Seitdem hat sich das Konzept weltweit verbreitet und es existieren mittlerweile 42 Campi in 25 Ländern, seit Kurzem auch mit Standorten in Wolfsburg, Heilbronn und Berlin. Das Modell 42 verzichtet auf formale Bewerbungskriterien wie einen Schulabschluss und sogar auf Lehrende.

Zwar sieht die Autorin des Spotlight-Dossiers, Melisande Riefler, in beiden Modellen aufgrund noch geringer Absolvent*innenzahlen der Einrichtungen keine umfassende oder schnelle Lösung für den IT-Fachkräftemangel, jedoch vielversprechende Reformideen für das bisherige Informatikstudium. Hierzu gehört etwa der stärkere Einsatz von Eignungstests anstelle von formalen Qualifikationen, eine bessere Betreuung in der Studieneingangsphase sowie die Flexibilisierung des Curriculums und der Lernmethoden.

Der Schwerpunkt zum Thema ist am 18. November im Rahmen der Ausgabe 11/2022 der DUZ erschienen und wurde von Melisande Riefler erstellt. Das Dossier "IT-Fachkräfte - selbstgemachte Mangelware" ist die elfte Ausgabe des gemeinsam von CHE und DUZ entwickelten Formats „DUZ Spotlight – Gute Praxis international“, das in loser Folge in der DUZ und auf www.che.de veröffentlicht wird.

Bereits erschienen sind Spotlight-Dossiers zum österreichischen Modell der lebensbegleitenden Matrikelnummer (Ausgabe 09/2017), dem britischen Professional Doctorate (01/2018), dem niederländischen Lehrführerschein (08/18), der Transfergemeinschaft nach Schweizer Vorbild (12/2018), der Etablierung wissenschaftlicher Weiterbildungszertifikate in der Schweiz (11/2019), Instructional Designern im Hochschulbetrieb (02/2020), Lernräumen der Zukunft (08/2020), zu Sozialen Innovationen vom Campus (11/2020), zur Gewinnung internationaler Promovierender (06/2021), zu gerechten Regelungen beim Hochschulzugang (09/21) sowie zu internationalen Medizinstudiengängen in Südosteuropa (02/22). Alle Publikationen sind unter www.che.de abrufbar.

Autor des DatenCHECKs 03/2022 Informatik: Mehr Studienabschlüsse und mehr weibliche Studierende nötig ist Cort-Denis Hachmeister. Weitere Kurzanalysen und umfangreiches Datenmaterial zum deutschen Hochschulsystem auf Bundes- und Länderebene findet sich auf www.hochschuldaten.de


Originalpublikation:

Riefler, Melisande: DUZ Spotlight - Gute Praxis International: IT-Fachkräfte – selbstgemachte Mangelware, in DUZ Ausgabe 11/2022, 16 Seiten


Weitere Informationen:

http://www.che.de/download/spotlight-informatik/ - Link zum DUZ Spotlight - Gute Praxis International: T-Fachkräfte – selbstgemachte Mangelware
https://hochschuldaten.che.de/informat ... schlusse-und-mehr-weiblic... - Link zum DatenCHECK 03/2022 Informatik

Quelle: CHE Centrum für Hochschulentwicklung

Symbobild: ThisEngineering on Unsplash


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