Schwachstellen in der IT-Struktur gefährden Patientenwohl

Veröffentlicht 23.01.2026 10:10, Kim Wehrs

Schwachstellen in IT-Organigrammen, die Patienten gefährden, sind unter anderem die Verbindung von medizinischen Geräten mit unsicheren Gastnetzwerken. Veraltete Betriebssysteme auf wichtigen Geräten erhöhen das Risiko von Ausfällen und Sicherheitslücken. Mangelnde klare Verantwortlichkeiten und Kommunikationswege führen zu verzögerter Reaktion bei IT-Störungen. Zudem wächst die Gefahr, dass Cyberangriffe lebenswichtige Systeme wie Beatmungsgeräte oder Diagnosetechnik lahmlegen und so die Patientensicherheit direkt bedrohen. Für die Priorisierung von Schwachstellen im IT-Organigramm nach Patientenrisiko empfiehlt sich ein systematischer, risikobasierter Ansatz.

Schwachstellen in IT-Organigrammen von Krankenhäusern können direkt die Sicherheit der Patienten gefährden. Eine zentrale Schwachstelle liegt in der fehlenden oder unklaren Zuordnung von Verantwortlichkeiten. Wird nicht eindeutig festgelegt, wer für die IT-Sicherheit und für kritische medizinische Systeme zuständig ist, verzögern sich Reaktionen bei Ausfällen oder Cyberangriffen, was lebenswichtige Prozesse beeinträchtigt. Oft existieren historisch gewachsene, komplexe und unübersichtliche Strukturen, die es erschweren, schnell und effektiv auf IT-Störungen zu reagieren.

Veraltete Systeme und medizinische Geräte mit veralteter Software, die in Netzwerke eingebunden sind, bieten Angriffsflächen für Malware oder Hacker. Solche Schwachstellen können etwa Herzschrittmacher, Beatmungsgeräte oder Medikamentenpumpen betreffen. Fehlende oder inkonsistente Sicherheitsprozesse, wie schwaches Rechte- und Zugriffsmanagement, führen dazu, dass medizinisches Personal oder Pflegekräfte ungewollt zu Administratoren werden, was die ITSicherheit schwächt.

Neben technischen Aspekten zeigen sich auch organisatorische Defizite: Mangelnde Kommunikation und unzureichender Informationsfluss zwischen IT-Abteilung, Klinikleitung und Medizintechnik behindern effektive Krisenreaktionen. Fehlende Notfall- und Ausfallkonzepte sowie unregelmäßige Übungen zum Ernstfall können dazu führen, dass Mitarbeiter im Ernstfall nicht richtig vorbereitet sind, was zu Verzögerungen in der Patientenversorgung führt.

Das Zusammenspiel dieser Schwachstellen erhöht das Risiko von IT-Ausfällen, die den Betrieb zentraler Systeme wie KIS, RIS, LIS oder PACS stören. Dies kann die medizinische Diagnostik, Behandlung und sogar die Sterilisation von Operationsbestecken gefährden. Letztlich drohen dadurch erhebliche Risiken für die Patientensicherheit, die durch eine klare, agile und sichere IT-Organisationsstruktur mit eindeutigen Verantwortlichkeiten und umfassendem Risikomanagement reduziert werden müssen.


Schwachstellen im IT-Organigramm priorisieren

Zur Priorisierung von Schwachstellen im IT-Organigramm nach Patientenrisiko empfiehlt sich ein systematischer, risikobasierter Ansatz. Zunächst erfolgt eine Bewertung der potenziellen Auswirkungen jeder Schwachstelle auf kritische klinische Systeme und Patientenversorgung. Dabei ist zu analysieren, welche Funktionen durch die Schwachstelle beeinträchtigt werden könnten, etwa lebenswichtige Medizingeräte oder ITSysteme für Diagnostik und Therapie. Im zweiten Schritt wird die Wahrscheinlichkeit eingeschätzt, mit der eine Schwachstelle ausgenutzt werden kann. Diese Bewertung berücksichtigt technische Faktoren (z. B. Verfügbarkeit von Exploits) und den Kontext der IT-Landschaft im Krankenhaus. Beide Faktoren werden in einem quantitativen Scoring-System wie CVSS (Common Vulnerability Scoring System) zusammengeführt, ergänzt durch qualitative Bedrohungsdaten und lokale Gegebenheiten.

Auf dieser Basis werden Schwachstellen in Prioritätsklassen eingeteilt. Hoch priorisierte Schwachstellen zeichnen sich durch hohe Auswirkungen auf die Patientensicherheit und hohe Wahrscheinlichkeit der Ausnutzung aus. Solche Schwachstellen sollten sofort adressiert werden, etwa durch Patches, systemische Änderungen oder organisatorische Maßnahmen. Schwachstellen mit geringeren Risiken können zeitlich nachgeordnet behandelt werden, um Ressourcen effizient zu nutzen. Darüber hinaus sind kontinuierliche Überwachung und regelmäßige Neubewertungen essenziell, um neu auftretende Schwachstellen schnell einzuordnen und zu gewichten. Die Priorisierung sollte immer in enger Abstimmung mit klinischen und IT-Verantwortlichen erfolgen, um sicherzustellen, dass vor allem patientenrelevante Systeme und Prozesse geschützt werden. Abschließend ist eine klare Zuweisung von Verantwortlichkeiten für Behebung und Monitoring unabdingbar, um eine effiziente und nachhaltige Risikominderung zu gewährleisten.


Quelle: Krankenhaus-IT Journal, Ausgabe 06/2025 - Stand Dezember 2025


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