Durch Digitalisierung „Patient*innen besser und schneller versorgen“

Workshop

Veröffentlicht 28.05.2020 14:20

Rund 150 Millionen Arztbriefe und circa 80 Millionen Arbeitsunfähigkeitbescheinigungen werden jedes Jahr in Deutschlands Kliniken und Praxen gedruckt und per Post oder Fax übermittelt. Damit soll bald Schluss sein. Mit der digitalen Gesundheitsakte, dem E-Arztbrief, dem E-Rezept, der elektronischen Arbeitsunfähigkeitbescheinigung (eAU) und vielem mehr erwarten Mediziner*innen in den kommenden Wochen und Monaten Neuerungen und Herausforderungen. Die ärztliche Verschreibung von Apps für Patienten ist bereits möglich, doch viele Mediziner*innen kennen sich damit noch nicht aus.

Wie Digitalisierung die Patientenversorgung und -sicherheit verbessern kann und wie Mediziner*innen künftig effektiver, papierärmer und transparenter arbeiten können – darum ging es bei dem virtuellen Workshop „Einführung in die Digitalisierung in der Medizin“ des Klinikums rechts der Isar in München am 22./23.05.2020. Mehr als 80 Mediziner*innen nahmen daran teil und hörten hochkarätige Referent*innen aus ganz Deutschland, etwa aus dem Health Innovation Hub des Bundes, dem Bundespolizeipräsidium sowie aus verschiedenen Zentren und Fachabteilungen.

Welche Rolle spielt die Verbesserung der Datenqualität und Datenstruktur in der Primärdokumentation? Wie können Abläufe und Dokumentationen vereinfacht und beschleunigt werden, um Mediziner*innen zu entlasten und ihnen wieder mehr Zeit für Patient*innen zu verschaffen? Diese und viele weitere Fragen wurden bei dem Workshop diskutiert. Teilnehmer*innen erhielten einen Überblick über Rahmenbedingungen, intelligente Vernetzung sowie Herausforderungen hinsichtlich Datenintegration und Datenschutz, sie bekamen Einblicke in erfolgreiche Praxisbeispiele, konkrete Tipps für die Umsetzung und hatten Gelegenheit, sich mit Expert*innen und Kolleg*innen auszutauschen.

„Die Digitalisierung bietet Mediziner*innen enorme Chancen. Sie ermöglicht, Patient*innen schneller und besser versorgen zu können. Bei Überweisungen können wichtige Informationen strukturiert und in Echtzeit Ärzte-Kolleg*innen zur Verfügung gestellt werden. Nichts muss mehr ausgedruckt, gescannt oder gefaxt werden – alle Informationen stehen unmittelbar und rund um die Uhr zur Verfügung“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Christoph Spinner, Chief Medical Information Officer des Klinikums rechts der Isar und einer der beiden Leiter des Workshops. Wichtig sei, dass der digitale Austausch verschlüsselt, barrierefrei und datenschutzrechtlich sicher erfolge. Den technischen und rechtlichen Hintergrund des künftigen medizinischen Dokumentationsprozesses müssten Mediziner*innen unbedingt verstehen, führte PD Dr. Spinner weiter aus. Aktuell gebe es in Deutschland über 140 Klinik- und Praxisinformationssysteme, mit jeweils eigener Datenerfassung und Speicherung. Durch eine übergeordnete Standardisierung der Anwendungen, Syntax und Semantik, Zertifizierungsvorgaben und Richtlinien soll es bald möglich sein, dass eine einmal erfasste Information dem gesamten Behandler-Netzwerk unmittelbar zur Verfügung steht. So können Patient*innen zeitsparender versorgt und unnötige Mehrfachuntersuchungen vermieden werden. Mit dem Anschluss an die Telematikinfrastruktur sollen Mediziner*innen künftig über einen sicheren Kommunikationsdienst definierte Patient*innen-Informationen versenden und empfangen können.

Veranstalter des Workshops war die Abteilung Informationstechnologie des Klinikums rechts der Isar. Grußworte sprach der Ärztliche Direktor, Univ.-Prof. Markus Schwaiger. Die Leitung des Workshops hatten Dipl-Kfm. Andreas Henkel (Chief Information Officer) und Priv.-Doz. Dr. Christoph Spinner (Chief Medical Information Officer).

Weitere Infos unter: www.mri.tum.de