Vom Wearable zum mobilen EKG

Technische Hochschule Brandenburg:

Veröffentlicht 01.10.2021 10:50, Dagmar Finlayson

Die Technische Hochschule Brandenburg attestiert deutscher ambiotex Wearable-Technologie präzise Vitaldatenerfassung auf EKG-Niveau. Neue Möglichkeiten durch präzise Sensorik und Datenanalyse für Stress-Kontrolle, Prävention von Herzkrankheiten und Leistungsdiagnostik im Sport.

Health Tracking ist nicht nur ein Zeitgeistthema, sondern kann Leben retten. Voraussetzung hierfür ist eine präzise Datenerfassung und -analyse, die herkömmliche Smartwatches, Fitnesstracker und RFID-Armbänder nicht leisten können. Das deutsche Technologieunternehmen ambiotex hat basierend auf achtjähriger F&E-Arbeit des Fraunhofer Institut IIS ein intelligentes Wearable zur Marktreife entwickelt, das dank neuester Sensortechnologie in der Lage ist, Vitaldaten in medizinischer Qualität zu erfassen und über intelligente Algorithmen wissenschaftlich fundiert auszuwerten. Damit eröffnet das Unternehmen mit innovativer, nicht-invasiver Cardio-Analytik Herzpatienten und Sportlern neue Möglichkeiten, ihre Herzfrequenz auch kontinuierlich auszuwerten, das Stresslevel zu analysieren und Unregelmäßigkeiten früher zu erkennen.

Die präzise Funktionsweise der ambiotex-Wearable-Lösung auf EKG-Niveau wurde jetzt von der Technischen Hochschule Brandenburg in einer wissenschaftlichen Studie bestätigt.

Kabellose Messung bietet Vorteile gegenüber EKG

Das wissenschaftliche Prüfverfahren des Projektteams Medizininformatik und E-Health der TH Brandenburg hat mit Hilfe eines Generators einen künstlichen Herzschlag simuliert, dessen Frequenz und Intensität die Prüfer variabel festlegen konnten. Die Messdaten wurden sowohl über die in einem Shirt integrierten Sensoren, als auch mit einem herkömmlichen medizinischen EKG erfasst und anschließend miteinander verglichen. Herauskam, dass die ambiotex-Technologie und das EKG nahezu identische Ergebnisse liefern. Bei der Vermeidung von Störsignalen, die beim klassischen EKG beispielsweise durch Kabelberührungen auftreten können, bietet die ambiotex-Lösung dank ihres intelligenten Algorithmus sogar messbare Vorteile.

Die Ergebnisse stehen im Einklang mit früheren Messungen des Fraunhofer Institut IIS. Diese haben dem ambiotex-Smartshirt zudem eine extrem hohe Messgenauigkeit in Bewegung bescheinigt. So konnten beim Lauftest eine 98 %ige fehlerfreie Datenmessung und bei komplizierteren Bewegungsabläufen wie Rudern eine 96 %ige Genauigkeit verzeichnet werden.

Vitaldatenerfassung erlaubt gesundheitliche Handlungsempfehlungen

„Im Gegensatz zu vielen Wearables und Health Tracking-Apps mit einem Fokus auf Fitness können wir jetzt schon vielseitige und äußerst präzise Vitaldaten analysieren und auf dem Niveau medizinischer Geräte messen“, erläutert Christian Seidl, Geschäftsführer von ambiotex. „Besonders wertvoll sind unsere Erkenntnisse sicherlich für den Bereich Predictive Health. Unser Ziel ist es, mit Hilfe künstlicher Intelligenz Voraussagen machen und Handlungsempfehlungen geben zu können, bevor beispielsweise Patienten, die unter Herzrhythmusstörungen leiden, Probleme bekommen. Heute schon können unsere Algorithmen zur Vitaldatenanalyse in Echtzeit vorbeugend wichtige Belastungsanzeichen erkennen, sei es bei körperlicher Anstrengung oder psychischem Stress.“

„Wir haben die Messdaten der ambiotex-Lösung mit denen aus einem standardisierten EKG verglichen und festgestellt, dass die verwendete Technologie sehr valide und zuverlässige Ergebnisse liefert“, bestätigt Dr. Katja Orlowski aus dem Forschungsteam um Prof. Dr. med. Thomas Schrader, Mediziner und Professor für Medizininformatik an der Technischen Hochschule Brandenburg. „Da die ambiotex Hard- und Software aktuell weiterentwickelt wird, um ein noch breiteres Spektrum an Herzaktivität zu erfassen und das Anwendungspotenzial zu erweitern, gehen wir davon aus, in absehbarer Zeit weitere wissenschaftlich belastbare Studien durchzuführen.“

Cardio Analytics made in Germany - großes Potenzial für Einsatz in der Gesundheitsprävention

„Die Einsatzmöglichkeiten für ambiotex im Medizinbereich sind enorm. Allein in Deutschland müssen über vier Millionen Menschen besonders auf ihr Herz achten. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in West-Europa und den USA nach wie vor die Todesursache Nummer Eins. Stress ist dabei einer der größten Risikofaktoren und die Stresserkennung ein wichtiger Baustein der Gesundheitsprävention. Jeder fünfte Deutsche leidet unter der Volkskrankheit Stress“, ergänzt Christian Seidl. „Statt eines EKGs pro Jahr oder Quartal sind für Risikopatienten regelmäßige mobile Messungen einfach und kostengünstig realisierbar sowie als Basis prädiktiver Medizin nutzbar. Und auch im Arbeitsschutz und Berufen mit hohem Stresslevel kann ein mobiler EKG-Ersatz Leben retten und zentraler Bestandteil zukünftiger Telemedizin-Infrastrukturlösungen sein. Erste Pilotstudien und Gespräche über klinische Tests laufen bereits.“


Technische Hochschule Brandenburg:

Die 1992 gegründete Technische Hochschule Brandenburg ist eine moderne Campushochschule mit Sitz in Brandenburg an der Havel. Das Lehrangebot der Hochschule erstreckt sich über die Fachbereiche Informatik und Medien, Technik sowie Wirtschaft – zunehmend auch in berufsbegleitenden und dualen Formaten. Die THB fördert besonders die Möglichkeit eines Studiums ohne Abitur. Die rund 2.700 Studierenden werden von 67 Professorinnen und Professoren betreut. Alle Studiengänge führen zu einem Bachelor- oder Master-Abschluss. Mehr Informationen unter www.th-brandenburg.de  

Quelle Text/Bild: ambiotex


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