Vorsorge für neue Infektionswellen: sichere und flexible Kommunikation

Epidemien

Veröffentlicht 19.08.2020 12:30

Epidemien verlaufen in Wellen. Das gilt nicht nur für Covid 19. Daher sollte die IT- und Kommunikationsinfrastruktur jederzeit bereit sein, für den Fall, dass plötzliche Nutzungsänderungen anstehen oder schnelle Kapazitätsausweitungen erforderlich werden. Vernetzung, Funkkommunikation und sichere Endgeräte spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Bahnt sich wieder eine neue Covid-19-Welle an? Genaue Vorhersagen sind aufgrund der nach wie vor unsicheren Datenlage aktuell unmöglich, und Fallstatistiken ermöglichen immer nur den Blick auf die Vergangenheit. Die Rückkehr zur „neuen Normalität“ treibt daher so manchem IT-Manager die Sorgenfalten auf die Stirn: Was machen wir, wenn wir quasi von heute auf morgen Kommunikationsinfrastrukturen für mehr Intensivkapazitäten, zusätzliche Notaufnahmestationen oder komplette Hilfskrankenhäuser aus dem Boden stampfen müssen? Hier lohnen sich die Überprüfung bestehender Einrichtungen und die Erstellung eines Kommunikations-Notfallplans.

Sprachverbindung spart Wege und Kontakte

Das beginnt bereits bei der Analyse der etablierten Kommunikationstechnik. Die Erfahrung bei der Pflege von Covid-19-Patienten zeigt, wie enorm der Zeitaufwand durch die erforderlichen mechanischen Schutzmaßnahmen ansteigt: Zum sicheren Ausschleusen und Ablegen der persönlichen Schutzausstattung nach einem Patientenkontakt werden etwa in einer Münchner Klinik 18 Arbeitsschritte veranschlagt.[1] „Wenn wir die vielen Face-to-face-Kontakte reduzieren können, dann bedeutet das für uns eine enorme Entlastung“, bekräftigt Tobias Quast, Pflegedirektor am St. Martinus Hospital in Olpe. Erreichen lässt sich diese Reduktion durch eine direkte Sprachverbindung ins Patientenzimmer. Je nach Station und Patienten kann man damit 30 bis 50 Prozent aller Wege einsparen, das haben Untersuchungen der Hochschule Dortmund am St. Martinus Hospital gezeigt.

Mit einer modernen Bedien- und Kommunikationseinheit, einem so genannten Handset, steuert der Patient bereits bestimmte Funktionen in seinem Zimmer, beispielsweise Jalousien. Über den Rufknopf kann er jederzeit eine direkte Verbindung mit der zuständigen Pflegekraft herstellen – infektionssicher.

Entlastung und mehr Sicherheit bringt auch die Vernetzung der Medizintechnik mit dem Kommunikationssystem. Über eine standardisierte Schnittstelle können Alarme von Beatmungsgeräten direkt an die Endgeräte der zuständigen Pflegekräfte gesendet werden. Ein ausgeklügeltes Weiterleitungs- und Quittierungssystem garantiert dabei, dass kein Alarm übersehen oder doppelt verfolgt wird. An die Stelle unspezifischer, akustischer Alarme tritt ein selektives System, das seine Stärken nicht zuletzt bei der schnellen und umfangreichen Expansion von Intensivkapazitäten ausspielt.

Funkkommunikation: sicher und schnell installiert

Kommt es zum Massenanfall von Infizierten, sollte man einen Notfallplan für Ad-hoc-Kommunikationsnetze schon in der Schublade haben. Dabei lohnt ein Blick auf bereits umgesetzte Projekte, in denen Funkkommunikation eine entscheidende Rolle spielt: So wurde vor kurzem ein Hilfskrankenhaus für 56 bis 90 Covid-19-Patienten binnen weniger Tage eingerichtet – in einem Internat einer Hotelberufsschule. Zum Einsatz kam dabei ein vorkonfigurierter „Notfallkoffer“ auf der Basis des Ascom teleCARE IP Systems. Der Koffer beinhaltet ein Display sowie mobile Funk-Repeater, die nur noch an der geeigneten Stelle platziert werden müssen. Nach der Verbindung mit dem 230-V-Netz  ist das Patientenrufsystem sofort einsatzbereit. Der Alarm wird über Funkarmbänder ausgelöst, erscheint auf dem Kofferdisplay und bleibt jederzeit nachverfolgbar. Kompromisse in Bezug auf die VDE-Richtlinie 0834 gibt es dabei nur bei den Selbsttest-Intervallen. Damit wird allerdings eine Batterielebensdauer von einem Jahr gewährleistet.

Untereinander kommunizieren die Pflegekräfte des Hilfskrankenhauses mit „DECT in a Box“, ebenfalls über eine sofort startbereite Funk-Nachrüstlösung: Ein Server sowie mehrere per Kabel verbundene Basisstationen garantieren dabei eine zuverlässige DECT-Abdeckung und dienen als Kommunikationszentrale. Sie ist zusätzlich mit dem Patientenrufsystem vernetzt, so dass die Alarme nicht nur auf dem Kofferdisplay, sondern auch auf den DECT-Telefonen erscheinen.

Endgeräte: robust und gut desinfizierbar

Wichtig, für alle Kommunikationssysteme, sind robuste, zuverlässige und infektionssichere Endgeräte. Hier kann man bei etablierten, fest installierten Systemen genauso wie bei Ad-hoc-Funknetzwerken auf Devices zurückgreifen, die sich im Krankenhausbetrieb seit vielen Jahren bewährt haben. Dazu gehören DECT-Tastentelefone, zum Beispiel Ascom d63, sowie Klinik-Smartphones der neuesten Generation wie das Ascom Myco3. Es bietet einen großen und übersichtlichen Touchscreen, einen Barcodeleser und eine Alarmtaste, mit dem Ärzte und Pfleger bei persönlichen Angriffen schnell Hilfe herbeirufen können. Alle Endgeräte sind unempfindlich gegen mechanische Belastungen und gängige Desinfektionsmittel wie Ethanol oder Virkon S. Selbst die mehrmals tägliche Wischdesinfektion über längere Zeiträume ist kein Problem für die klinikoptimierte Hardware.

Ein Pandemieplan für Kliniken muss heute in jedem Fall die IT- und Kommunikationsinfrastrukturen mit einbeziehen. Wer hier rechtzeitig Bestehendes optimiert und Konzepte für schnell installierbare Ad-hoc-Infrastrukturen entwickelt, kann der Entwicklung getrost ins Auge sehen. Das gilt für weitere Covid-19-Infektionswellen wie für künftige Epidemien.

Und die werden sicher nicht ausbleiben.

Udo Jendrysiak

Zum Autor:

Dr. Udo Jendrysiak ist Solution Market Manager Healthcare für Deutschland, Österreich & Schweiz bei der Ascom Deutschland GmbH