Digitalisierung als Schlüssel zum Erfolg

Kosten

Veröffentlicht 21.05.2021 10:30, Dagmar Finlayson

Krankenhäuser garantieren die medizinische Versorgung der Bevölkerung. Allerdings kämpfen die Einrichtungen seit Jahren gegen finanzielle Verluste an. Die sowieso schon angespannte Lage wird durch die aktuelle Corona-Pandemie noch verschärft. Budgetverhandlungen mit den Trägern der Einrichtungen werden sich zukünftig schwierig gestalten. Unabhängig davon bleiben viele Kostensenkungspotenziale bei Sachkosten ungenutzt. Es gibt viele Optimierungsansätze, Digitalisierung ist dabei einer der Schlüssel zum Erfolg.

Auch im Jahr 2021 stehen die deutschen Krankenhäuser infolge der aktuellen Ausnahmesituation vor erheblichen wirtschaftlichen Problemen. Im Januar gingen die Erlöse um rund 20 Prozent zurück, ähnlich im Februar. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) unter 1.000 Krankenhäusern. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Die Behandlung von Covid-19 Patienten verursacht hohe Mehrkosten, geplante Behandlungen und Eingriffe können teilweise nicht stattfinden, weil keine Kapazitäten frei sind oder Patienten lieber auf einen Aufenthalt im Krankenhaus verzichten. Gleichzeitig erhielten nur 60% der Einrichtungen Ausgleichszahlungen. Der Ruf nach Liquiditätshilfen wird daher immer lauter, denn durch die Erlösausfälle bei gleichbleibend hohen Kosten geht Monat für Monat ein Stück Zahlungsfähigkeit verloren. Einigen Einrichtungen droht sogar die Schließung.

Einsparpotenzial im Beschaffungsbereich liegt zwischen 8 und 11 Prozent

Die Pandemie ist ein signifikanter Kostentreiber, das steht außer Frage. Aber Krankenhäuser klagen bereits seit Jahren über ihre finanzielle Situation. Diese kann verbessert werden, indem die Einsparpotenziale bei Sachkosten genutzt werden. Hierbei geht es nicht in erster Linie um Arzneimittel oder den medizinischen Sachbedarf, sondern um den allgemeinen Wirtschaftsbedarf der Einrichtungen, wie zum Beispiel Handwerkerleistungen, Arbeitnehmerüberlassungen auch in der Pflege oder investive Maßnahmen. Erfahrungsgemäß lassen sich durch gezielte Aktivitäten im Beschaffungsbereich Kosten von bis zu elf Prozent einsparen.

Doch durch die angespannte finanzielle Lage in Krankenhäusern sind auch die Einkaufsabteilungen personell häufig unterbesetzt - keine gute Voraussetzung, um Prozesse zu analysieren und Einsparpotenziale zu heben. Denn um das zu gewährleisten, muss zunächst ein guter Überblick über die bestehenden Prozesse herrschen: vorhandene Lieferantenverträge müssen geprüft, die Vorgaben des öffentlichen Vergaberechtes müssen auch im hektischen Alltag eingehalten werden. Außerdem ist es ratsam, Produktstandardisierungen vorzunehmen, um damit den Bestellprozess zu vereinfachen. Bei einer fundierten Analyse aller Einkaufsprozesse und Vereinbarungen wird schnell sichtbar, wo Einsparungen am schnellsten zu realisieren sind. Dafür reicht es heute nicht mehr aus, Mitglied eines Einkaufsverbundes zu sein. Eine Lösung hierbei kann es sein, einen externen Spezialisten als Unterstützung der Einkaufabteilung einzusetzen.

Durch Bündelung von Dienstleistern Kosten sparen

Es zeigt sich, dass ein großer Kostenfaktor durch Arbeitnehmerüberlassung entsteht. Viele Krankenhausleistungen sind nun einmal Dienstleistungen und dementsprechend personalintensiv. Viele Tätigkeiten, die nicht unmittelbar mit der Patientenversorgung zu tun haben, werden dabei bereits outgesourct, zum Beispiel das Reinigungspersonal, der Wachdienst, die Instandhaltung und die Krankenhausküche. Durch Ausschreibung der Leistungen sowie Bündelung auf ein bis zwei Dienstleister je Kategorie können in diesen Bereichen deutlich Kosten gespart werden, ohne den sensiblen Bereich der medizinischen Betreuung zu tangieren.

Historisch redundant gewachsene IT-Strukturen standardisieren

Spricht man von Kostenoptimierung im Einkauf, dürfen auch die IT-Abteilungen nicht außer Acht gelassen werden. Denn in Krankenhäusern, so wie in vielen anderen Unternehmen auch, sind die IT-Infrastrukturen historisch redundant gewachsen und veraltet. Das liegt in der Natur der Sache, denn die Infrastruktur in Krankenhäusern gibt bereits vor, dass verschiedene Bereiche und Abteilungen getrennt voneinander agieren müssen. Dies ist besonders im Hinblick auf die Sicherheit von Patientendaten („digitale Patientenakte“) wichtig.

Sicher ist jedoch: Redundanz verursacht Mehrkosten, die durch eine Standardisierung deutlich reduziert werden können. Schon durch die Eingrenzung auf einen Hersteller oder auf wenige Modelle mit Standardisierung der Spezifikationen sind Einsparungen garantiert. Die Standardisierung ist zudem aus einem anderen Grund wichtiger denn je: Auch Krankenhäuser sind angehalten, die Digitalisierung voranzutreiben. Um das leisten zu können, ist die Normierung von Prozessen dringend notwendig. So werden nicht nur Kosten eingespart, sondern zugleich eine wichtige Grundlage für die Digitalisierung geschaffen.

Lieferengpässe in Zukunft vermeiden

 Eine wichtige Debatte betraf gerade im letzten Jahr die Versorgung von Krankenhäusern mit medizinischer Schutzausrüstung. Was eigentlich ein alltäglicher Einkaufsprozess war, wurde zu Beginn der Pandemie 2020 auf den Prüfstand gestellt. Die spürbaren Engpässe bei der Versorgung mit Schutzmasken, Desinfektionsmitteln oder auch Einweghandschuhen verschiedener Schutzklassen stellte den Einkauf vor ganz neue Herausforderungen, denn viele angestammte Partnerunternehmen waren nicht mehr imstande, zu liefern. Mittlerweile liegen Kliniken zwar zahlreiche Angebote für Schutzausrüstungen vor. Doch oftmals sind diese neuen Lieferanten den zuständigen Abteilungen nicht bekannt. Eine dann notwendige Plausibilitätsprüfung, auch vor dem Hintergrund des zukünftigen Lieferkettengesetzes, ist zeitaufwändig und kann die eigenen Ressourcen überlasten. Hier kann externe Unterstützung eine Maßnahme sein.

Fazit

Die finanzielle Situation vieler Krankenhäuser ist kritisch. Das wird durch die aktuelle Pandemie-Situation noch verstärkt. Neben den geplanten Ausgleichszahlungen und dem Rettungsschirm von Seiten der Bundes- und Landesregierungen können die Einrichtungen aber durch gezielte Einkaufsoptimierung einen Teil der Verluste selbst kompensieren. In Projekten mit spezialisierten Unternehmensberatungen können erfahrungsgemäß zwischen 8 und 11% der Kosten eingespart werden.



 

Autor:                                                                     
Christian Dieker, Partner bei PrexPartners

 

Symbolbild: Pixabay/2500529


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